Die italienische Finanzpolizei hat am Dienstag das Mailänder Rathaus und die Büros der Stadiongesellschaft M-I Stadio durchsucht. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, neun Menschen stünden wegen mutmaßlicher Manipulationen bei der Ausschreibung und wegen der Weitergabe amtlicher Geheimnisse im Zusammenhang mit dem Verkauf des San-Siro-Stadions an AC Milan und Inter Milan unter Verdacht.
Durchsuchungen in Mailand
Die Guardia di Finanza durchsuchte das Rathaus, die Büros von M-I Stadio und Privatadressen von Verdächtigen.
Neun Personen im Visier
Unter den Beschuldigten sind frühere Stadträte, Vereinsvertreter, Berater und ein früherer Manager von Inter.
Verdacht auf Einflussnahme
Ermittler prüfen, ob informelle Absprachen die Ausschreibung und die Verkaufsbedingungen beeinflusst haben.
Großprojekt nach Verkauf
Der Verkauf für 197 Millionen Euro soll ein Neubau- und Entwicklungsprojekt im Umfang von 1,5 Milliarden Euro ermöglicht haben.
Die italienische Finanzpolizei durchsuchte am Dienstag das Mailänder Rathaus und die Büros der Stadiongesellschaft M-I Stadio, nachdem die Staatsanwaltschaft mitgeteilt hatte, neun Menschen stünden im Zusammenhang mit dem Verkauf des ikonischen San-Siro-Stadions an AC Milan und Inter Milan für 197 Millionen Euro wegen mutmaßlicher Manipulationen bei der Ausschreibung und wegen der Weitergabe amtlicher Geheimnisse unter Ermittlungen.
Das Stadion San Siro, offiziell Stadio Giuseppe Meazza, ist seit Jahrzehnten die gemeinsame Heimat von AC Milan und Inter Milan und gehört zu den bekanntesten Fußballarenen in Europa. Die Stadt Mailand leitete 2019 das Verfahren für einen möglichen Verkauf des Stadions und der umliegenden Flächen ein; das Verwaltungsverfahren lief zwischen 2017 und 2025. Das Stadion wurde im Februar 2026 für die Eröffnungsfeier der Winterspiele genutzt, obwohl beide Vereine dort weiterhin ihre Heimspiele austrugen. Mit dem am 1. Oktober 2025 abgeschlossenen Verkauf wurde der Weg für ein Berichten zufolge 1,5 Milliarden Euro teures Neubau- und Entwicklungsprojekt frei, das den historischen Spielort abreißen und durch eine moderne Anlage ersetzen würde.
Die Guardia di Finanza vollstreckte Durchsuchungsbeschlüsse im Palazzo Marino, in den Büros von M-I Stadio und in den Privatwohnungen von Verdächtigen und stellte Computer sowie Mobiltelefone sicher. Die Maßnahme erfolgte auf Grundlage eines Dekrets des Untersuchungsrichters Roberto Crepaldi, der einem Antrag der Staatsanwälte Giovanna Cavalleri, Paolo Filippini und Giovanni Polizzi stattgab. Dem Durchsuchungsbeschluss zufolge sollen die neun Verdächtigen das Verwaltungsverfahren für den Stadionverkauf über einen Zeitraum von 2017 bis 2025 „durch informelle Absprachen und ein Zusammenwirken untereinander“ beeinflusst haben. Die Ermittler konzentrierten sich speziell auf eine „Sammlung von Interessenbekundungen“, die am 24. März 2025 veröffentlicht und am 30. April 2025 abgeschlossen wurde. Sie prüfen, ob dieses Verfahren den rechtlichen Anforderungen entsprach oder ob stattdessen eine internationale Ausschreibung hätte stattfinden müssen. Das Verfahren wird als Ausläufer einer breiteren Untersuchung zur Stadtentwicklung in Mailand beschrieben, die im vergangenen Jahr zu mehreren Festnahmen geführt hatte, die jedoch später vom Obersten Gerichtshof Italiens aufgehoben wurden.
Neun Verdächtige aus Rathaus, Clubs und Beratungsfirmen Zu den neun Beschuldigten zählen die früheren Mailänder Stadträte Giancarlo Tancredi und Ada De Cesaris, die zudem stellvertretende Bürgermeisterin war, sowie Christian Malangone, der Generaldirektor des Palazzo Marino. Vonseiten der Vereine werden der frühere Corporate CEO von Inter, Alessandro Antonello, und der frühere Inter-Manager Mark Van Huukslot genannt, ebenso Giuseppe Bonomi, Präsident von Sport Life City, einer von AC Milan kontrollierten Tochtergesellschaft. Ebenfalls unter Verdacht steht Simona Collarini, die frühere Leiterin des Bereichs Stadtentwicklung der Kommune und später alleinige Projektleiterin für das Verfahren zur Veräußerung des Stadions. Ergänzt wird die Liste durch die Berater Fabrizio Grena, der für Inter arbeitete, und Marta Spaini, die für Milan tätig war. Tancredi, Malangone und De Cesaris standen bereits in der separaten, umfassenderen Untersuchung zur Stadtplanung unter Verdacht, die diesem Fall vorausging.
