Nach 16 Jahren an der Regierungsspitze muss Viktor Orbán das Amt des Ministerpräsidenten räumen. Die neu gegründete Tisza-Partei von Péter Magyar sicherte sich bei der Parlamentswahl am 12. April 2026 eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit.

Sieg der Tisza-Partei

Péter Magyars Partei erringt mit 138 Sitzen eine Zweidrittelmehrheit im ungarischen Parlament.

Ende der Ära Orbán

Nach 16 Jahren muss Viktor Orbán den Posten des Ministerpräsidenten räumen; sein Fidesz-Bündnis gewann nur 13 Direktmandate.

Internationale Erleichterung

Führende Politiker der EU, der Ukraine und der USA begrüßen den Wahlausgang als demokratisches Signal.

Die Tisza-Partei von Péter Magyar hat bei der Parlamentswahl am Sonntag, dem 15. April 2026, einen deutlichen Sieg errungen. Mit 138 von 199 Sitzen im ungarischen Parlament beendete sie die 16-jährige Regierungszeit von Viktor Orbán. Dieses Ergebnis verleiht Magyars Partei eine Zweidrittelmehrheit, die Beobachtern zufolge notwendig ist, um die unter Orbán vorgenommenen Verfassungsänderungen rückgängig zu machen. Orbán, der seit 2010 als Ministerpräsident amtierte, räumte seine Niederlage am späten Sonntagabend ein und bezeichnete das Ergebnis als eindeutig und schmerzhaft für seine Partei. Fernsehbilder zeigten weinende Fidesz-Anhänger vor der Parteizentrale. Die Fidesz-Partei gewann lediglich 13 von 106 Direktwahlkreisen – ein Einbruch, der sich bis in die ländlichen Regionen erstreckte, die bisher als Orbáns Hochburgen galten.

Viktor Orbán bekleidete das Amt des ungarischen Ministerpräsidenten erstmals von 1998 bis 2002 und kehrte 2010 an die Macht zurück. Während seiner zweiten Regierungsphase gestaltete seine Partei Fidesz die Wahlkreise mehrfach neu und setzte umfassende Verfassungsänderungen durch. Kritiker sahen darin eine Schwächung der richterlichen Unabhängigkeit und der Medienfreiheit. Das Verhältnis Ungarns zur Europäischen Union verschlechterte sich unter Orbán erheblich, da er wiederholt EU-Entscheidungen blockierte und enge Verbindungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin pflegte. Péter Magyar, ein Jurist und ehemaliger Insider aus Fidesz-Kreisen, trat zunächst als Whistleblower und Oppositionsfigur in Erscheinung, bevor er die Tisza-Partei gründete und das System, dem er einst selbst angehörte, erfolgreich herausforderte.

138 (Sitze) — Mandate der Tisza-Partei im Parlament mit 199 Sitzen

Tisza-Partei: 138, Fidesz: 13

Europäische Staats- und Regierungschefs werten Wahlsieg als demokratischen Wendepunkt Die internationalen Reaktionen auf das Wahlergebnis folgten unmittelbar. Europäische Staats- und Regierungschefs interpretierten den Ausgang als Signal für demokratische Werte auf dem gesamten Kontinent. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, zeigte sich erleichtert und schrieb auf X, dass Ungarn sich für Europa entschieden habe und auf den europäischen Pfad zurückkehre. „Ungarn hat sich für Europa entschieden” — Ursula von der Leyen via SRF News Ein Sprecher von der Leyens bestätigte, dass sie bereits mit Magyar gesprochen habe und beide eine enge Zusammenarbeit vereinbart hätten. Der französische Präsident Emmanuel Macron gratulierte Magyar persönlich per Telefon und begrüßte auf X den Sieg der demokratischen Teilhabe. Er rief dazu auf, gemeinsam an einem souveräneren Europa zu arbeiten. Der britische Premierminister Keir Starmer bezeichnete das Ergebnis als historischen Moment für Ungarn und die europäische Demokratie insgesamt. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Magyar für Sicherheit und Wohlstand beider Länder. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz gehörte zu den Gratulanten; die Erleichterung in Berlin und Brüssel wurde als erheblich beschrieben. EU-Ratspräsident António Costa betonte, dass die Rekordwahlbeteiligung den demokratischen Geist des ungarischen Volkes unterstreiche.

