Die Staatsanwaltschaft in Mailand hat die italienische Tochtergesellschaft von Deliveroo unter gerichtliche Aufsicht gestellt, im Zusammenhang mit dem Verdacht auf illegale Arbeitsvermittlung und Ausbeutung, bekannt als Caporalato. Die Ermittler prüfen die Arbeitsbedingungen von bis zu 20.000 Zustellern, die angeblich täglich mehrere Stunden für einen Lohn deutlich unterhalb der Armutsgrenze gearbeitet haben sollen. Die Untersuchung wurde auf andere bekannte Marken ausgeweitet, darunter McDonald's, Burger King und die Supermarktkette Esselunga, um deren Beziehungen zu den Zustelldiensten zu überprüfen.
Aufsicht über Deliveroo
Das Unternehmen wurde unter gerichtliche Aufsicht gestellt, im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Caporalato und die Ausbeutung von 20.000 Arbeitnehmern.
Hungerlöhne
Kurierfahrer erhielten etwa 3,77 Euro pro Zustellung, was einem Einkommen von 90 % unter der Armutsgrenze entspricht.
Ausweitung der Ermittlungen
Die Staatsanwaltschaft fordert Dokumente von McDonald's, Burger King und der Supermarktkette Esselunga im Rahmen einer Untersuchung des Liefermarktes an.
Die Staatsanwaltschaft in Mailand hat beispiellose rechtliche Schritte gegen die italienische Tochtergesellschaft des Liefergiganten Deliveroo eingeleitet, indem sie das Unternehmen einer gerichtlichen Aufsicht unterstellt hat. Diese Entscheidung ist das Ergebnis einer umfassenden Untersuchung des Caporalato. Nach Ermittlungen der Staatsanwälte arbeiteten bis zu 20.000 Kurierfahrer unter Bedingungen, die die menschliche Würde verletzten, indem sie ihre Pflichten 13 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, erfüllten. Zustellgebühren von etwa 3,77 Euro bedeuteten Einkünfte, die 90 % unter der offiziell anerkannten Armutsgrenze lagen. Die Ermittlungen beschränken sich nicht nur auf Deliveroo. Die Staatsanwälte haben bei sieben weiteren Unternehmen, darunter globale Fast-Food-Ketten wie McDonald's und Burger King sowie der italienische Handelsriese Esselunga, um Betriebsdokumente ersucht. Die Strafverfolgungsbehörden prüfen, ob diese Unternehmen die Kurierdienste in voller Kenntnis der dort herrschenden Arbeitsbedingungen in Anspruch genommen haben. Deliveroo erklärte in einer offiziellen Stellungnahme seine volle Kooperationsbereitschaft mit der Justiz und die Analyse der von den Behörden erhaltenen Dokumente. Die Unternehmensleitung betonte, dass sie bestrebt sei, alle Zweifel am Geschäftsmodell des Unternehmens in Italien auszuräumen. Seit 2016 hat Italien die Vorschriften zur Bekämpfung der Ausbeutung von Arbeitnehmern verschärft und die Definition der Straftat auf Dritte ausgeweitet, die von dem System profitieren, nicht nur auf unmittelbare Vermittler. Die Maßnahmen der Mailänder Staatsanwaltschaft stellen eine weitere Etappe im Kampf um die Regulierung des rechtlichen Status von Arbeitnehmern der digitalen Wirtschaft in Europa dar. Die gesammelten Zeugenaussagen der Kurierfahrer zeichnen ein dramatisches Bild eines Sektors, in dem Zeitdruck und fehlende Sozialversicherung mit extrem niedrigen Löhnen einhergehen. Die Ermittlungsrichter argumentieren, dass diese Situation nicht das Ergebnis einzelner Fehler war, sondern ein integraler Bestandteil der Betriebsstrategie zur Kostenminimierung darstellte. Die Staatsanwaltschaft strebt derzeit an, die Plattformen zur Anhebung der Gebühren und zur vollständigen Übernahme der Verantwortung für die Sicherheit der Zusteller zu zwingen.