Die französisch-niederländische Luftfahrtgruppe Air France-KLM hat am 2. April 2026 ein unverbindliches Angebot für die Übernahme von 44,9 Prozent der Anteile an TAP Air Portugal eingereicht. Damit reagierte der Konzern als erster Bieter offiziell auf die von der staatlichen Holding Parpública gesetzte Frist. CEO Benjamin Smith betonte die strategische Bedeutung des Lissaboner Drehkreuzes für die künftige Vernetzung nach Brasilien und Afrika.

Angebot für Minderheitsanteil

Air France-KLM bietet für 44,9 Prozent der Anteile an TAP Air Portugal und ist der erste offizielle Bieter.

Strategischer Fokus Lissabon

Lissabon soll als exklusives Drehkreuz für Flüge nach Brasilien und Afrika in die bestehende Allianz integriert werden.

Wettbewerber positionieren sich

Lufthansa bleibt im Bieterrennen, während die Teilnahme der IAG (British Airways, Iberia) bis zuletzt ungewiss blieb.

Air France-KLM hat am 2. April 2026 einen unverbindlichen Vorschlag für den Erwerb einer Beteiligung von 44,9 Prozent an TAP Air Portugal vorgelegt. Damit gab die Gruppe als erster Bieter ihr Angebot noch vor Ablauf der Frist bei der Parpública bekannt. Die Luftfahrtgruppe, zu deren Referenzaktionären der französische und der niederländische Staat gehören, bezeichnete diesen Schritt als strategische Priorität. Benjamin Smith, Chief Executive Officer von Air France-KLM, erklärte, das nächste Kapitel in der Geschichte der portugiesischen Fluggesellschaft solle innerhalb der Air France-KLM-Gruppe geschrieben werden. Das Angebot zielt auf eine Minderheitsbeteiligung von bis zu 44,9 Prozent des Kapitals der TAP ab und positioniert die Gruppe als Vorreiter in einer der am genauesten beobachteten Privatisierungen der europäischen Luftfahrt. Die Lufthansa bestätigte ebenfalls, dass sie vor Ablauf der Frist ein Angebot einreichen werde, während die IAG, Eigentümerin von British Airways und Iberia, mit Unsicherheiten konfrontiert war. Bloomberg hatte zuvor berichtet, dass ein Rücktritt vom Bieterverfahren erwogen werde, wobei IAG-nahe Kreise angaben, die Gruppe habe bis zum Ende der Frist Zeit für eine Entscheidung. Lissabon als exklusives südeuropäisches Drehkreuz im VisierAir France-KLM legte eine ambitionierte strategische Begründung für die Übernahme vor, wobei die geografische Lage Lissabons als Tor zwischen Europa, Amerika und Afrika im Mittelpunkt steht. Die Gruppe gab an, dass Lissabon ihr einziges Drehkreuz in Südeuropa werden würde, um die Anbindung an Brasilien – einen Schlüsselmarkt für TAP und Air France-KLM – sowie den afrikanischen Kontinent zu stärken. Benjamin Smith unterstrich, dass TAP hervorragend in die Multi-Hub-Strategie der Gruppe passe. Es bestehe die Absicht, den Betrieb in Lissabon zu verstärken und gleichzeitig die Anbindung anderer portugiesischer Städte, einschließlich Porto, auszubauen. Die Gruppe verwies zudem auf ihre bestehenden Partnerschaften mit Delta Air Lines und Virgin Atlantic im Rahmen eines transatlantischen Joint Ventures. Die Integration der TAP würde diese Netzwerke auf portugiesische Ziele ausweiten. Zudem sicherte Air France-KLM zu, die Marke TAP beizubehalten und die Anbindung für die portugiesische Diaspora zu schützen, wie es die portugiesische Regierung fordert. Die Gruppe betonte ihre Präsenz auf dem portugiesischen Markt seit 1940 und sieht ihre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit staatlichen Anteilseignern als Wettbewerbsvorteil im Privatisierungsprozess.