197 (Millionen Euro) — Verkaufspreis von San Siro und dem umliegenden Gelände
Informelle Netzwerke sollen die Regeln der Ausschreibung geprägt haben Nach Unterlagen der Mailänder Staatsanwaltschaft vermuten die Ermittler, dass ein Netz informeller Beziehungen zwischen Vertretern der Stadtverwaltung und Personen aus dem Umfeld der beiden Clubs die Festlegung der Regeln für die öffentliche Ausschreibung beeinflusst hat. Die Staatsanwaltschaft wirft vor, dass interne Informationen, darunter Entwürfe von noch nicht offiziell gemachten Beschlüssen, vorab an Berater und Manager der Vereine weitergegeben worden seien, was gegen Vertraulichkeitspflichten verstoßen habe. Zu den konkreten genannten Vorgängen gehört die frühe Weitergabe von Unterlagen für den Stadtrat, die sowohl die Erklärung des öffentlichen Interesses als auch die Ergebnisse der öffentlichen Debatte betrafen und bis zur formellen Billigung hätten vertraulich bleiben müssen. Die Ermittler sprechen von einer möglichen „gemeinsamen Steuerung“, die zwischen 2017 und 2025 zentrale Etappen des Verwaltungsverfahrens beeinflusst habe. Eingeleitet wurde das Verfahren nach mehreren bei der Staatsanwaltschaft eingegangenen Beschwerden, darunter eine von Vizebürgermeister Luigi Corbani und dem Musikpromoter Claudio Trotta. Eine weitere Frage ist, ob das stadium law genutzt wurde, um ein breiteres Urbanisierungsprojekt für das umliegende Gebiet zu stützen, von dem möglicherweise bestimmte Bauunternehmen über die Vereine hinaus profitiert hätten.
Warnung des Architekten Boeri aus dem Jahr 2019 blieb offenbar unbeachtet Zu den in der Berichterstattung zitierten Gerichtsunterlagen gehört ein Nachrichtenaustausch aus dem Jahr 2019 zwischen dem Architekten Stefano Boeri und dem Mailänder Bürgermeister Beppe Sala, in dem Boeri warnte, beim San-Siro-Vorhaben setzten sich private Interessen gegenüber öffentlichen Belangen durch. „Seien Sie vorsichtig, denn es entsteht ein gefährlicher Präzedenzfall, bei dem private Interessen und private Entscheidungen an die Stelle der Kriterien von Information und Auswahl der Kommune treten, die auf dem kollektiven Interesse beruhen” — Stefano Boeri via Il Fatto Quotidiano Weder Boeri noch Sala stehen nach bisherigen Angaben in dem aktuellen Fall unter Verdacht. Der Mailänder Stadtrat, AC Milan, Inter Milan und M-I Stadio hätten auf Anfragen zunächst nicht reagiert, berichtete The Independent. Kern der Ermittlungen bleibt die Frage, ob der Verkauf des Meazza an Inter und Milan, für den die Kommune 197 Millionen Euro erhielt, so gestaltet war, dass private Interessen auf Kosten des öffentlichen Interesses bevorzugt wurden. Beide Clubs tragen ihre Heimspiele weiterhin im San Siro aus, während die Planung für das neue Stadion voranschreitet.
Mentioned People
- Giancarlo Tancredi — Były radny Mediolanu objęty śledztwem w sprawie ustawiania przetargu
- Ada De Cesaris — Była zastępczyni burmistrza Mediolanu (2015–2016) i polityczka
- Christian Malangone — Obecny dyrektor generalny Palazzo Marino (urząd miasta Mediolanu)
- Alessandro Antonello — Włoski architekt i polityk (1798–1888), znany z Mole Antonelliana
- Giuseppe Bonomi — Włoski menedżer biznesowy, polityk i były prezes SEA
- Mark Van Huukslot — Były menedżer klubu piłkarskiego Inter Milan
- Simona Collarini — Była szefowa wydziału rewitalizacji miejskiej w Mediolanie
- Giovanna Cavalleri — Prokurator mediolańskiej prokuratury prowadząca śledztwo w sprawie sprzedaży stadionu
Sources: 12 articles
- Il Comune avrebbe favorito Inter e Milan nella vendita di San Siro: "Condivise Delibere e aspetti economici (Fanpage)
- Vendita San Siro, perquisizioni della Gdf in Comune e nelle"case degli indagati (Tgcom24)
- Police raid Milan council offices over controversial San Siro stadium sale (The Independent)
- Indagine sulla vendita di San Siro, Boeri a Sala nel 2019: "Sostituito interesse pubblico con quello privato" (Il Fatto Quotidiano)
- San Siro, inchiesta sulla cessione: nove indagati per turbativa d'asta (Rai news)
- Vendita San Siro, indagate 9 persone: "Inter e Milan favorite attraverso accordi con il Comune e bando su misura (Fanpage)
- Nine probed over sale of San Siro to Milan and Inter - General News - Ansa.it (ANSA.it)
- Vendita dello stadio di San Siro, nove indagati (AGI)
- Vendita San Siro, nove indagati in inchiesta per turbativa d'asta (Adnkronos)
- Vendita San Siro: indagati due ex assessori di Milano e dirigenti di Milan e Inter - Il Fatto Quotidiano (Il Fatto Quotidiano)