Die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch eine gerichtliche Untersuchung zu einem versuchten Bombenanschlag auf die Pariser Zentrale der Bank of America eingeleitet. Vier Verdächtige, darunter drei Minderjährige, wurden angeklagt, wobei Verbindungen zu einer pro-iranischen Gruppierung bestehen sollen. Die am 28. März in der Rue La Boétie entdeckte Vorrichtung gilt laut Polizeilabor als einer der leistungsstärksten pyrotechnischen Sätze, die bisher in Frankreich sichergestellt wurden.

Terrorermittlungen in Paris

Vier Personen wurden nach einem versuchten Bombenanschlag auf die Bank of America angeklagt, darunter drei Jugendliche.

Gefährlicher Sprengsatz

Das Polizeilabor stuft die Vorrichtung mit 650 Gramm Explosivstoff als potenziell verheerend ein.

Iranische Verbindung

Die Behörden prüfen Verbindungen zur Gruppe HAYI, die bereits Ziele in ganz Europa attackiert haben soll.

Die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch offiziell eine gerichtliche Untersuchung zu einem vereitelten Bombenanschlag auf die Pariser Zentrale der Bank of America eingeleitet. Dabei wurden vier Verdächtige – darunter drei Minderjährige – angeklagt. Die Ermittler bringen das Vorhaben mit einer pro-iranischen Gruppierung in Verbindung, die bereits zuvor Anschläge auf jüdische Gemeinden in ganz Europa für sich reklamiert hatte. Die Vorrichtung, die in den frühen Morgenstunden des 28. März vor den Büros der Bank im 8. Arrondissement entdeckt wurde, war laut dem Pariser Polizeilabor der stärkste pyrotechnische Satz dieser Art, der bisher in Frankreich identifiziert wurde. Sprengsatz mit erheblichem ZerstörungspotenzialDer selbstgebaute Sprengkörper bestand aus einem Fünf-Liter-Benzinkanister, der an einer großen pyrotechnischen Ladung befestigt war. Diese enthielt 650 (Gramm) — aktiven Explosivstoff in einem Pappzylinder, versehen mit einem Zünder. Das Pariser Polizeilabor kam zu dem Schluss, dass die Wirkung der Vorrichtung eher der eines Sprengstoffs als der eines handelsüblichen Feuerwerkskörpers entsprach. Sie hätte einen Feuerball mit einem Durchmesser von mehreren Metern erzeugen und einen Großbrand auslösen können. Polizeibeamte, die das Bankgebäude überwachten, bemerkten gegen 3:30 Uhr zwei Personen im Eingangsbereich und nahmen einen 17-Jährigen auf frischer Tat fest, als dieser den Sprengsatz platzierte und mit einem Feuerzeug entzünden wollte. In den folgenden Tagen wurden zwei 16-jährige Verdächtige sowie ein Erwachsener festgenommen. Eine fünfte Person wurde mangels Beweisen wieder freigelassen. Die Pnat beantragte die Anklageerhebung und Untersuchungshaft für alle vier Verdächtigen unter anderem wegen terroristischer krimineller Verschwörung sowie der Herstellung und des Transports von Sprengvorrichtungen im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben. Hauptverdächtiger soll Jugendliche über Snapchat angeworben habenDer erwachsene Verdächtige, identifiziert als der 21-jährige Wakil D., war bereits 2025 wegen Drogenhandels verurteilt worden. Er steht im Verdacht, als Mittelsmann zwischen den Hintermännern und den drei Minderjährigen agiert zu haben. Laut Staatsanwaltschaft ergaben die Ermittlungen durch Videoüberwachung, Telefondaten und Vernehmungen, dass Wakil D. die Jugendlichen in der Nacht zum 27. März angeworben hatte. Er soll ihnen zwischen 500 und 1.000 Euro für das Platzieren, Entzünden und Filmen des Anschlags versprochen haben. Wakil D. gab an, über Snapchat von einem Mittelsmann kontaktiert worden zu sein, der die Tat als persönliche Rache dargestellt habe. Die drei Minderjährigen, die bisher nicht polizeilich in Erscheinung getreten waren, bestritten eine terroristische Absicht, räumten jedoch ein, gewusst zu haben, dass es sich nicht um ein Wohngebäude handelte. Alle vier Verdächtigen bestreiten zum jetzigen Zeitpunkt ein terroristisches Motiv. Die Identifizierung der Hintermänner hat für die Ermittler nun Priorität. Pro-iranische Gruppe HAYI als mutmaßlicher OrganisatorDie Pnat erklärte, der Anschlag erscheine „wahrscheinlich verbunden“ mit der pro-iranischen Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiyya (HAYI), betonte jedoch, dass dies formal noch nicht abschließend bewiesen sei. Fünf Tage vor dem versuchten Anschlag waren Sicherheitsbehörden über ein Propagandavideo von HAYI informiert worden, in dem die Pariser Zentrale der Bank of America explizit als Ziel genannt wurde. Die Gruppe bekannte sich zudem zu Angriffen in Belgien, Großbritannien und den Niederlanden, darunter ein Brandanschlag auf vier Krankenwagen einer jüdischen Hilfsorganisation in London in der Vorwoche. Laurent Nuñez, Polizeipräfekt von Paris, erklärte gegenüber dem Sender franceinfo, es gebe eine Verbindung zum Nahost-Konflikt. Er fügte hinzu, dass der Iran in der Lage sei, solche Aktionen über in Europa rekrutierte Stellvertreter auszulösen, wenn die Spannungen mit Teheran zunehmen. Die iranische Botschaft in Frankreich lehnte eine Stellungnahme zu den Äußerungen ab.„Wir wissen, dass sie bei Spannungen mit dem Iran in der Lage sind, diese Art von Aktionen auszulösen” — Laurent Nuñez via France 24Frankreich war im letzten Jahrzehnt mehrfach Ziel islamistischer Anschläge; die Anti-Terror-Struktur wurde 2019 durch die Gründung der Pnat zentralisiert. Die aktuellen Ermittlungen finden vor dem Hintergrund der militärischen Kampagne der USA und Israels gegen den Iran statt, die am 28. Februar 2026 begann. Nach der Tötung von Ali Chamenei bei ersten Angriffen wurde dessen Sohn Mojtaba Chamenei im März 2026 zum neuen Obersten Führer ernannt. Französische Behörden warnten bereits zuvor vor einem erhöhten Risiko für Stellvertreter-Anschläge auf europäischem Boden infolge der Eskalation im Nahen Osten.Anschlagsplan gegen Bank of America in Paris – Zeitstrahl: — ; — ; — ; —

Mentioned People

Sources: 18 articles