Selenskyj hofft auf Neuanfang in den ungarisch-ukrainischen Beziehungen Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Wahlausgang als überwältigenden Sieg und drückte die Hoffnung aus, dass nun ein konstruktiver Ansatz in der ungarischen Politik einkehre. Selenskyj schrieb auf X, die Ukraine habe stets gute nachbarschaftliche Beziehungen zu allen europäischen Staaten gesucht und sei bereit, die Kooperation mit Ungarn zu vertiefen. Diese Erklärung ist vor dem Hintergrund von Bedeutung, dass Orbán Magyar im Wahlkampf als eine Figur dargestellt hatte, die Ungarn im Auftrag Selenskyjs in den Krieg ziehen wolle – eine Behauptung, die in einem Kommentar der Tagesschau als Versuch gewertet wurde, den schlechten Zustand der öffentlichen Dienste in Ungarn zu kaschieren. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reagierte differenzierter: Sie gratulierte Magyar zum Sieg, dankte aber gleichzeitig ihrem „Freund“ Orbán für die intensive Zusammenarbeit der vergangenen Jahre. Meloni zeigte sich überzeugt, dass Orbán seinem Land nun aus der Opposition heraus dienen werde, und beschrieb Italien und Ungarn als tief verbundene Nationen. Alain Berset, Generalsekretär des Europarats, gratulierte ebenfalls und äußerte den Wunsch, gemeinsam die Rechtsstaatlichkeit zu stärken.

Obama sieht globales Signal und zieht Parallelen zu Polen Der ehemalige US-Präsident Barack Obama würdigte das Ergebnis als Sieg für die Demokratie weltweit und zog einen direkten Vergleich zur Parlamentswahl in Polen im Jahr 2023. „Der Sieg der Opposition in Ungarn gestern ist – wie die Wahl in Polen 2023 – ein Sieg für die Demokratie, nicht nur in Europa, sondern weltweit” — Barack Obama via N-tv Obama schrieb auf X, das Ergebnis zeuge vor allem von der Widerstandsfähigkeit und Entschlossenheit des ungarischen Volkes. Es sei eine Mahnung, sich weiterhin für Gerechtigkeit, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen. In einem Kommentar der Tagesschau wurde angemerkt, dass Magyars Erfolg nicht auf einer klassischen liberalen oder sozialdemokratischen Kampagne basierte. Vielmehr habe er durch einen personenzentrierten Ansatz Orbáns eigene politische Methoden gegen ihn selbst gewandt. Magyar, ein am 16. März 1981 geborener Jurist, stammte aus dem inneren Fidesz-Zirkel, bevor er als Whistleblower eine Bewegung gegen das von ihm so bezeichnete „System Orbán“ anführte. Der Kommentar schloss, dass die ungarische Opposition 16 Jahre lang erfolglos gegen Orbán gekämpft habe und es letztlich eines Insiders mit einer besonderen persönlichen Geschichte bedurfte, um den Durchbruch zu erzielen. Laut Personenstandsregister wird erwartet, dass Magyar nun das Amt des Ministerpräsidenten übernimmt.

Mentioned People

  • Péter Magyar — Lider Partii Tisza i prawdopodobny kolejny premier Węgier
  • Viktor Orbán — 56. premier Węgier sprawujący urząd od 2010 roku
  • Ursula von der Leyen — Przewodnicząca Komisji Europejskiej od 2019 roku
  • Friedrich Merz — Kanclerz Niemiec od 6 maja 2025 roku
  • Emmanuel Macron — Prezydent Francji i współksiążę Andory od 2017 roku
  • Keir Starmer — Premier Wielkiej Brytanii od 2024 roku
  • Volodymyr Zelenskyy — Szósty prezydent Ukrainy od 2019 roku
  • Barack Obama — 44. prezydent Stanów Zjednoczonych w latach 2009–2017
  • Giorgia Meloni — Premier Włoch od października 2022 roku

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