47 % der Über-50-Jährigen in Mecklenburg-Vorpommern wollen in Rente – DAK-Gesundheitsreport für Norddeutschland
Eine DAK-Gesundheit-Studie in fünf Bundesländern zeigt: 42 bis 53 Prozent der Beschäftigten über 50 planen, vor dem gesetzlichen Rentenalter aus dem Berufsleben auszuscheiden. Ein schlechter Gesundheitszustand erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich.
Ein neuer Krankenkassenreport vom 17. Juli 2026 zeigt einen weit verbreiteten Wunsch älterer Beschäftigter in Nord- und Westdeutschland, vor Erreichen des gesetzlichen Rentenalters aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Der DAK-Gesundheitsreport „Arbeiten ab 50“, erstellt vom IGES-Institut auf Basis einer repräsentativen Forsa-Befragung, untersuchte versicherte Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordrhein-Westfalen.
Wunsch nach frühem Ausstieg variiert je nach Bundesland
In Mecklenburg-Vorpommern äußerten 47 % der Befragten ab 50 Jahren den Wunsch, vorzeitig in Rente zu gehen. Hamburg folgt mit 45 %, Schleswig-Holstein mit 42 %, und Nordrhein-Westfalen verzeichnet mit 53 % der Über-50-Jährigen den höchsten Anteil, die vor dem Rentenalter ausscheiden wollen. In NRW denken 42 % aller Altersgruppen über einen frühen Ausstieg nach, 38 % möchten bis zur gesetzlichen Grenze arbeiten und 9 % planen, darüber hinaus zu arbeiten. In Mecklenburg-Vorpommern beabsichtigen nur 31 % aller Altersgruppen, bis zum gesetzlichen Rentenalter zu arbeiten, und 18 % können sich vorstellen, darüber hinaus zu bleiben.
- Mecklenburg-Vorpommern
- 47 %
- Hamburg
- 45 %
- Schleswig-Holstein
- 42 %
- Nordrhein-Westfalen
- 53 %
Gesundheit als entscheidender Faktor
Der Gesundheitszustand erweist sich als entscheidender Faktor für den Rentenzeitpunkt. Bei Beschäftigten mit schlechtem oder sehr schlechtem Gesundheitszustand planen in Mecklenburg-Vorpommern 51 %, vor dem gesetzlichen Alter in Rente zu gehen, in Schleswig-Holstein steigt dieser Anteil auf 59 % und in Hamburg auf 55 %. Selbst bei denjenigen mit gutem oder sehr gutem Gesundheitszustand erwägen 37 % in Schleswig-Holstein und 41 % in Hamburg eine Frührente. Der Report zeigt auch, dass ältere Beschäftigte seltener, aber dafür länger krankgeschrieben sind. In Mecklenburg-Vorpommern verzeichneten die Über-50-Jährigen im Jahr 2025 180 Krankschreibungen pro 100 Versicherte, verglichen mit 235 Fällen bei den Unter-50-Jährigen, aber ihre durchschnittliche Abwesenheitsdauer betrug 17,7 Tage gegenüber 8,9 Tagen bei jüngeren Kollegen. In Hamburg beträgt die Aufteilung 164 Fälle mit einer Dauer von 14,5 Tagen bei den Über-50-Jährigen gegenüber 212 Fällen mit 7,8 Tagen bei den Unter-50-Jährigen.
Krankenstand erreicht Höchstwerte nahe dem Rentenalter
Der Krankenstand steigt mit dem Alter in allen untersuchten Regionen. Mit 66 Jahren liegt der durchschnittliche Krankenstand der Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern bei 11 %, während der Durchschnitt der Über-50-Jährigen bei 8,7 % liegt. In Schleswig-Holstein erreichen die 66-Jährigen 10 % gegenüber 7,2 % bei den 50-Jährigen. In Hamburg liegt der Krankenstand mit 66 Jahren bei 11 %, fast doppelt so hoch wie die rund 6 % bei den 50- bis 53-Jährigen. NRW erreicht mit 12 % bei den 66-Jährigen einen Spitzenwert, doppelt so hoch wie bei den 50- bis 53-Jährigen, und liegt bei 7,7 % über alle Über-50-Jährigen (über dem Bundesdurchschnitt von 7,4 %). Im Gegensatz dazu zeigen diejenigen, die in NRW noch über 67 hinaus arbeiten, einen Krankenstand von nur 4 %.
Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird es für Unternehmen immer wichtiger, erfahrene Beschäftigte gesund, motiviert und leistungsfähig zu halten.
Was Beschäftigte brauchen, um länger zu arbeiten
Die NRW-Befragung fragte die Beschäftigten, was sich ändern müsste, damit sie länger arbeiten. Höhere Bezahlung stand mit 48 % an der Spitze, gefolgt von der Anpassung der Arbeitszeit an persönliche Bedürfnisse (40 %) und mehr Wertschätzung für die eigene Arbeitsleistung (39 %).
Die Debatte um ein längeres Arbeitsleben darf nicht auf das Rentenalter allein verkürzt werden. Die entscheidende Frage ist, wie Beschäftigte gesund, produktiv und motiviert bis ins höhere Alter arbeiten können.
Offenheit für das neue Aktivrente-Modell
Trotz des starken Drangs zur Frührente zeigen deutliche Mehrheiten in den norddeutschen Bundesländern Offenheit für das neue Aktivrente-Modell, das Rentnern erlaubt, innerhalb bestimmter Grenzen steuerfreie Zusatzeinkünfte zu erzielen. In Schleswig-Holstein sind 75 % der Über-50-Jährigen grundsätzlich offen dafür (31 % können es sich definitiv vorstellen, 44 % schließen es nicht aus, 25 % lehnen es strikt ab). Hamburg verzeichnet 73 % Offenheit (36 % positiv, 37 % offen, 26 % ablehnend). Mecklenburg-Vorpommern ist mit 57 % Offenheit zurückhaltender (24 % positiv, 33 % offen, 43 % ablehnend).
- Über-50-Jährige in Mecklenburg-Vorpommern verzeichneten 180 Krankschreibungen pro 100 Versicherte; Unter-50-Jährige verzeichneten 235.
- DAK-Gesundheitsreport 'Arbeiten ab 50' veröffentlicht, mit Daten zu MV, SH, HH und NRW.
Die DAK-Landeschefs in den Regionen betonten, dass eine Verlängerung des Arbeitslebens Investitionen in die Gesundheit erfordert. Cord-Eric Lubinski in Schleswig-Holstein sagte, die Diskussion über ein längeres Arbeitsleben müsse die Gesundheit der Beschäftigten einbeziehen, und forderte gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen, wirksame Prävention und eine Kultur der Wertschätzung. In Hamburg argumentierte Jens Juncker, dass sich die Diskussion nicht allein auf das gesetzliche Rentenalter konzentrieren dürfe und dass Unternehmen und Politik gemeinsam Verantwortung dafür trügen, Bedingungen zu schaffen, unter denen ältere Beschäftigte gesund und motiviert bleiben könnten.


