Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat ihre Ermittlungen zu einer Strafanzeige von Collien Fernandes am 27. März 2026 wieder aufgenommen. Hintergrund sind neue Medienberichte zu dem Fall, der mutmaßlich mit Fake-Profilen und pornografischen Deepfake-Inhalten verbunden ist. Parallel laufen bereits separate Verfahren auf Mallorca. Das Verfahren hatte die Behörde im Juni 2025 eingestellt.
Ermittlungen in Itzehoe wieder aufgenommen
Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall von Collien Fernandes nach neuen Medienberichten erneut.
Streit über erste Einstellung
Zwischen Anwaltschaft und Staatsanwaltschaft gibt es unterschiedliche Darstellungen dazu, warum das Verfahren 2025 eingestellt wurde.
Debatte über digitale Gewalt
Der Fall hat bundesweit Diskussionen über Deepfake-Pornografie und Lücken im rechtlichen Schutz ausgelöst.
Die Staatsanwaltschaft Itzehoe im nördlichen Bundesland Schleswig-Holstein hat ihre Ermittlungen am 27. März 2026 zu einer Strafanzeige wieder aufgenommen, die die deutsche Fernsehmoderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes gestellt hatte. Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow bestätigte der Deutschen Presse-Agentur die Entscheidung und sagte, die Wiederaufnahme sei nach einer Prüfung jüngster Medienveröffentlichungen erfolgt. Fernandes hatte die Anzeige ursprünglich im November 2024 bei der Berliner Polizei eingereicht. Sie teilte mit, eine unbekannte Person habe ein Fake-Konto in ihrem Namen erstellt und pornografische Deepfake-Inhalte verbreitet. Der Fall wurde anschließend an die Staatsanwaltschaft Itzehoe übergeben und im Juni 2025 eingestellt. Die erneuten Ermittlungen laufen parallel zu getrennten Verfahren auf Mallorca in Spanien, wo Fernandes ebenfalls Anzeige erstattet hat.
Ermittlungsanfrage soll Fernandes nie erreicht haben, sagt Anwältin Die Umstände der ersten Einstellung der deutschen Ermittlungen sind inzwischen umstritten. Nach Angaben von Fernandes' Anwältin Christina Clemm sei ihre Mandantin nie darüber informiert worden, welche Behörde nach der ursprünglichen Anzeige bei der Berliner Polizei die Ermittlungen übernommen habe. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe habe Fernandes aufgefordert, für die Ermittlungen relevante Unterlagen vorzulegen. Diese Aufforderung habe sie nach Darstellung von Clemm jedoch nie erreicht. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor erklärt, sie habe das Verfahren eingestellt, weil Fernandes der Anfrage nicht nachgekommen sei und es deshalb keine Hinweise zur Identifizierung eines Täters gegeben habe. Fernandes widersprach dieser Darstellung in der Zeitung Tagesspiegel. Erst durch eine spätere Recherche des Wochenmagazins Der Spiegel habe sie erfahren, dass das Verfahren eingestellt worden sei, berichtete die Berliner Zeitung. Müller-Rakow sagte, weitere Prüfungen in der Sache seien nun zu erwarten. Weitere Einzelheiten nannte er mit Verweis auf taktische Ermittlungsgründe nicht.
Ulmen weist alle Vorwürfe zurück, Anwalt kündigt Schritte an Bundesweit bekannt wurde der Fall nach einem Bericht des Spiegel, in dem Fernandes schwere Vorwürfe gegen ihren früheren Ehemann, den deutschen Fernsehmoderator und Produzenten Christian Ulmen, erhob. Fernandes wirft Ulmen vor, über rund zehn Jahre Fake-Profile in ihrem Namen betrieben und darüber pornografisches Material verbreitet zu haben. Sie erhebt außerdem Vorwürfe körperlicher Übergriffe. Auf Instagram schrieb sie, Ulmen habe ihr im Dezember 2024 ein „Degradierungs-Fetisch“ gestanden, der ihm ein Gefühl von Macht verschafft habe. Müller-Rakow wollte nicht bestätigen, ob sich die laufenden Ermittlungen nun ausdrücklich gegen Ulmen richteten, und sagte, offen sei auch weiterhin, welcher Straftatbestand überhaupt in Betracht komme. Ulmen gilt als unschuldig. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an. Er bezeichnete sie als „zu weiten Teilen unzulässige Verdachtsberichterstattung“ und sagte, es würden „falsche Tatsachen auf Grundlage einer einseitigen Schilderung verbreitet“.
