
Autopsie an Buckelwal Timmy beginnt nach wochenlanger Ostsee-Irrfahrt und umstrittenem Rettungsversuch
Tierärzte und Walexperten haben am Strand der Insel Anholt mit der Obduktion des jungen Buckelwals Timmy begonnen, in der Hoffnung zu erfahren, warum das Tier nach wiederholten Strandungen in der Ostsee und einem vereitelten Transport in die Nordsee starb.
Eine lange Irrfahrt
Der Buckelwal wurde erstmals Anfang März 2026 im deutschen Hafen Wismar gesichtet, weit entfernt von seinen normalen Wanderrouten. In den folgenden Wochen strandete er mehrfach an der deutschen Ostseeküste und wirkte zunehmend geschwächt. Anfang Mai transportierte eine private Initiative, die von den Behörden Mecklenburg-Vorpommerns genehmigt wurde, den Wal in einem Metallcontainer auf einem Schiff in Richtung Nordsee – gegen den Rat von Meeresexperten. Das Tier wurde später tot auf der dänischen Ferieninsel Anholt angespült. Am Wochenende gelang es einem Bergungsteam nach vier fehlgeschlagenen Versuchen, den Kadaver bei einem zweistündigen Einsatz an Land zu ziehen.
- Erste Sichtung im deutschen Hafen Wismar, weit entfernt von normalen Buckelwalrouten
- Wiederholte Strandungen entlang der deutschen Ostseeküste; das Tier wirkt zunehmend geschwächt
- Private Initiative transportiert den Wal in einem Metallbehälter per Schiff Richtung Nordsee – gegen Expertenrat
- Toter Wal wird auf der dänischen Insel Anholt angespült
- Bergungsteam zieht Kadaver nach vier fehlgeschlagenen Versuchen an den Strand
- Autopsie beginnt auf Anholt; voraussichtlich etwa sechs Stunden dauernd
Autopsie am Strand
Die Obduktion begann am Nachmittag des 4. Juni 2026 mit einem Team von Tierärzten und Walspezialisten in Schutzkleidung, jedoch ohne Masken. Ein Livestream von News5 zeigte, wie sie den über zwölf Meter langen Kadaver mit Maßbändern vermaßen, Notizen machten und ihn dann mit einem langen Messer aufschnitten, um Zersetzungsgase entweichen zu lassen. Der Wal wurde anschließend geöffnet und seziert, wobei Organe und Eingeweide sichtbar wurden. Die dänischen Behörden hatten große Container und Spezialfahrzeuge auf der Insel für den Eingriff bereitgestellt. Die Autopsie soll etwa sechs Stunden dauern und DNA-Hautproben umfassen, um das Geschlecht des Tieres zu bestätigen, bei dem vermutet wird, dass es sich trotz des männlichen Spitznamens Timmy um ein Weibchen handelt.
Sicherheit und Gestank
Wochenlang hatte der Kadaver im flachen Wasser gelegen, aufgebläht mit Fäulnisgasen und von Möwen angepickt. Die Behörden warnten davor, dass der Kadaver bei der Handhabung gewaltsam platzen könnte, und der Bereich wurde mit Absperrband abgeriegelt. Schaulustige wurden aufgefordert, Abstand zu halten, wegen möglicher Bakterien und Krankheitserreger. „Jeder, der sich dem Wal nähert, kann sich mit Krankheiten, Viren oder Bakterien infizieren. Deshalb begrenzen wir die Anzahl der Personen am Wal und tragen Schutzkleidung, Schürzen, Masken, Handschuhe“, sagte der dänische Walforscher Peter Teglberg Madsen. Er fügte hinzu: „Der Wal liegt schon lange in der Sonne und wird sehr stinken.“ Ein dpa-Reporter bemerkte, dass der Geruch mit dem Wind stark war.
Die Suche nach Antworten
Die Ermittler hoffen herauszufinden, was den Wal getötet hat. Sie werden nach Anzeichen von Krankheiten, inneren Verletzungen, Spuren von verschlucktem Plastik und Überresten von Fischernetzen, Tauen und Leinen suchen, die das Tier möglicherweise verfangen haben. Madsen warnte jedoch, dass „es möglicherweise zu spät ist, innere Blutungen zu entdecken“ und dass es unmöglich sein könnte, festzustellen, ob der Wal Wasser in der Lunge hatte. Überreste von Fanggeräten im Magen und Darm könnten jedoch noch gefunden werden. Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern, Greenpeace und das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund verfolgten den Eingriff per Livestream.
Wir begrüßen ausdrücklich, dass nun weitere Erkenntnisse über den Zustand des Tieres gewonnen werden. Die Untersuchung kann helfen, offene Fragen zu seinem Gesundheitszustand, möglichen Vorerkrankungen und den Todesursachen zu beantworten.
Der Kadaver sollte voraussichtlich mindestens bis Donnerstag auf Anholt bleiben. Anwohner haben Bedenken geäußert, dass der übelriechende Körper Urlauber abschrecken könnte.


