
WhatsApp des polnischen Vizejustizministers bei gefälschtem Stipendienabstimmungsbetrug gekapert
Angreifer übernahmen das WhatsApp-Konto von Polens Vizejustizminister Arkadiusz Myrcha und schickten Kontakten einen Link zu einer gefälschten Stipendienabstimmung, was am Sonntag eine landesweite Cybersicherheitswarnung auslöste.
Wie der Betrug abläuft
Der Angriff beginnt, wenn Kriminelle die Kontrolle über ein WhatsApp-Konto erlangen. Sie senden dann Nachrichten an die Kontakte des Opfers und bitten sie, für ein Kind namens Zofia in einem Wettbewerb um ein Stipendium zu stimmen. Die Nachricht enthält einen Link. Klickt der Empfänger darauf, gelangt er auf eine Seite, die eine „Verifizierung“ über WhatsApp verlangt. Dieser Schritt erfordert das Scannen eines QR-Codes oder die Eingabe eines an das Gerät gesendeten Bestätigungscodes. Indem der Nutzer dies tut, koppelt er unwissentlich das Gerät des Angreifers mit seinem eigenen WhatsApp-Konto und gewährt dem Kriminellen vollen Zugriff. Das gekaperte Konto wird dann genutzt, um dieselbe Nachricht an alle Kontakte zu senden, wodurch der Betrug schnell ausgeweitet wird. Da die Nachrichten von einem vertrauten Freund oder Kollegen zu stammen scheinen, sind sie besonders effektiv. Die Technik ist eine klassische Form des Phishings, bei der Angreifer eine vertrauenswürdige Tarnung ausnutzen, um Opfer zur Preisgabe sensibler Informationen oder zur Installation von Schadsoftware zu verleiten.
Kriminelle übernehmen WhatsApp-Konten und verschicken im Namen der Besitzer Nachrichten über einen angeblichen Wettbewerb mit der Bitte um eine Stimme. Bedingung für die Stimmabgabe ist die „Verifizierung“ über das WhatsApp-Konto. Die Betrüger erlangen Zugriff auf unser Konto, indem sie ihr Gerät damit koppeln – entweder durch Scannen eines gefälschten QR-Codes in der App oder durch Eingabe eines Bestätigungscodes.
Myrchas Konto kompromittiert
Am Sonntag, dem 2. August 2026, wurde das WhatsApp-Konto von Arkadiusz Myrcha, Polens Vizejustizminister und Staatssekretär im Justizministerium, übernommen. Nachrichten mit dem gefälschten Abstimmungslink wurden an seine Kontakte gesendet. Myrcha, Mitglied der Bürgerkoalition, postete schnell eine Warnung auf X. Der Journalist Szymon Jadczak von Wirtualna Polska merkte an, dass dies ein weiterer Fall von Spam mit einem anklickbaren Link sei, der von Konten von Personen in wichtigen staatlichen Funktionen versendet wurde. Screenshots der verdächtigen Nachricht wurden auch vom Publizisten Wojciech Mucha geteilt.
Wenn jemand auf WhatsApp eine Nachricht von mir mit einem Abstimmungslink erhalten hat, bitte nicht klicken. Es ist ein Virus!
Die betrügerische Nachricht, wie von Fakt24 berichtet, lautete: „Hallo! Kannst du für Zofia stimmen? Sie ist die Tochter meiner Freunde, und der Hauptpreis ist ein Stipendium für eine kostenlose Ausbildung. Es ist ihr wirklich wichtig! Danke im Voraus!“ Der Link führte die Empfänger auf eine Seite, die darauf ausgelegt war, Anmeldeinformationen zu stehlen oder Schadsoftware zu installieren.
Offizielle Reaktion und Benutzerhinweise
CERT Polska, das nationale Computer-Notfallteam, das innerhalb des Forschungsinstituts NASK arbeitet, gab noch am selben Tag eine öffentliche Warnung auf X heraus. Die Warnung wurde von Karolina Gałecka, Sprecherin des Ministeriums für Inneres und Verwaltung, und vom Büro des Premierministers verstärkt. CERT erklärte, dass die einzige Möglichkeit, den Zugriff der Angreifer zu unterbrechen, darin bestehe, sofort alle hinzugefügten Geräte in den WhatsApp-Einstellungen zu entkoppeln. Den Nutzern wurde außerdem geraten, verdächtige Nachrichten und Websites über die CERT-Website (incydent.cert.pl) oder über den Dienst „Bezpiecznie w sieci“ (Sicher im Netz) der mObywatel-App zu melden. Verdächtige SMS-Nachrichten können an die gebührenfreie Nummer 8080 weitergeleitet werden.
- Betrugsnachrichten mit gefälschtem Abstimmungslink wurden von kompromittierten WhatsApp-Konten versendet, darunter das von Vizejustizminister Arkadiusz Myrcha.
- Myrcha warnt auf X und fordert die Empfänger auf, nicht auf den Link zu klicken.
- CERT Polska gibt eine öffentliche Warnung heraus, beschreibt den Betrug und rät Nutzern, Geräte zu entkoppeln.
Reaktionen und frühere Warnungen
Der Vorfall löste eine Welle ironischer Kommentare in den sozialen Medien aus. Ein Nutzer schrieb: „Unglaublich, der Vizejustizminister verbreitet Viren. Ein Pappstaat!“ Die Abgeordnete Olga Semeniuk-Patkowska teilte Myrchas Beitrag und bemerkte: „Diese Leute ‚kümmern‘ sich um Polens Sicherheit.“ Ein anderer Journalist, Jarek Jakimczyk, zeigte eine Nachricht, die er angeblich von einer bekannten Persönlichkeit aus der Diplomatie erhalten hatte und die eine Einladung zu einer WhatsApp-Gruppe mit einem verdächtigen Link enthielt. Die Episode folgt einem größeren Muster. Im Juni 2026 hatte der Regierungsbeauftragte für Cybersicherheit vor einer Kampagne gewarnt, bei der Cyberkriminelle sich auf WhatsApp und Signal als hochrangige Staatsbeamte ausgaben und dabei öffentlich verfügbare Fotos und Daten nutzten, um die Nachrichten authentisch erscheinen zu lassen. Diese frühere Warnung hob dieselbe Technik hervor, vertraute Kontakte auszunutzen, um Misstrauen zu umgehen.


