
Volkswagen-Aufsichtsrat billigt Sanierungsplan mit bis zu 60.000 Stellenstreichungen
Der Aufsichtsrat stimmte einem Restrukturierungspaket einstimmig zu, das die Schließung von vier deutschen Werken und eine Kürzung der Forschungsausgaben um 50 Milliarden Euro bei sinkenden Jahresverkäufen vorsieht.
Einstimmiger Vorstandsbeschluss
Der Aufsichtsrat der Volkswagen AG hat am Donnerstagabend einstimmig dem Restrukturierungsprogramm des Vorstands, bekannt als Zukunftsplan 2030, zugestimmt. Die Entscheidung fiel während einer Sitzung des Präsidiums des Aufsichtsrats in Wolfsburg und beendete wochenlange interne Verhandlungen über die finanzielle Struktur des Autobauers. Die Unternehmensführung erklärte, dass strukturelle Anpassungen notwendig seien, um die finanzielle Stabilität und langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns über alle Tochtermarken hinweg zu sichern. In einer offiziellen Mitteilung im Anschluss an die Abstimmung betonte die Konzernführung die Notwendigkeit der Umstrukturierung.
Der Sanierungsplan schafft die Voraussetzungen, um den Volkswagen-Konzern und seine Marken leistungsfähiger, wettbewerbsfähiger und zukunftsorientierter zu machen.
Die Konzernführung fügte hinzu, dass die Umsetzung des Pakets zwingend erforderlich sei, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und den Konzern nachhaltig aufzustellen. Laut einem Bericht der Bild-Zeitung werden rund 95 % des ursprünglichen Vorstands-Rettungsplans umgesetzt; die abschließenden technischen Anpassungen sollen am Freitag finalisiert werden.
Personalabbau und Werksprüfungen
Der gebilligte Restrukturierungsrahmen sieht den Abbau von 50.000 bis 60.000 Arbeitsplätzen weltweit vor, falls die Personalkosten nicht gesenkt werden können. In Europa muss der Autobauer Produktionsüberkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen abbauen, um die Werksauslastung an die sinkende regionale Nachfrage anzupassen. Vier deutsche Produktionsstandorte (Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm) drohen geschlossen zu werden, wenn die Betriebskosten an diesen Standorten nicht drastisch gesenkt werden. Volkswagen bestätigte, dass für diese vier Werke in einem gestaffelten Zeitraum zwischen 2031 und 2034 keine wettbewerbsfähigen Nachfolgemodelle garantiert werden können. Das Management erklärte, dass parallel alternative industrielle Nutzungen für die vier Produktionsstandorte geprüft werden.
- Erster Restrukturierungsplan vom Aufsichtsrat aufgrund von Einwänden der Arbeitnehmer und Niedersachsens abgelehnt
- Aufsichtsratspräsidium stimmt Zukunftsplan 2030 einstimmig zu
- Letzte technische Details des Sanierungspakets stehen zur formellen Verabschiedung an
- Für die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sind keine wettbewerbsfähigen Folgeaufträge gesichert
Finanzziele und Kapazitätsanpassungen
Volkswagen erwartet, dass die weltweiten Fahrzeugauslieferungen bis 2030 auf 9 Millionen Einheiten pro Jahr sinken werden, gegenüber 11 Millionen im Jahr 2019. Bei der geringeren Menge von 9 Millionen Fahrzeugen würde das Unternehmen bei seiner derzeitigen Kostenstruktur einen operativen Verlust von 0,1 % erwirtschaften. Das Management beabsichtigt, die operative Umsatzrendite des Konzerns durch systematische Kostensenkungen innerhalb der nächsten vier Jahre auf 9 % zu steigern. Der Plan sieht vor, das Fahrzeugportfolio des Unternehmens um bis zu 50 % weniger Modelle zu reduzieren. Die gesamten Restrukturierungskosten werden zunächst auf mindestens 6,6 Milliarden Euro geschätzt und könnten unter worst-case-Szenarien bis zu 10 Milliarden Euro erreichen, während die Investitions- und Forschungsbudgets um rund 50 Milliarden Euro gekürzt werden.
- 2019
- 11 Mio. Fahrzeuge
- 2030 (Prognose)
- 9 Mio. Fahrzeuge
Arbeitswiderstand und politischer Kompromiss
Der Restrukturierungsplan ist das Ergebnis wochenlanger Spannungen zwischen Management, der IG Metall und politischen Führungskräften. Eine frühere Version des Sparpakets scheiterte vor zwei Monaten im Aufsichtsrat am geschlossenen Widerstand der Arbeitnehmervertreter und der niedersächsischen Landesregierung. Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaftsfunktionäre hatten sich gegen mögliche Werksschließungen und Massenentlassungen in den deutschen Produktionsstätten ausgesprochen. Die einstimmige Zustimmung am Donnerstag ermöglicht es dem Vorstand, die zentralen Effizienzmaßnahmen umzusetzen, während die verbleibenden Umsetzungsdetails ausgearbeitet werden.


