Der französische Präsident Emmanuel Macron ist am Montag zum ersten polnisch-französischen Regierungsgipfel in Danzig eingetroffen. Im Mittelpunkt der Gespräche mit Premierminister Donald Tusk stehen Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie die Zusammenarbeit im Energiebereich. Das Treffen findet anlässlich des ersten polnisch-französischen Freundschaftstages statt.
Erster bilateraler Gipfel in Danzig
Premierminister Donald Tusk und Präsident Emmanuel Macron beraten über Sicherheit und Energie auf Basis des Vertrags von Nancy.
Diplomatischer Streit um Präsident Nawrocki
Das Präsidialamt kritisiert den Ausschluss von Karol Nawrocki vom Treffen und wirft der Regierung Tusk bewusste Blockade vor.
Wirtschaftliche Kooperation bei Kernkraft
Frankreich wirbt durch die EDF um den Zuschlag für den Bau des zweiten polnischen Kernkraftwerks.
Der französische Präsident Emmanuel Macron traf am Montag in Danzig zum ersten polnisch-französischen Regierungsgipfel ein. Anlass des Besuchs ist der historisch erste polnisch-französische Freundschaftstag. Macron kam gegen 11:30 Uhr an und wurde von Premierminister Donald Tusk am Goldenen Tor begrüßt, bevor sich beide zu Vier-Augen-Gesprächen in das Uphagenhaus begaben. Der Gipfel stellt das erste bilaterale Treffen auf dieser Ebene dar, seit die beiden Staats- und Regierungschefs am 9. Mai 2025 den Vertrag von Nancy unterzeichneten. Dieser Vertrag regelt militärische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Angelegenheiten und sieht jährliche bilaterale Gipfeltreffen vor, die abwechselnd in Polen und Frankreich stattfinden. Nach Angaben des Informationszentrums der Regierung stehen die bilateralen Beziehungen, sicherheitspolitische Herausforderungen in Europa sowie die alliierten und transatlantischen Beziehungen auf der Agenda. Dies ist Macrons dritter Besuch in Polen nach Reisen im Februar 2020 und Dezember 2024, jedoch sein erster in Danzig.
Nawrocki vom Gipfel ausgeschlossen, Präsidialamt macht Tusk verantwortlich Der polnische Präsident Karol Nawrocki wird während des Besuchs nicht mit Macron zusammentreffen – eine Entscheidung, die im Präsidialpalast auf deutliche Kritik stieß. Präsidialsprecher Rafał Leśkiewicz erklärte, das Außenministerium habe keine Einladung für Nawrocki ausgesprochen, und schrieb dieses Versäumnis direkt Premierminister Tusk zu. „Die Kanzlei des Präsidenten hatte über den Wunsch von Präsident Karol Nawrocki nach einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron informiert. Die Regierung ist Organisator des Besuchs. Premierminister Tusk war sehr daran gelegen, dass ein Treffen der beiden Präsidenten nicht stattfindet. Deshalb drängte er darauf, dass der Besuch in Danzig und nicht in Warschau erfolgt.” — Rafał Leśkiewicz via Onet Wojciech Kolarski, Staatssekretär in der Präsidialkanzlei, bestätigte, dass vom Büro des Premierministers kein solches Treffen vorgeschlagen worden sei. Er merkte an, dass der Standort Danzig statt Warschau eine bewusste Wahl gewesen sei. Kolarski beobachtete zudem, dass die Kanzlei des Premierministers eine dominierende Rolle in europäischen Angelegenheiten einnehme, während die Domäne des Präsidialpalastes die transatlantischen Beziehungen seien. Leśkiewicz bezeichnete den Ausschluss als eine „Maßnahme gegen polnische Interessen“ und warf der Regierung vor, den Besuch eines ausländischen Staatsoberhauptes für innenpolitische Zwecke zu instrumentalisieren.
