Die Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Bettina Orlopp, hat am Montag die Fusionspläne der italienischen UniCredit scharf zurückgewiesen. Während UniCredit-Chef Andrea Orcel einen Gewinn von 21 Milliarden Euro bis 2030 in Aussicht stellt, formiert sich in Berlin und bei den Gewerkschaften massiver Widerstand gegen eine feindliche Übernahme.
Ablehnung durch Commerzbank-Vorstand
Bettina Orlopp bezeichnete die UniCredit-Pläne als mangelhaft und wenig wertmindernd gegenüber der Eigenständigkeit.
Widerstand der Bundesregierung
Das Finanzministerium stuft eine feindliche Übernahme der systemrelevanten Bank als inakzeptabel ein.
Finanzielle Ziele der UniCredit
Die italienische Bank strebt bei einer Fusion bis 2030 einen Nettogewinn von 21 Milliarden Euro an.
Kritik der Arbeitnehmervertreter
Die Gewerkschaft Verdi warnt vor massiven Sparmaßnahmen und Stellenkürzungen unter italienischer Führung.
Die Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Bettina Orlopp, hat das Übernahmeangebot der UniCredit am Montag zurückgewiesen. Sie bezeichnete den Plan des italienischen Instituts als reines Restrukturierungskonzept und nicht als wertsteigernden Zusammenschluss. Auch die Bundesregierung und die Gewerkschaften positionierten sich gegen das Vorhaben. Zuvor hatte UniCredit-Chef Andrea Orcel einen Plan vorgelegt, nach dem ein fusionierter Konzern bis zum Jahr 2030 einen Nettogewinn von rund 21 Milliarden Euro erwirtschaften könnte. Die italienische Bank, die 2024 mit dem Erwerb von Commerzbank-Aktien begann, hat ihren Anteil mittlerweile auf knapp 30 Prozent ausgebaut. Im vergangenen Monat leitete sie Schritte ein, um diese Schwelle zu überschreiten. Nach deutschem Recht wird bei Überschreiten dieser Marke ein Pflichtangebot für eine vollständige Übernahme fällig.
Orlopp kritisiert mangelndes Verständnis des Geschäftsmodells Bettina Orlopp wies den Vorschlag deutlich zurück und warf der UniCredit vor, die Grundlagen des Commerzbank-Geschäfts trotz langjährigen Kontakts zwischen den Instituten nicht verstanden zu haben. „Wir sind erstaunt, dass die UniCredit mehr als 18 Monate benötigt hat, um einen einseitigen Plan vorzulegen, dem es an grundlegendem Verständnis für die Treiber unseres Geschäftsmodells fehlt, obwohl in dieser Zeit regelmäßige Investorengespräche stattfanden.” — Bettina Orlopp via Reuters Orlopp beschrieb das Vorhaben als Sanierungsplan, der sich an der bestehenden Strategie der Commerzbank messen lassen müsse. Diese biete verlässliche Werte bei begrenzten Umsetzungsrisiken. In einer offiziellen Mitteilung der Commerzbank wurde der UniCredit die Anwendung „hostiler Taktiken und irreführender Darstellungen“ vorgeworfen. Die Ablehnung fiel eindeutig aus: Orlopp erklärte, der Plan sei „kein Unternehmenszusammenschluss, der in der Lage wäre, Wert zu schaffen“. Andrea Orcel hingegen stellte den Schritt als Versuch dar, einen Stillstand zu überwinden und beide Seiten an den Verhandlungstisch zu bringen.
Berlin bezeichnet feindliche Übernahme als inakzeptabel Das Bundesfinanzministerium bekräftigte seine Ablehnung des Geschäfts in deutlichen Worten. Eine feindliche Übernahme eines systemrelevanten Instituts liege außerhalb dessen, was die Regierung akzeptieren könne. „Die Position der Bundesregierung ist bekannt und hat sich nicht geändert. Wir unterstützen die Eigenständigkeitsstrategie der Commerzbank. Eine feindliche Übernahme – insbesondere mit Bezug auf eine systemrelevante Bank wie die Commerzbank – wäre inakzeptabel.” — Sprecher des Bundesfinanzministeriums via ANSA Das Ministerium verzichtete auf eine direkte Kommentierung der spezifischen Aussagen der UniCredit; der Sprecher fügte lediglich hinzu, dass die Regierung nicht auf Bemerkungen des italienischen Kreditinstituts antworte. Ein deutscher Abgeordneter äußerte sich ebenfalls ablehnend, betonte jedoch, dass im Falle einer Fusion der Hauptsitz der Bank in Frankfurt am Main liegen müsse. Die Haltung der Regierung spiegelt die Sorge um eine ausländische Kontrolle über eine Bank wider, die eine zentrale Rolle im deutschen Finanzsystem spielt. Systemrelevante Banken unterliegen in der gesamten Europäischen Union einer strengen regulatorischen Überwachung.
