Australiens eSafety Commissioner Julie Inman Grant hat am 31. März 2026 eine formelle Untersuchung gegen fünf große Social-Media-Plattformen eingeleitet. Im Zentrum stehen Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat und YouTube sowie die Frage, ob sie das seit dem 10. Dezember 2025 geltende Verbot von Konten für Kinder unter 16 Jahren ausreichend durchsetzen. Die Behörde sieht erhebliche Lücken bei der Kontrolle und spricht von unzureichenden Systemen der Unternehmen.

Behörde startet Untersuchung gegen fünf Dienste

Im Fokus stehen Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat und YouTube wegen möglicher Verstöße gegen das Verbot für Unter-16-Jährige.

Lücken bei Altersprüfung

Laut Bericht wurden viele Kinder nicht nach ihrem Alter gefragt; teils konnten Nutzer ihr Alter mehrfach ändern und die Sperre umgehen.

Strafen in Millionenhöhe möglich

Bei systematischen Verstößen drohen bis zu 49,5 Millionen australische Dollar pro Einzelfall.

Australiens eSafety Commissioner Julie Inman Grant hat am 31. März 2026 eine formelle Untersuchung gegen fünf große Social-Media-Plattformen eingeleitet — Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat und YouTube — wegen möglicher Verstöße gegen das Verbot des Landes für Social-Media-Konten von Kindern unter 16 Jahren, das am 10. Dezember 2025 in Kraft trat. Der erste Compliance-Bericht der Aufsicht seit Inkrafttreten des Gesetzes kam zu dem Ergebnis, dass die Plattformen zwar weitere 310.000 Registrierungen gelöscht und blockiert hätten, bei der Durchsetzung aber weiter erhebliche Lücken bestünden. Kommunikationsministerin Anika Wells bezeichnete die Zahl der Kinder, die weiterhin in sozialen Medien aktiv seien, als „bedenklich“ und sagte, die Feststellungen der Behörde zeigten „nicht akzeptable Systeme“, die von den Technologieunternehmen genutzt würden. Die Untersuchung betrifft Metas Facebook und Instagram, Snaps Snapchat, ByteDances TikTok und Googles YouTube.

Ein Drittel der Eltern sagt, dass ihre Kinder noch Konten haben Der eSafety-Bericht dokumentierte ein Muster unzureichender Altersprüfung auf den untersuchten Plattformen. Unter den Kindern unter 16 Jahren, die weiterhin aktive Konten hatten, war zwei Dritteln zu keinem Zeitpunkt von der Plattform nach ihrem Alter gefragt worden. Der Bericht stellte außerdem fest, dass Plattformen es Nutzern erlaubten, ihr angegebenes Alter mehrfach zu ändern, bis sie eine Zahl von 16 oder höher eingaben, wodurch Minderjährige die Beschränkungen faktisch durch wiederholte Versuche umgehen konnten. „Es ist wahrscheinlich, dass viele australische Kinder unter 16 Jahren Konten einfach dadurch anlegen konnten, dass sie angaben, 16 Jahre oder älter zu sein” — Julie Inman Grant via Frankfurter Allgemeine Eine im Rahmen des Berichts durchgeführte Umfrage ergab, dass ein Drittel der Eltern angab, ihre Kinder unter 16 Jahren hätten weiterhin mindestens ein Social-Media-Konto — nach knapp unter der Hälfte vor Einführung der Regeln, aber weiterhin eine Zahl, die die Behörde als unzulässig bezeichnete. Grant betonte, der Nachweis eines Verstoßes verlange mehr als den bloßen Umstand, dass ein Minderjähriger ein Konto habe: Es müsse belegt werden, dass eine Plattform keine angemessenen Systeme und Verfahren implementiert habe. Die Behörde teilte mit, sie sammele nun diese Belege, um mögliche Durchsetzungsmaßnahmen zu stützen.

Strafen von bis zu 49,5 Millionen AUD pro systematischem Verstoß Plattformen, die ihre Compliance-Pflichten systematisch verletzt haben, drohen Strafen von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar, entsprechend rund 29,5 Millionen Euro, pro festgestelltem Verstoß. Die Strafe ist keine einmalige Obergrenze, sondern gilt für jede einzelne systematische Zuwiderhandlung. Eine Entscheidung darüber, ob Sanktionen verfolgt werden, wird bis Mitte 2026 erwartet. „Ein dauerhafter Wandel über Generationen braucht Zeit — aber diese Plattformen sind heute in der Lage, die Regeln einzuhalten. Und wir erwarten natürlich von Unternehmen, die in Australien tätig sind, dass sie unsere Sicherheitsgesetze beachten” — Julie Inman Grant via Frankfurter Allgemeine Meta, das Facebook und Instagram betreibt, verwies in einer Stellungnahme auf „natürliche Fehlermargen“ bei der Altersprüfung und auf staatliche Tests, die dieselben Probleme festgestellt hätten. Snap erklärte, man sei zur Einhaltung der Regeln verpflichtet. Wells warf den Unternehmen vor, auf bekannte Formen des Widerstands zu setzen. „Die Art von Taktiken, die wir auf Social-Media-Plattformen sehen, um Australiens weltweit führendes Gesetz zu umgehen, stammen direkt aus dem Big-Tech-Handbuch” — Anika Wells via ZEIT ONLINE

Australien war das erste Land der Welt, das mit Inkrafttreten des Gesetzes am 10. Dezember 2025 ein pauschales Social-Media-Verbot für Nutzer unter 16 Jahren eingeführt hat. Die Regierung stellte das Gesetz als Maßnahme zum Schutz von Kindern vor Cybermobbing und vor verstörenden Inhalten dar und beschrieb sein Ziel damit, Kindern ihre Kindheit zurückzugeben. Insgesamt fallen zehn Plattformen unter das Gesetz, darunter neben den fünf nun untersuchten Diensten auch Reddit und X. Das Gesetz hat international Aufmerksamkeit erregt; mehrere europäische Länder sollen ähnliche Maßnahmen prüfen. In Deutschland soll eine vom Bundesministerium für Bildung eingesetzte Expertenkommission im Juni 2026 Vorschläge zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt vorlegen.

Zehn Plattformen erfasst, fünf stehen nun im Fokus Die Untersuchung betrifft fünf der zehn Plattformen, die derzeit dem australischen Gesetz unterliegen, wobei die Behörde ihre erste Durchsetzungsanstrengung auf die größten Dienste nach Nutzerzahl konzentriert. Bis Anfang März 2026 habe sich die Gesamtzahl der über alle Plattformen entfernten, blockierten oder eingeschränkten Konten auf rund fünf Millionen belaufen, sagte Grant. Die Behörde räumte ein, dass Fortschritte erzielt worden seien — darunter einfachere Meldewege für minderjährige Nutzer —, erklärte aber zugleich, die verbliebenen Lücken seien groß genug für eine formelle Untersuchung. „Einige Plattformen tun möglicherweise nicht genug, um australisches Recht einzuhalten” — Julie Inman Grant via ZEIT ONLINE Das eSafety-Büro erklärte, es werde die Einhaltung der Vorgaben auf allen zehn erfassten Plattformen weiter überwachen und zugleich das Beweissicherungsverfahren gegen die fünf untersuchten Dienste fortsetzen. Das Ergebnis dieses Verfahrens und eine mögliche gerichtliche Auseinandersetzung dürften bis Mitte 2026 klarer werden.

Mentioned People

  • Anika Wells — minister komunikacji i minister ds. sportu w rządzie Albanese
  • Julie Inman Grant — komisarz eSafety kierująca australijskim regulatorem bezpieczeństwa internetowego

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