
Merz verteidigt Koalitionsreformen und Steuerentlastungen, sagt, die Regierung habe „den Halt gefunden“ vor wichtigen Landtagswahlen im Osten
Bundeskanzler Friedrich Merz nutzte seine Sommerpressekonferenz in Berlin, um Gesundheits- und Steuerreformen zu verteidigen, weitere Bürokratieabbau anzukündigen und die Bedrohung durch die rechtsextreme AfD bei den bevorstehenden Landtagswahlen anzusprechen.
Koalition wirbt mit Reformfortschritt
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte auf seiner Sommerpressekonferenz am Mittwoch in Berlin, seine Koalitionsregierung habe „den Halt gefunden“. Der konservative CDU-Chef verwies auf ein Paket von Reformen, das in der ersten Jahreshälfte 2026 durch Bundestag und Bundesrat gebracht wurde, darunter eine umfassende Überholung der gesetzlichen Krankenversicherung und ein Gesetzespaket mit Steuerentlastungen, Krankengeld und Renten. „Alle Projekte, die wir geplant hatten, haben wir durch Bundestag und Bundesrat gebracht“, sagte Merz und nannte das Zukunftsgesetz und Infrastrukturplanungsmaßnahmen als weitere Erfolge.
Die Koalition hat ihren Halt gefunden.
Merz räumte ein, dass die Arbeit noch nicht abgeschlossen sei. „Ich bin nicht zufrieden mit dem, was wir erreicht haben, solange wir nicht deutlich besser sind als wir derzeit stehen“, sagte er zu Journalisten. Er bestätigte, dass eine Reform der Pflegeversicherung noch in diesem Jahr in Gang gesetzt werde und ein zweites Deregulierungspaket bis Ende 2026 komme.
Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss verteidigt
Der Kanzler verteidigte die geplanten Kürzungen beim staatlichen Unterhaltsvorschuss und argumentierte, dass die finanzielle Belastung der Gemeinden untragbar geworden sei. „Wir sehen hier Entwicklungen, die wir finanziell nicht mehr stemmen können“, sagte Merz. Die Regierung erwägt, den Vorschuss für 16- und 17-Jährige zu streichen und damit zur Regel vor 2017 zurückzukehren, die Zahlungen nur bis zum Alter von 12 Jahren vorsah. Merz betonte, dass das vorrangige Ziel darin bestehe, säumige Elternteile, in der Regel Väter, zur Zahlung des Unterhalts zu bewegen, und dass noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei. „Wir werden in der Koalition weiter darüber sprechen“, sagte er.
Wir werden in der Koalition weiter darüber sprechen.
AfD-Bedrohung überschattet Septemberwahlen
Die Pressekonferenz fand vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin statt, bei denen die rechtsextreme Alternative für Deutschland voraussichtlich starke Zugewinne erzielen wird. Eine Umfrage der Sender RTL/ntv, die am selben Tag veröffentlicht wurde, ergab, dass nur 14 % der Deutschen mit Merz‘ Arbeit zufrieden sind. Der Kanzler sagte, er bleibe „optimistisch“, dass die AfD in keinem der drei Bundesländer eine Mehrheit erreichen werde. Er bekräftigte die langjährige Weigerung seiner Partei, mit der AfD oder der sozialistischen Linken zusammenzuarbeiten, und verwies auf bindende Parteitagsbeschlüsse.
Ich bin und bleibe zuversichtlich, dass eine AfD-Sitzmehrheit verhindert werden kann.
Außenpolitik und Abschiebeflug
In der Außenpolitik äußerte sich Merz zum Krieg in Gaza und erklärte, dass Deutschland Sanktionen gegen Israel nicht unterstützen könne, da Israel im Gegensatz zu Russland keinen Angriffskrieg führe. Er räumte ein, dass man über diplomatische Gespräche hinaus „im Moment nicht viel tun kann“. Der Kanzler bestätigte zudem, dass an diesem Tag ein Abschiebeflug nach Afghanistan gestartet sei, und bezeichnete die Kontakte mit den Taliban lediglich als „technische Gespräche“, wobei er jede diplomatische Anerkennung des Regimes ausschloss.
Ein Kontrast zur Ära Merkel
Der Auftritt war Merz‘ zweite Sommerpressekonferenz als Kanzler. Der Vorsitzende der Bundespressekonferenz merkte an, dass Merz seit 1999 17 Mal dort aufgetreten sei, verglichen mit 46 Auftritten von Ex-Kanzlerin Angela Merkel, was Gelächter im Saal auslöste. Die Veranstaltung im Vorjahr fand während einer Koalitionskrise nach dem plötzlichen Scheitern einer Richterernennung für das Bundesverfassungsgericht statt. In diesem Jahr schlug Merz einen selbstbewussteren Ton an und sagte zu Kritikern: „Wir beweisen Schritt für Schritt, dass wir eine echte Reformkoalition für Deutschland sind.“
- Merz-Koalitionsregierung tritt Amt an (CDU/CSU und SPD)
- Erste Sommerpressekonferenz abgehalten während Koalitionskrise um gescheiterte Richterernennung
- Koalition verabschiedet Gesundheitsreform, Steuerentlastungen, Krankengeld- und Rentenpaket
- Merz hält zweite Sommerpressekonferenz, kündigt Pflegereform für Herbst und zweites Deregulierungspaket bis Jahresende an
- Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin

