Das Wahlbündnis „Progressives Bulgarien“ unter der Führung des ehemaligen Präsidenten Rumen Radew hat bei der Parlamentswahl am 19. April 2026 einen entscheidenden Sieg errungen. Mit 44,59 Prozent der Stimmen sicherte sich die Koalition 130 der 240 Sitze in der Nationalversammlung. Damit verfügt Bulgarien erstmals seit 1997 wieder über eine Regierung mit absoluter Mehrheit, was eine fünfjährige Phase politischer Instabilität beenden könnte.
Historischer Wahlsieg
Rumen Radew erzielt mit seinem neuen Bündnis die erste absolute Mehrheit im bulgarischen Parlament seit 1997.
Ende der Instabilität
Nach acht Wahlen in fünf Jahren deutet das Ergebnis auf eine stabile Regierungsbildung ohne Koalitionspartner hin.
Geopolitischer Kurs
Radew vertritt skeptische Positionen zu Ukraine-Waffenlieferungen, betont aber zugleich den weiteren europäischen Weg Bulgariens.
Die von Rumen Radew angeführte Koalition Progressives Bulgarien hat die Parlamentswahlen am 19. April 2026 gewonnen. Das Bündnis sicherte sich 130 (Sitze im bulgarischen Parlament) — Sitze von insgesamt 240 bei einem Stimmenanteil von 44,59 Prozent. Damit verfügt das Land erstmals seit fast drei Jahrzehnten wieder über eine absolute Mehrheit im Parlament. Das Ergebnis markiert das Ende einer fünfjährigen politischen Lähmung, in der Bulgarien acht Parlamentswahlen ohne eine stabile Regierungsbildung durchführte. Radew, ein 62-jähriger ehemaliger General und Kampfpilot, war im Januar 2026 als Präsident zurückgetreten, um die neu gebildete Koalition anzuführen. Er bezeichnete das Ergebnis als klaren Auftrag für einen Neuanfang. „Wir haben die Apathie überwunden.” — Rumen Radev via AFP Da die Koalition neun Sitze mehr als für die absolute Mehrheit erforderlich erreichte, kann Radew ohne Koalitionspartner regieren. Die Analystin Boriana Dimitrowa vom Meinungsforschungsinstitut Alpha Research bezeichnete Radew gegenüber der Nachrichtenagentur AFP als „eindeutigen Sieger“, während das Ergebnis der konservativen Rivalin GERB deutlich hinter den Prognosen zurückgeblieben sei.
Gerspaltene Opposition liegt weit zurück Neben dem Wahlsieger überwanden vier weitere Parteien die Hürde für den Einzug in die 240 Sitze umfassende Nationalversammlung. Die konservative GERB-SDS unter Ex-Regierungschef Boiko Borissow belegte mit 13,39 Prozent und 39 Sitzen den zweiten Platz. Das liberal-konservative Bündnis „Wir führen den Wandel fort – Demokratisches Bulgarien“ (PP-DB) kam auf 12,62 Prozent (37 Sitze). Die zentristische Bewegung für Rechte und Freiheiten (DPS) erreichte 7,12 Prozent (21 Sitze), während die prorussische rechtspopulistische Partei „Wiedergeburt“ mit 4,26 Prozent (13 Sitze) ebenfalls im Parlament vertreten ist. Die Wahlbeteiligung lag bei 50,2 Prozent. Progressives Bulgarien: 130, GERB-SDS: 39, PP-DB: 37, DPS: 21, Wiedergeburt: 13
Kreml begrüßt Ergebnis, Brüssel reagiert verhalten Radews Positionen zu Russland und der Ukraine stießen in Moskau und Brüssel auf unterschiedliche Reaktionen. Vor der Wahl hatte Radew die Haltung Ungarns und der Slowakei geteilt, Waffenlieferungen an die Ukraine abzulehnen. Er stellte den Nutzen solcher Unterstützungszahlungen für Bulgarien infrage und forderte einen Dialog mit Moskau. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow begrüßte das Wahlergebnis in seinem täglichen Pressebriefing. Russland schätze Erklärungen Radews und anderer europäischer Politiker, die zur Problemlösung durch Dialog bereit seien. Zugleich warnte er vor voreiligen Schlüssen über einen generellen politischen Klimawandel in Europa. „Selbstverständlich begrüßen wir die Erklärungen von Herrn Radew, der die Wahlen gewonnen hat, sowie die Äußerungen anderer europäischer Staatsmänner hinsichtlich ihrer Bereitschaft, Probleme im Dialog zu lösen.” — Dmitry Peskov via Europa Press EU-Ratspräsident António Costa gratulierte Radew telefonisch zu einem „überzeugenden Sieg“ und zeigte sich zuversichtlich für die Zusammenarbeit im Europäischen Rat. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen übermittelte Glückwünsche über soziale Medien, wobei ihr Ton neutraler ausfiel als bei dem jüngsten Sieg von Péter Magyar in Ungarn. Von der Leyen betonte lediglich, Bulgarien sei ein „stolzes Mitglied der europäischen Familie“ und sie freue sich auf die Zusammenarbeit für Wohlstand und Sicherheit. Analysten zogen teilweise Vergleiche zwischen Radew und dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, was jedoch von anderen Experten zurückgewiesen wurde. Radew selbst versprach, den europäischen Weg Bulgariens fortzusetzen und schloss Veto-Blockaden bei EU-Entscheidungen aus.
Rumänien dringt auf Kooperation im Schwarzmeerraum Der rumänische Ministerpräsident Ilie Bolojan gehörte zu den ersten Gratulanten aus der Region. In einer Botschaft forderte er die Stärkung der strategischen Partnerschaft und gemeinsamer Prioritäten innerhalb der EU und der NATO. „Ich gratuliere Rumen Radew zu seinem klaren Wahlsieg. Als Nachbarn freue ich mich darauf, die strategische Partnerschaft zwischen Rumänien und Bulgarien weiter zu festigen. Wir müssen die regionale Vernetzung und die Sicherheit an der Ostflanke sowie im Schwarzmeerraum stärken.” — Ilie Bolojan via Adevarul.ro Radew übernimmt die Regierungsverantwortung in einem Land, das erst im Dezember 2025 den Euro eingeführt hat – ein Schritt, dem er skeptisch gegenüberstand. Sein politischer Fokus soll nun primär auf der Korruptionsbekämpfung liegen. Der Journalist Vladimir Mitev beschrieb Radews Politik als Balanceakt zwischen Brüssel und Moskau: Er befürworte die EU-Mitgliedschaft, fordere jedoch mehr Pragmatismus im Block. Laut dem Portal Ziare.com stellt der Sieg den bedeutendsten politischen Umbruch in Bulgarien seit rund 25 Jahren dar.
Bulgarien trat 2007 der Europäischen Union bei und kämpft seither mit Korruption und politischer Instabilität. Zwischen 2021 und 2026 fanden acht Parlamentswahlen statt. Radew amtierte ab 2017 als Präsident und trat im Januar 2026 als erster bulgarischer Präsident der Post-Kommunismus-Ära von seinem Amt zurück. Letztmalig hielt 1997 eine Partei die absolute Mehrheit im Parlament. Im Dezember 2025 führte Bulgarien den Euro als offizielle Währung ein.
Bulgariens Weg zur Wahl im April 2026: — ; — ; — ; —
Mentioned People
- Rumen Radev — bułgarski polityk, były oficer sił powietrznych, prezydent Bułgarii od 2017 roku do rezygnacji w 2026 roku
- Ilie Bolojan — premier Rumunii sprawujący urząd od 23 czerwca 2025 roku
- Ursula von der Leyen — przewodnicząca Komisji Europejskiej od 2019 roku
- António Costa — przewodniczący Rady Europejskiej od 2024 roku
- Péter Magyar — lider partii Tisza, która wygrała wybory parlamentarne na Węgrzech w 2026 roku
- Dmitry Peskov — rzecznik prasowy Kremla
Sources: 67 articles
- Reacția Ursulei von der Leyen, după victoria lui Rumen Radev în alegerile din Bulgaria (Libertatea)
- La revedere, Orban! Bine ai venit, Radev! Rusia uită de Ungaria și îl aplaudă pe câștigătorul alegerilor din Bulgaria - Știrile ProTV (Stirile ProTV)
- E oficial! Bulgaria se mută mai aproape de Rusia odată cu rezultatul alegerilor parlamentare (Mediafax.ro)
- Cum a câștigat Rumen Radev majoritatea în noul Parlament bulgar? (RFI)
- Rumen Radev, felicitat de liderii europeni pentru câștigarea alegerilor parlamentare în Bulgaria, chiar dacă e un prieten declarat al Rusiei (G4Media.ro)
- Ilie Bolojan, mesaj de felicitare pentru Rumen Radev, câștigătorul alegerilor din Bulgaria. Bucureștiul speră la consolidarea securității flancului estic al NATO - HotNews.ro (HotNews.ro)
- A Decisive Win Raises Bulgarians' Hopes for Change (The New York Times)
- Bulgarie : Roumen Radev, la victoire d'une "figure respectée" aux accents prorusses (France 24)
- Premierul Ilie Bolojan l-a felicitat pe Rumen Radev pentru victoria în alegerile din Bulgaria. Ce mesaj i-a transmis - Știrile ProTV (Stirile ProTV)
- Mesajul transmis de Ilie Bolojan lui Rumen Radev, după victoria în alegerile din Bulgaria (Digi24)