„Aus taktischen Gründen der Ermittlungen sind keine weiteren Angaben möglich.” — Peter Müller-Rakow via German Press Agency
Wichtige Stationen im Fall Fernandes: — ; — ; — ; — ; —
Fall löst bundesweite Proteste gegen digitale sexualisierte Gewalt aus Die Veröffentlichung des Spiegel-Berichts löste in Deutschland eine breite Debatte über digitale und sexualisierte Gewalt gegen Frauen aus. Tausende Menschen gingen bei Demonstrationen im ganzen Land auf die Straße, darunter auch bei einer Kundgebung in Hamburg, die stärkeren Schutz für Opfer sexualisierter Gewalt forderte. Fernandes nahm nach Angaben der Berliner Zeitung an der Hamburger Demonstration teil. Der Fall lenkte die Aufmerksamkeit auf rechtliche Lücken bei Deepfake-Pornografie und auf den Umgang deutscher Behörden mit Anzeigen wegen digitalem Missbrauch. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe übernahm die Zuständigkeit für die ursprüngliche Anzeige, weil die gemeldete Tat offenbar erstmals von Fernandes in ihrem geografischen Zuständigkeitsbereich bemerkt worden war. Die spanischen Verfahren auf Mallorca befänden sich weiterhin in einem sehr frühen und vertraulichen Stadium, sagte eine von der Deutschen Presse-Agentur zitierte Justizsprecherin. In Deutschland wächst der Druck, den rechtlichen Schutz vor bildbasierter sexueller Gewalt einschließlich Deepfake-Inhalten zu stärken, da die technische Erstellung solcher Materialien immer leichter zugänglich geworden ist. Der Fall Fernandes ist einer von mehreren prominenten Fällen in Europa, die Forderungen nach Gesetzesreformen und schnelleren Reaktionen der Staatsanwaltschaft auf Anzeigen mit digitalen Beweismitteln ausgelöst haben.
Mentioned People
- Collien Fernandes — niemiecka prezenterka telewizyjna, aktorka i autorka
- Christian Ulmen — niemiecki prezenter, lektor słuchowisk, artysta rozrywkowy, satyryk, producent, aktor, aktor głosowy, autor, reżyser, montażysta filmowy i przedsiębiorca medialny
- Peter Müller-Rakow — starszy prokurator w Itzehoe
- Christina Clemm — adwokatka reprezentująca Collien Fernandes
- Christian Schertz — adwokat reprezentujący Christiana Ulmena
Sources: 4 articles
- Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen im Fall Collien Fernandes wieder auf (Neue Zürcher Zeitung)
- Fall Fernandes: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Mann (Norddeutscher Rundfunk)
- Vorwürfe von Collien Fernandes: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Christian Ulmen wegen Verdachts der Nachstellung - WELT (DIE WELT)
- Vorwürfe von Collien Fernandes: Jetzt wird auch in Deutschland gegen Christian Ulmen ermittelt (N-tv)
- Der Fall Collien Fernandes: Deutsche Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Christian Ulmen (Der Tagesspiegel)
- Collien Fernandes: Staatsanwaltschaft bestätigt Anfangsverdacht gegen Ulmen (stern.de)
- Fall Collien Fernandes: Staatsanwaltschaft Itzehoe nimmt Ermittlungen nach Anzeige 2024 wieder auf (Süddeutsche Zeitung)
- Vorwürfe von Collien Fernandes: Jetzt wird auch in Deutschland wieder ermittelt (N-tv)
- Ermittlungen nach Anzeige von Fernandes wieder aufgenommen - WELT (DIE WELT)
- Staatsanwaltschaft Itzehoe: Ermittlungen nach Anzeige von Fernandes wieder aufgenommen (ZEIT ONLINE)