Jordan Bardella, Vorsitzender des Rassemblement National, ist am Montag zu einem Arbeitsessen mit dem Vorstand des Arbeitgeberverbandes Medef zusammengetroffen. Vor dem Hintergrund der Präsidentschaftswahl 2027 stellte er Pläne für eine umfassende Deregulierung der französischen Wirtschaft vor. Das Treffen markiert einen Wendepunkt im bisher distanzierten Verhältnis der Rechtspopulisten zur Unternehmerschaft.

Offizieller Austausch

Erstmaliger offizieller Empfang der RN-Spitze durch die Führung des Arbeitgeberverbandes Medef.

Deregulierungsprojekt

Bardella und Le Pen kündigen für 2027 eine umfassende Verordnung zur Entbürokratisierung und Senkung von Produktionssteuern an.

Kritik der Arbeitnehmer

Gewerkschaften werfen dem Medef vor, aus reinem Pragmatismus die politische Legitimation der Rechtspopulisten voranzutreiben.

Strategische Distanz

Trotz wirtschaftlicher Annäherung behält der RN seine harten Positionen zu Einwanderung und der EU bei.

Jordan Bardella, Präsident des Rassemblement National (RN), traf sich am Montag, den 20. April 2026, mit dem Vorstand des Medef zu einem Mittagessen in einem Hotel im 17. Pariser Arrondissement. Das Treffen löste scharfe Reaktionen bei Gewerkschaften und in europäischen Medien aus. Bardella bezeichnete den Austausch über die französische Wirtschaft als „äußerst höflich“ sowie „tabufrei und transparent“; Themen seien unter anderem Steuern und Normen gewesen. Er wurde von dem Abgeordneten Alexandre Loubet sowie seinem Sonderberater François Durvye begleitet. Das Gespräch dauerte über zwei Stunden, wobei weder Bardella noch seine Kollegen Details zum präzisen Inhalt preisgaben. Bardella wies die Darstellung zurück, es handle sich um eine Prüfung seiner Person: Er sei „nicht gekommen, um sein Programm vom Medef validieren zu lassen“, und befinde sich „nicht in einer Schulprüfung“. Er fügte hinzu, dass er vom Medef „konkrete Vorschläge für die Erholung französischer Unternehmen“ erwarte.

RN veröffentlicht Brief zur Entbürokratisierung vor 2027 Am Morgen des 20. April veröffentlichten Bardella und Marine Le Pen, Vorsitzende der RN-Fraktion, einen gemeinsamen Brief auf der Plattform X, der sich an Unternehmensleiter richtete. Darin kündigten sie ein „großes Projekt für eine Vereinfachungsverordnung“ an, das zu Beginn einer potenziellen Amtszeit im Jahr 2027 umgesetzt werden soll. Ziel sei es, „normative Blockaden zu lösen, die die wirtschaftliche Entwicklung Frankreichs behindern“. Dabei gehe es insbesondere um „rechtliche und administrative Zwänge“, die auf europäische Rechtstexte zurückzuführen seien. Die RN-Spitze beauftragte drei Parteifunktionäre, darunter Alexandre Loubet, mit der Organisation von Treffen mit den wichtigsten Berufsverbänden und Wirtschaftsorganisationen. Während des Mittagessens nannte Bardella als Prioritäten die „Senkung der Energiekosten“, eine „massive Vereinfachung für Unternehmer“, den „Abbau von Normen“ sowie die „Reduzierung der Produktionssteuern“. Er bekräftigte zudem, dass die Rücknahme der Rentenreform ein Ziel bleibe, ordnete dies jedoch einer späteren „Phase der sozialen Gerechtigkeit“ zu. Angesprochen auf einen liberalen Kurswechsel betonte Bardella, er glaube an die „Unternehmerfreiheit“, sei „nicht links“ und schäme sich nicht für die Wirtschaft. Alexandre Loubet unterstrich jedoch, dass der RN seine Positionen zu Migrationskosten, territorialer Verwaltung oder der Europäischen Union nicht verändern werde.

„Ich befinde mich nicht in einer Schulprüfung. Ich erwarte vom Medef auch konkrete Vorschläge für den Wiederaufbau der französischen Unternehmen.” — Jordan Bardella via France 24