Gewerkschaft warnt vor massiven Einschnitten Die Gewerkschaft Verdi erneuerte nach der Präsentation der UniCredit am Montag ihre Forderung nach der Unabhängigkeit der Commerzbank. Ein hochrangiger Vertreter wies den Plan als umformuliertes Sparprogramm zurück. „Die heutige Präsentation der UniCredit hat uns weder besonders überrascht noch überzeugt, da sie letztlich nur visuell veranschaulicht, was sie schon die ganze Zeit tun: massive Kürzungen ankündigen und versuchen, diese etwas zu beschönigen.” — Kevin Voss via Reuters Kevin Voss, ein Verdi-Vertreter, der im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt, sagte, die Eigenständigkeit sei „definitiv der bessere Weg für die Beschäftigten“. Den Prognosen der UniCredit zufolge soll die fusionierte Gruppe bis 2030 Erträge von rund 45 Milliarden Euro erzielen und die Kosten unter 14,5 Milliarden Euro halten. 21 (Milliarden Euro) — prognostizierter Nettogewinn der fusionierten Gruppe bis 2030 Aufgrund der Kluft zwischen den finanziellen Ambitionen der UniCredit und dem Widerstand des Commerzbank-Managements, der Bundesregierung sowie der Arbeitnehmerschaft bleibt die Umsetzung des Geschäfts ungewiss.
Nettogewinn: 21, Erträge: 45, Kosten (Obergrenze): 14,5
Die UniCredit begann 2024 mit dem Aufbau einer Beteiligung an der Commerzbank und hält nun fast 30 Prozent der Anteile. Die 30-Prozent-Marke ist nach deutschem Übernahmerecht ein entscheidender Schwellenwert: Wird dieser überschritten, ist der Erwerber gesetzlich verpflichtet, allen verbleibenden Aktionären ein Pflichtangebot für die vollständige Übernahme zu unterbreiten. Die Commerzbank mit Sitz in Frankfurt am Main ist eine der größten Banken Deutschlands und betreut sowohl Privat- als auch Firmenkunden in ganz Europa. Die Bundesregierung hat historisch ein starkes Interesse an der Eigentümerstruktur der Commerzbank, nachdem sie infolge einer staatlichen Rettung während der Finanzkrise 2008 einen bedeutenden Anteil an der Bank gehalten hatte.
Mentioned People
- Bettina Orlopp — Prezes zarządu Commerzbank Aktiengesellschaft
- Andrea Orcel — Dyrektor generalny UniCredit
- Kevin Voss — Przedstawiciel związku Verdi w radzie nadzorczej Commerzbanku
Sources: 46 articles
- Unicredit met la pression sur Commerzbank, qui dénonce une offre " trompeuse " (Mediapart)
- Commerzbank dit rejeter "les manœuvres hostiles persistantes" d'UniCredit (Le Figaro.fr)
- Orlopp (Commerz), da Unicredit piano unilaterale senza comprensione di base - Notizie - Ansa.it (ANSA.it)
- Commerzbank rejects UniCredit's 'hostile' approach (Reuters)
- Commerzbank rechaza la OPA hostil de UniCredit: "Es un intento especulativo de desmantelar el modelo de negocio (El Periódico)
- German lawmaker opposed to UniCredit takeover of Commerzbank, says any combined bank should be in Frankfurt (Reuters)
- Unicredit: Orcel attackiert Commerzbank - und wirbt für Übernahme (Handelsblatt)
- "Nicht ausreichend vorbereitet": UniCredit unkt über Zukunftsfähigkeit der Commerzbank (N-tv)
- German union renews calls for Commerzbank independence after UniCredit's latest push (Reuters)
- Unicredit kritisiert Commerzbank-Vorstand (Frankfurter Allgemeine)