
Berliner CDU nominiert Kai Wegner mit 92,6 Prozent als Spitzenkandidaten – trotz interner Kritik
Der Regierende Bürgermeister sicherte sich die Nominierung seiner Partei für die Septemberwahl, doch ein überraschender Herausforderer und jüngste Kontroversen deuten auf Unruhe in den eigenen Reihen hin.
Die Nominierungsabstimmung
Die Berliner Christlich Demokratische Union (CDU) hat Kai Wegner als ihren Spitzenkandidaten für die bevorstehende Abgeordnetenhauswahl am 20. September nominiert. Auf einem Landesparteitag in Berlin-Neukölln stimmte eine breite Mehrheit der Delegierten für den CDU-Landesvorsitzenden und Regierenden Bürgermeister. In einer geheimen Wahl erhielt Wegner 252 der 272 abgegebenen Stimmen, ein Anteil von 92,6 Prozent.
92,6 Prozent in einer geheimen Wahl – das ist Unterstützung.
Das Ergebnis war jedoch nicht einstimmig. Wolfram Wickert, ein Delegierter des Kreisverbands Mitte, erklärte vor der Abstimmung überraschend seine Gegenkandidatur mit der Begründung, die CDU brauche einen anderen Spitzenkandidaten. Sein Vorstoß überzeugte die Mehrheit der Delegierten nicht.
Ein schwierigerer Weg als zuvor
Wegeners vorherige Nominierungen verliefen reibungsloser. Im November 2022 wurde er per Handzeichen ohne Gegenstimmen und bei nur einer Enthaltung nominiert. 2021 wurde er in geheimer Wahl mit rund 90 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt. Diesmal markieren die Notwendigkeit einer geheimen Wahl und das Auftreten eines Herausforderers einen Wandel.
In den vergangenen Monaten sah sich Wegner Kritik ausgesetzt, auch aus den eigenen Reihen. Man warf ihm sein Verhalten während eines großen Stromausfalls zu Beginn des Jahres vor, als er die betroffenen Bezirke am ersten Tag nicht besuchte, sondern Tennis spielte – eine Tatsache, die er zunächst verschwieg. Zuletzt warf ihm die Opposition eine misslungene Besetzung des Staatssekretärspostens für Digitalisierung vor, den Wegner nach etwas mehr als zwei Monaten entließ.
Wegners Wahlkampf-Programm
In einer kämpferischen, über einstündigen Rede hob Wegner die Erfolge der schwarz-roten Koalitionsregierung hervor und machte deutlich, dass er sie auch nach der Wahl weiterführen wolle.
Wir waren erfolgreich. Es waren drei gute Jahre für Berlin.
Er bezeichnete die bevorstehende Wahl als Schicksalswahl und versprach, einen pragmatischen Kurs fortzusetzen. „In Berlin muss der gesunde Menschenverstand regieren, nicht die links-grüne Ideologie“, sagte er. Zu den Erfolgen zählte er die Verwaltungsreform, die klare Zuständigkeiten geschaffen habe, sowie die Möglichkeit, kurzfristig Termine in Bürgerämtern zu bekommen.
Wohnungsbau- und Verkehrsversprechen
Beim Wohnungsbau verwies Wegner auf 80.000 neu gebaute Wohnungen in der laufenden Legislaturperiode und das Schneller-Bauen-Gesetz. Er sprach sich für mehr Bau aus, einschließlich der Randbebauung des Tempelhofer Feldes. Enteignungen von Wohnraum in Berlin schloss er kategorisch aus.
Bei mir wird es definitiv keine Enteignungen von Wohnraum in Berlin geben. Das schließe ich kategorisch aus.
In der Verkehrspolitik verteidigte Wegner den Bau des 16. Abschnitts der A100 und bekannte sich zum Bau des 17. Abschnitts.
Die Wahl-Landschaft
Das neue Berliner Abgeordnetenhaus wird am 20. September gewählt. Die Hauptstadt wird derzeit von einer CDU-SPD-Koalition regiert. Auch andere Parteien haben ihre Spitzenkandidaten benannt: die Grünen mit Fraktionschef Werner Graf, die Linke mit der stellvertretenden Vorsitzenden Elif Eralp, die AfD mit Landeschefin Kerstin Brinker, die SPD mit dem früheren Staatssekretär Steffen Krach, das BSW mit Landeschef Alexander King und die FDP mit Landeschef Christoph Meyer. Bei der letzten Abgeordnetenhauswahl im Februar 2023 erreichte die CDU unter Wegner 28,2 Prozent und wurde stärkste Kraft. Aktuelle Umfragen sehen die CDU bei 19 bis 20 Prozent, ein deutlicher Rückgang.
- Wahlergebnis 2023
- 28.2 %
- Aktuelle Umfragen (niedrig)
- 19 %
- Aktuelle Umfragen (hoch)
- 20 %