Abendessen mit Arnault ging Medef-Besuch voraus Dem Medef-Termin war am 7. April 2026 ein Abendessen im Pariser Restaurant Drouant vorausgegangen. Dabei traf Marine Le Pen auf rund fünfzehn Spitzenmanager, darunter Bernard Arnault (LVMH), Patrick Pouyanné (TotalEnergies), Catherine MacGregor (Engie) und Cyrille Bolloré sowie Vertreter von Accor, Renault und Capgemini. Wie der Nouvel Obs berichtete, zeigten sich viele Teilnehmer im Anschluss skeptisch gegenüber Le Pens Ausführungen. Das Treffen mit Bardella ist Teil einer Reihe von Gesprächen, die der Arbeitgeberverband mit den Chefs der wichtigsten Parteien im Vorfeld der Präsidentschaftswahl führt. Édouard Philippe, Vorsitzender der Partei Horizons und ehemaliger Premierminister, soll am 22. April 2026 empfangen werden. Die deutsche Wochenzeitung Die Zeit kommentierte, Frankreichs Milliardäre seien „auf der Suche nach einem neuen Präsidenten“, während die Times schrieb, die Aussicht auf einen RN-Sieg „beunruhige die Top-Chefs und ermutige sie gleichzeitig, diese populistische Partei zu umwerben, die lange als Paria galt“.

Das Verhältnis zwischen dem RN und den Arbeitgebern war historisch von Ablehnung geprägt. In ihrem Buch „Pour que vive la France“ von 2012 beschrieb Marine Le Pen die „Finanzelite“ noch als Verfechter eines „globalistischen Projekts“, das nur den Interessen der Großkonzerne und des Medef diene. Die schrittweise Neupositionierung der Partei in Wirtschaftsfragen beschleunigte sich, da Umfragen den RN konstant in der zweiten Runde der Wahl 2027 sehen. Das Mittagessen am Montag war das erste Mal, dass der RN offiziell vom Medef empfangen wurde.

Gewerkschaften werfen Medef Annäherung an RN vor Arbeitnehmervertreter kritisierten das Treffen umgehend. François Hommeril, Präsident der Gewerkschaft CFE-CGC, sagte gegenüber franceinfo, man habe verstanden, dass der Medef „im kleinen Laden des RN einkaufen geht“. Er betrachte die Vorgänge angesichts früherer Medef-Positionen mit einer Mischung aus Belustigung und Ironie. Hommeril argumentierte, der Medef erwarte eine Machtübernahme des RN und suche nun Zusagen für weitere Deregulierungen. Die Gewerkschaft CFDT bezeichnete die Einladung Bardellas als „Zynismus“. Dagegen verteidigte Amir Reza Tofighi, Präsident des Mittelstandsverbandes CPME, das Treffen auf RTL: Man spreche mit jedem, der an der Macht sei oder sie anstrebe, um die Interessen der Unternehmen zu vertreten. Der Kolumnist Gérald Bronner warnte in L'Express, dass Unternehmen, die Planbarkeit suchen, Gefahr liefen, eine Kraft zu legitimieren, deren Machtantritt zu einer gesellschaftlichen Instabilität führen könnte. Er zog vorsichtige historische Parallelen zu Wirtschaftseliten, die radikale politische Kräfte unterschätzten.

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Jordan Bardella, Präsident des Rassemblement National, traf sich am Montag mit dem Vorstand des französischen Arbeitgeberverbandes Medef zu einem über zweistündigen Austausch in Paris. Bardella bezeichnete die Gespräche über Steuern und wirtschaftliche Normen als transparent und tabufrei. Parallel dazu veröffentlichten er und Marine Le Pen einen Brief an Unternehmensleiter, in dem sie für den Fall eines Wahlsieges 2027 ein Projekt zur massiven Entbürokratisierung ankündigten. Bardella betonte, er wolle Produktionssteuern senken und die Unternehmerfreiheit stärken, hielt jedoch an der geplanten Rücknahme der Rentenreform fest. Dem Treffen war ein Abendessen mit führenden Konzernchefs wie Bernard Arnault vorausgegangen. Während Wirtschaftsvertreter den Dialog mit dem RN als pragmatisch verteidigen, werfen Gewerkschaften dem Medef Zynismus und eine gefährliche Legitimierung rechtspopulistischer Kräfte vor. Historisch galt das Verhältnis zwischen der Partei und der Wirtschaftselite als feindselig, doch angesichts guter Umfragewerte für 2027 findet derzeit eine Annäherung statt.

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Mentioned People

  • Jordan Bardella — Prezes Zjednoczenia Narodowego (RN), głównej francuskiej partii prawicowej.
  • Marine Le Pen — Była prezes RN i obecna przewodnicząca grupy parlamentarnej tej partii w Zgromadzeniu Narodowym.
  • Alexandre Loubet — Deputowany z Mozeli i członek Zjednoczenia Narodowego.
  • François Durvye — Specjalny doradca Jordana Bardelli.
  • Bernard Arnault — Prezes i dyrektor generalny koncernu LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton.
  • Patrick Pouyanné — Prezes i dyrektor generalny TotalEnergies.
  • François Hommeril — Przewodniczący związku zawodowego CFE-CGC od 2016 roku.
  • Édouard Philippe — Były premier Francji (2017–2020) i obecny burmistrz Hawru.
  • Gabriel Attal — Premier Francji.

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