Expertin: Nawrockis EU-Veto machte ihn zum unerwünschten Gesprächspartner Die Politikwissenschaftlerin Agnieszka Cianciara vom Institut für politische Studien der Polnischen Akademie der Wissenschaften bot eine alternative Erklärung für das Ausbleiben eines Treffens zwischen Nawrocki und Macron an und verwies auf inhaltliche statt rein politischer Faktoren. Sie argumentierte, dass Nawrocki aus französischer Sicht kein konstruktiver Partner sei. Als Grund nannte sie sein jüngstes Veto gegen das EU SAFE-Instrument, welches für die Finanzierung der Rüstungsentwicklung, einschließlich der polnisch-französischen Verteidigungskooperation, von zentraler Bedeutung sei. „Die Beziehungen zwischen der französischen Seite und dem politischen Lager von Präsident Nawrocki, also der Vereinigten Rechten, hatten in den Jahren 2015 bis 2023 die Temperatur der Ostsee im April.” — Agnieszka Cianciara via TOK FM Cianciara merkte zudem an, dass sowohl in Polen als auch in Frankreich im Jahr 2027 Wahlen anstehen, was für beide Seiten ein Anreiz sei, die Zusammenarbeit vor möglichen politischen Umbrüchen so weit wie möglich voranzutreiben. Leśkiewicz betonte seinerseits, dass Nawrocki und Macron erst kürzlich in Paris zusammengetroffen seien und ähnliche Ansichten zur Sicherheits- und EU-Politik teilten.
EDF-Atomangebot und Rüstungsverträge auf der inhaltlichen Agenda Jenseits der diplomatischen Kontroversen geht es bei dem Gipfel um erhebliche wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen. Frankreich hofft, ein Angebot der EDF für den Bau des zweiten polnischen Kernkraftwerks voranzutreiben. Die Sicherheits- und Verteidigungskooperation bildet den Kern der Plenarsitzung, die um 14:45 Uhr im Artushof beginnen soll; ein gemeinsames Medienstatement ist für 16:15 Uhr geplant. General Roman Polko, ehemaliger Kommandeur der Spezialeinheit GROM, erklärte gegenüber „Fakt“, dass der Gipfel angesichts der ernsten europäischen Sicherheitslage konkrete Ergebnisse statt symbolischer Gesten liefern müsse. „Heute ist keine Zeit mehr für rein symbolische Gesten. Wir brauchen eine realistische Stärkung sowohl unseres Potenzials als auch des Potenzials der Europäischen Union. Den Worten müssen Taten folgen: Konkretes zur Truppenpräsenz, zur Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie und eine gemeinsame Haltung zu den wichtigsten Bedrohungen.” — Roman Polko via Fakt Das Programm umfasst zudem eine Zeremonie auf dem französischen Militärfriedhof im Danziger Stadtteil Siedlce, wo etwa 1.500 Gräber von Soldaten aus den Napoleonischen Kriegen sowie beiden Weltkriegen liegen. Tusk und Macron werden zudem Blumen am Denkmal für die gefallenen Werftarbeiter von 1970 niederlegen und an der Verleihung des Bronisław-Geremek-Preises im Europäischen Zentrum der Solidarität teilnehmen, einer Auszeichnung für Verdienste um die polnisch-französischen Beziehungen.
Die polnisch-französischen Beziehungen sind historisch von gemeinsamen Erfahrungen durch Kriege, Teilungen und die europäische Integration geprägt. Dennoch fehlte der bilateralen Beziehung ein formaler Rahmen für eine verstärkte Zusammenarbeit, bis am 9. Mai 2025 der Vertrag von Nancy unterzeichnet wurde. Dieser Vertrag legte den 20. April als Polnisch-Französischen Freundschaftstag fest und schreibt jährliche Regierungsgipfel vor. Macrons letzte Besuche in Polen fanden im Februar 2020 und Dezember 2024 statt. Der Gipfel findet vor dem Hintergrund verstärkter europäischer Bemühungen statt, die Verteidigungskooperation unabhängig von den USA zu stärken, wobei Polen eine strategisch bedeutende Position an der Ostflanke der NATO einnimmt.
1. Polnisch-Französischer Regierungsgipfel — 20. April 2026: — ; — ; — ; — ; — ; —
Mentioned People
- Emmanuel Macron — Prezydent Francji
- Donald Tusk — Premier RP
- Karol Nawrocki — Prezydent RP od 6 sierpnia 2025 roku
- Rafał Leśkiewicz — Podsekretarz Stanu w Kancelarii Prezydenta RP i rzecznik prasowy
- Roman Polko — Były dowódca jednostki specjalnej GROM
Sources: 18 articles
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