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Diplomatie·gestern

Yad Vashem eröffnet erstes internationales Bildungszentrum in München, mit Außenstelle in Leipzig

Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat München als Standort für ihr erstes Bildungszentrum außerhalb Israels ausgewählt, mit einer kleineren Außenstelle in Leipzig – ein Schritt im Kampf gegen den weltweit zunehmenden Antisemitismus.

Eine historische Entscheidung

Die weltweit größte Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem errichtet ihr erstes internationales Bildungszentrum in München, Deutschland, mit einer Außenstelle in Leipzig. Die am Donnerstag verkündete Entscheidung ist eine direkte Reaktion auf das, was die Einrichtung als kritischen Anstieg des globalen Antisemitismus und die zunehmende Verzerrung oder Leugnung des Holocausts beschreibt. Das Hauptzentrum wird am Karolinenplatz im Zentrum Münchens entstehen, einem Ort von tiefer symbolischer Bedeutung, da er sich im ehemaligen NSDAP-Viertel, der Geburtsstätte der NSDAP, befindet.

Die Wahl Münchens, der Geburtsstätte der NSDAP, hat eine tiefe symbolische Bedeutung und zeigt, wie wichtig es ist, sich dieser Geschichte dort zu stellen, wo sie begann.

Der Münchner Standort

Das Münchner Zentrum soll innerhalb von drei Jahren eröffnen und als bundesweite Plattform für Besucher aus ganz Deutschland und den Nachbarländern dienen. Das Projekt ist durch eine Finanzierungszusage der Bayerischen Staatsregierung abgesichert. Ausschlaggebende Faktoren für die Wahl Münchens gegen konkurrierende Bewerbungen aus Nordrhein-Westfalen – wo sich Köln, Düsseldorf und Dortmund um das Projekt bemüht hatten – waren unter anderem die strategische Lage der Stadt, die Bildungslandschaft, hohe Sicherheitsstandards und ihre historische Bedeutung. Der Standort liegt in der Nähe des bestehenden NS-Dokumentationszentrums und des Generalkonsulats von Israel.

Wir stehen zu unserer historischen Verantwortung: Die Verbrechen des Nationalsozialismus dürfen sich niemals wiederholen.

Die Leipziger Außenstelle

Parallel zum Münchner Hauptzentrum wird eine kleinere Außenstelle in Leipzig im Ariowitsch-Haus, dem Kultur- und Gemeindezentrum der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, eingerichtet. Diese Einrichtung wird interaktive Lernräume bieten und sich gezielt an Pädagogen und Jugendliche der Region richten. Sie soll zudem als Brücke nach Osteuropa, insbesondere nach Polen und Tschechien, fungieren. Der Schritt wurde von der sächsischen Landesregierung als große Ehre und zugleich als Verpflichtung gewürdigt.

Bildung und die neuen Bildungsstandorte sind notwendig und wichtig, um Antisemitismus, Vorurteilen, Desinformation und jeder Form der Relativierung des Holocaust entschieden und klar entgegenzutreten.

Bildungsauftrag und Vision

Das Zentrum soll die jüdische Perspektive in der deutschen Erinnerungskultur stärken, die, wie Yael Richler-Friedman, pädagogische Direktorin von Yad Vashem, anmerkte, weitgehend von lokalen Geschichten geprägt ist. Die neue Einrichtung wird die Stimmen der Opfer in den Mittelpunkt stellen, nicht die der Täter, und soll das Ausmaß des Massenmords verdeutlichen sowie die Besucher dazu anregen, über die eigene Identität nachzudenken und Empathie zu entwickeln. Die deutsche Bildungsministerin Karin Prien betonte, dass viele junge Menschen in Deutschland zu wenig über die Schoah wüssten.

Das Wissen darum, was war, ist wichtig, um das Böse in der Zukunft zu verhindern.

Ein langwieriges Projekt

Die Idee für ein deutsches Bildungszentrum wurde erstmals 2023 von Yad-Vashem-Vorsitzendem Dani Dayan bei einem Treffen mit dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz vorgeschlagen. Das Projekt wurde seither von der aktuellen Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz sowie von Politikern auf Bundes- und Landesebene unterstützt. Nach einer Machbarkeitsstudie wurde die Auswahl möglicher Bundesländer im September 2025 auf Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen eingegrenzt, was zur heutigen endgültigen Entscheidung führte.

Zeitleiste: Yad Vashems Weg nach Deutschland
  1. Yad-Vashem-Vorsitzender Dani Dayan schlägt dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz erstmals ein deutsches Bildungszentrum vor.
  2. Yad Vashem gibt eine Auswahlliste von drei möglichen Bundesländern bekannt: Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen.
  3. München wird offiziell als Hauptstandort ausgewählt, eine Außenstelle in Leipzig wird bestätigt.
  4. Die Eröffnung des Münchner Bildungszentrums ist innerhalb von drei Jahren geplant.

Ein umfassenderes Engagement

Trotz der gescheiterten Bewerbung hat Nordrhein-Westfalen zugesagt, die bundesweite Bildungsarbeit von Yad Vashem weiterhin zu unterstützen. Der Leiter der NRW-Staatskanzlei, Nathanael Liminski, erklärte, NRW werde seine herausragende Landschaft an Bildungs- und Gedenkstätten in den breiteren Kampf gegen Antisemitismus einbringen. Die Initiative markiert eine bedeutende Ausweitung des Auftrags von Yad Vashem, die Erinnerung an den Holocaust durch Bildung, Dokumentation und Forschung zu bewahren – zu einer Zeit, in der Berichte von Überlebenden aus erster Hand immer seltener werden.

München · Leipzig · Jerusalem

8 Quellen

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