„Wir sind fest davon überzeugt, dass das nächste Kapitel der Geschichte dieser Fluggesellschaft als Teil der Air France-KLM-Gruppe geschrieben werden sollte, um auf diesem Erbe aufzubauen und TAP auf ein neues Niveau zu heben. TAP passt perfekt in die Multi-Hub-Strategie von Air France-KLM, und unser Ziel ist es, den Betrieb in Lissabon zu stärken und gleichzeitig die Konnektivität in anderen Städten des Landes, einschließlich Porto, zu entwickeln. Wir freuen uns auf die nächsten Schritte in diesem Privatisierungsprozess.” — Benjamin Smith via Observador Lufthansa reicht Angebot ein, IAG-Teilnahme bis zuletzt offenLufthansas Strategiechef Tamur Goudarzi Pour hatte zuvor erklärt, dass sich der deutsche Konzern nicht aus dem Bieterstreit zurückziehen und ein unverbindliches Angebot abgeben werde. Er argumentierte, die Lufthansa sei der Partner mit der größten Kapazität für die Weiterentwicklung der TAP. Die Position der IAG blieb bis zum Fristende Gegenstand von Spekulationen. Nachdem Bloomberg über ein mögliches Fernbleiben berichtet hatte, gab es von der Gruppe keine offizielle Bestätigung für einen Rückzug. Die portugiesische Regierung unter Premierminister Luís Montenegro hat allen Bietern eine klare Bedingung gestellt: Jeder Käufer muss sich verpflichten, den Flugbetrieb an allen portugiesischen Flughäfen zu entwickeln, nicht nur am Drehkreuz Lissabon; explizit wurden Porto und Faro genannt. Air France-KLM reagierte direkt auf diese Forderung und erklärte, dass ganz Portugal von einer erhöhten Flugkonnektivität unter ihrer Eigentümerschaft profitieren würde. Die Gruppe argumentierte zudem, dass TAP durch die Integration in eine größere Organisation mit Air France, KLM und Transavia von Größenvorteilen und globaler Reichweite profitieren werde.TAP Air Portugal, die nationale Fluggesellschaft Portugals, ist seit 2005 Mitglied der Star Alliance und führt durchschnittlich 2.500 Flüge pro Woche zu 90 Zielen in 34 Ländern durch. Die Fluggesellschaft ist bekannt für ihre Verbindungen zwischen Portugal und Brasilien sowie der portugiesischsprachigen Welt in Afrika – Märkte, die für ihre kommerzielle Identität zentral bleiben. Der Privatisierungsprozess spiegelt einen breiteren europäischen Trend wider, bei dem Regierungen nach dem finanziellen Druck der Pandemie ihre direkten Beteiligungen an nationalen Carriern reduzieren. Air France-KLM ist selbst seit 1940 auf dem portugiesischen Markt tätig und pflegt somit eine langjährige Geschäftsbeziehung zu dem Land, die noch vor der heutigen Form der TAP begann.44.9 (%) — Anteil, den Air France-KLM an TAP Air Portugal anstrebt81-jährige Tradition der TAP als Kernwert für BieterDie öffentliche Erklärung von Air France-KLM bezog sich wiederholt auf die 81-jährige Geschichte der TAP als Beleg für den Markenwert und die Netzwerkstärke der Fluggesellschaft. Benjamin Smith sagte, TAP habe ein solides Drehkreuz in Lissabon, eine starke Marke und ein einzigartiges Angebot aufgebaut, das zahlreiche Häfen mit qualitativ hochwertigem Service verbinde. Die Integration in eine größere Organisation werde die Wettbewerbsfähigkeit der TAP stärken, ohne deren Identität zu beeinträchtigen. Air France-KLM deutete zudem an, dass die Zusammenarbeit alle Geschäftsbereiche umfassen werde, einschließlich eines Fokus auf Dekarbonisierung, wenngleich Details hierzu am Stichtag nicht vollständig ausgeführt wurden. Die Betonung der Marke TAP und des portugiesischen Erbes scheint darauf ausgelegt zu sein, politische Vorbehalte gegen die Privatisierung des Staatsunternehmens zu entkräften. Nach der Einreichung der unverbindlichen Angebote geht der Prozess nun in die Phase der verbindlichen Offerten über, bei denen die Bedingungen der Regierung zur Standortgarantie rechtlich schwerer ins Gewicht fallen werden.

Mentioned People

  • Benjamin Smith — Dyrektor generalny Air France-KLM od 2018 roku
  • Luís Montenegro — Premier Portugalii

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