Ein schwerwiegender technischer Defekt hat am Dienstagabend, dem 31. März 2026, den Betrieb von mindestens 100 autonomen Fahrzeugen des Dienstes Apollo Go in der chinesischen Metropole Wuhan unterbrochen. Mitten im Berufsverkehr blieben die Fahrzeuge auf Hauptstraßen und Autobahnen stehen, wodurch Fahrgäste teils bis zu zwei Stunden in den Autos festsaßen. Die Polizei von Wuhan bestätigte zahlreiche Meldungen über blockierte Fahrbahnen, wobei nach offiziellen Angaben keine Personen verletzt wurden.

Systemweiter Ausfall in Wuhan

Über 100 Robotaxis von Baidus Dienst Apollo Go blieben gleichzeitig stehen und blockierten wichtige Verkehrswege.

Gefahrensituation für Passagiere

Fahrgäste saßen bis zu zwei Stunden in den Fahrzeugen fest; auf einer Autobahn kam es zu einer Kollision mit einem anderen PKW.

Zunehmende Skepsis gegenüber KI-Sicherheit

Experten warnen vor völlig neuen Risiken durch autonome Systeme, während chinesische Behörden die Einführung neuer Funktionen bereits drosseln.

Ein massiver Systemausfall hat am Dienstagabend, dem 31. März 2026, mindestens 100 autonome Fahrzeuge des Dienstes Apollo Go in der chinesischen Stadt Wuhan lahmgelegt. Die Fahrzeuge blieben unvermittelt auf belebten Straßen und Autobahnen stehen, was dazu führte, dass Passagiere bis zu knapp zwei Stunden festsaßen. Die Polizei in Wuhan bestätigte den Eingang zahlreicher Meldungen über liegengebliebene Apollo-Go-Fahrzeuge, die den Verkehrsfluss blockierten. Den Behörden zufolge konnten alle Fahrgäste die Autos sicher verlassen; Verletzte gab es nicht. In einem Video des in Shanghai ansässigen Mediums „The Paper“ berichtete ein Verkehrspolizist jedoch, dass einige Insassen aufgrund des dichten Verkehrs zunächst zögerten, auszusteigen, und die Polizei um Hilfe baten. Die Ursache des Vorfalls wird derzeit untersucht. Baidu reagierte bislang nicht auf Presseanfragen von Reuters, der BBC oder AFP.

Videoaufnahmen zeigen Kollision auf Autobahn In den chinesischen sozialen Medien verbreitete Videos dokumentieren das Ausmaß der Störung. Eine Aufnahme zeigt offenbar eine Kollision auf einer Autobahn, an der ein liegengebliebenes Apollo-Go-Fahrzeug beteiligt war. Die „New York Times“ berichtete über Fotos, auf denen ein gestopptes Apollo-Go-Auto zu sehen ist, das am hinteren linken Heck von einem orangefarbenen SUV getroffen wurde; das SUV wies erhebliche Schäden an der rechten Front auf. Ein weiteres Video zeigt einen Fahrgast in einem Fahrzeug, das auf der Überholspur einer breiten Schnellstraße zum Stehen kam, während Lastwagen mit hoher Geschwindigkeit passierten. Lokale Medien berichteten, dass manche Passagiere fast zwei Stunden in den Fahrzeugen festsaßen. Die Polizei gab an, Einsatzkräfte in Abstimmung mit Mitarbeitern von Apollo Go gemäß bestehender Notfallpläne mobilisiert zu haben. Der Vorfall löste in China eine breite Debatte über die Sicherheit und Marktreife von Robotaxi-Diensten aus.

Wuhan als Zentrum für autonomes Fahren Wuhan gilt als einer der weltweit wichtigsten Standorte für den Einsatz autonomer Fahrzeuge. Quellen sprechen von einer Flotte von über 500 Apollo-Go-Fahrzeugen in der Stadt, während der Sender TVN24 die Zahl auf über 1.000 schätzt. Baidu betreibt Apollo Go in 26 Städten weltweit, darunter Peking sowie weitere chinesische Großzentren, und expandierte zuletzt in den Nahen Osten nach Abu Dhabi und Dubai. Im vierten Quartal 2025 verzeichnete Apollo Go ein massives Wachstum; laut France 24 entsprach dies einer Steigerung von 200 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, mit Spitzenwerten von über 300.000 Fahrten pro Woche. Im Dezember 2025 kündigten die Fahrdienstvermittler Uber und Lyft Partnerschaften mit Baidu an, um Apollo-Go-Fahrzeuge in Großbritannien zu testen, sofern die behördlichen Genehmigungen erteilt werden. Auf dem chinesischen Markt konkurriert Apollo Go zudem mit Pony.ai und WeRide, die ebenfalls kommerzielle Dienste in Großstädten anbieten. Apollo Go nahm den kommerziellen Betrieb 2021 in Peking auf. Im August 2025 stürzte ein Robotaxi des Dienstes mit einem Fahrgast in Chongqing in eine Baugrube, wobei niemand verletzt wurde. Im Mai 2025 geriet ein fahrerloses Fahrzeug von Pony.ai in Peking in Brand, ebenfalls ohne Personenschaden. Im Dezember 2025 führte ein längerer Stromausfall in San Francisco dazu, dass Robotaxis des Anbieters Waymo im Stadtgebiet stehen blieben und erhebliche Verkehrsbehinderungen verursachten.

Experten warnen vor neuartigen Risiken Der Vorfall in Wuhan hat die internationale Debatte über die Sicherheit autonomer Fahrzeuge neu entfacht. Jack Stilgoe, Professor für Wissenschafts- und Technologiepolitik am University College London, erklärte gegenüber BBC News, dass autonome Technologie zwar im Durchschnitt sicherer als menschliche Fahrer sein möge, der Vorfall jedoch zeige, dass sie auf unerwartete Weise versagen könne. „Wenn wir vernünftige Entscheidungen über diese Technologie treffen wollen, müssen wir völlig neue Arten von Risiken verstehen” — Jack Stilgoe via BBC News. Chinas Regulierungsbehörden hatten Automobilhersteller bereits Anfang Dezember 2025 angewiesen, Pläne für weitreichende autonome Fahrfunktionen zu verschieben. Hintergrund war ein Unfall mit einem Xiaomi SU7, bei dem drei Studenten starben, nachdem sich das System eine Sekunde vor dem Aufprall auf eine Betonbarriere bei 72 Meilen pro Stunde abgeschaltet hatte, so die New York Times. Ein Bericht des staatlichen chinesischen Fernsehens vom Juli 2025 ergab zudem, dass weniger als die Hälfte von 36 getesteten Fahrzeugmodellen Kollisionen mit Lastwagen an Baustellen bei Nacht zuverlässig vermeiden konnte. Die Störung in Wuhan reiht sich ein in eine Serie technischer Fehler in der Branche – von Waymo in San Francisco bis hin zu Vorfällen in Chongqing – und wirft Fragen nach der Stabilität flottenweiter Softwaresysteme auf.

Vorfälle mit autonomen Fahrzeugen: — ; — ; — ; —

Mentioned People

  • Jack Stilgoe — Profesor polityki naukowej i technologicznej w University College London

Sources: 18 articles