
Volkswagen billigt Umstrukturierungsplan mit 50.000 Stellenstreichungen und stellt vier deutsche Werke infrage
Der Aufsichtsrat der Volkswagen-Gruppe hat am Donnerstag den Zukunftsplan 2030 genehmigt, der weltweit 50.000 Stellen streicht und die langfristige Fortführung von vier deutschen Fahrzeugmontagewerken auf den Prüfstand stellt.
Aufsichtsrat genehmigt Transformationsplan
Der Aufsichtsrat der Volkswagen-Gruppe hat am 3. September 2026 das 12-Punkte-Transformationsprogramm Zukunftsplan 2030 nach einstimmiger Abstimmung der Anteilseigner- und Arbeitnehmervertreter genehmigt. Die vom Vorstand vorgelegte Strategie zielt darauf ab, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, indem der Betrieb um eine jährliche Produktionsbasis von neun Millionen Fahrzeugen stabilisiert wird. Zu den Kernmaßnahmen gehört die Anpassung der weltweiten Personalkapazität um rund 50.000 Stellen in den operativen Bereichen und Führungsebenen. Vorstandsvorsitzender Oliver Blume erläuterte, dass die Personalzahl eine operative Schätzung darstelle, die sich aus den notwendigen Kostensenkungen ableitet, um Volkswagen auf das Niveau internationaler Wettbewerber zu bringen, und keine endgültige Kündigungsquote sei.
Der Zukunftsplan schafft die Voraussetzungen, um die Volkswagen-Gruppe und ihre Marken effizienter, wettbewerbsfähiger und zukunftsfähig zu machen.
Europäische Überkapazitäten und Prüfung deutscher Werke
Der Restrukturierungsplan konzentriert sich direkt auf den europäischen Industriestandort von Volkswagen, wo die bestehende Produktionskapazität die Marktnachfrage derzeit um mehr als 500.000 Fahrzeuge übersteigt. Das Management stellte fest, dass wettbewerbsfähige Produktionszuteilungen für vier deutsche Fertigungsstandorte nicht garantiert werden können: die VW-Werke in Emden, Zwickau und Hannover sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Die derzeit an diesen vier Standorten laufenden Fahrzeugproduktionslinien sollen in Phasen zwischen 2031 und 2034 auslaufen. Zwar verhinderten Arbeitnehmervertreter sofortige Werksschließungen, doch bestätigte der Aufsichtsrat, dass das Management alternative industrielle Nutzungen für die Standorte prüft und bis Ende Juni 2027 ein Restrukturierungskonzept für eine nachhaltige europäische Produktionsstruktur vorlegen muss.
- Erste Restrukturierung vereinbart, die 50.000 Stellenstreichungen bei VW, Audi, Porsche und Cariad umfasst
- Aufsichtsrat genehmigt einstimmig den Zukunftsplan 2030
- Frist zur Vorlage des europäischen Produktionsrestrukturierungskonzepts
- Stufenweises Auslaufen der Produktionszuteilungen an vier deutschen Standorten
- Ziel: Reduzierung des Modellkatalogs um 50% und Verringerung der Variantenkomplexität um 75%
Produktkonsolidierung und strukturelle Governance
Um die Entwicklungskosten zu senken und die Werkzeugausstattung der Fabriken zu vereinfachen, wird der Automobilkonzern sein Verbraucherfahrzeugprogramm überarbeiten. Volkswagen plant, sein weltweites Modellangebot bis 2035 um etwa 50% zu reduzieren. Der Hersteller strebt zudem an, die Variantenvielfalt bei Verbrennungs- und Elektroantrieben, Leistungsstufen und Innenausstattungslinien um rund 75% zu verringern. Über die Fahrzeugkonsolidierung hinaus beauftragte der Aufsichtsrat die Entwicklung eines weiterentwickelten Gruppenentscheidungsmodells, das technologische Synergien freisetzen und die Gemeinkosten über alle Konzernmarken hinweg senken soll. Das Management bestätigte, dass Volkswagen in den kommenden Jahren einen dreistelligen Milliardenbetrag investieren wird, um seine Fahrzeugplattformen zu modernisieren und die Leistung der Kernmarken zu unterstützen.
- Modellkatalogreduzierung bis 2035
- 50 %
- Variantenkomplexitätsreduzierung
- 75 %
- Weltweite Personalreduzierung
- 15 %
Personalanpassungen und globale Marktwidrigkeiten
Die Vereinbarung des Aufsichtsrats schließt wochenlange intensive Gespräche zwischen dem Management und den Arbeitnehmervertretern unter der Leitung der Betriebsratsvorsitzenden Daniela Cavallo ab. Die neu genehmigte Reduzierung von 50.000 Arbeitsplätzen baut auf einem früheren Restrukturierungsprogramm auf, das Ende 2024 bei Volkswagen, Audi, Porsche und der Softwaretochter Cariad aufgelegt wurde und bis 2030 50.000 Stellen in Deutschland abbaute, wovon bereits 37.000 Abgänge realisiert wurden. Zusammen umfassen die beiden Restrukturierungspakete bis zu 100.000 Stellen, was rund 15% der weltweiten Belegschaft von Volkswagen entspricht. Der Autobauer führte strukturellen Druck in der Automobilbranche an, darunter den wachsenden Wettbewerb chinesischer Hersteller, eine uneinheitliche Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und US-Importzölle.
Es ist unerlässlich, die Personalstände systematisch an die wirtschaftlichen Realitäten anzupassen.


