Kurz gefasst
Türkiye, Katar, Pakistan und Indonesien unterzeichneten das Memorandum am Mittwoch, 21. Oktober 2026; zu den Unterzeichnern zählten Yaşar Güler, Saud bin Abdulrahman bin Hasan Al Sani, Khawaja Muhammed Asif und Yusuf Jauhari.
Laut dem türkischen Verteidigungsindustriesekretariat reicht das Ziel über die Lieferung von Systemen hinaus: gemeinsame Produktion, Technologietransfer, Interoperabilität und integrierte Lieferketten zwischen den vier Ländern.
Die türkischen Waffenexporte sind in den vergangenen fünf Jahren um 122 % gestiegen, womit Türkiye der elftgrößte Waffenverkäufer der Welt ist – vor allem an NATO-Partner.
Da es kein konkretes Friedensabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran gibt, diversifizieren Staaten der Region ihre Verteidigungspartner; laut Analyst Arda Mevlutoglu bedeutet das jedoch nicht die Aufgabe bestehender Bündnisse.
Die Unterzeichnung in Doha
Türkiye, Katar, Pakistan und Indonesien haben am Mittwoch, 21. Oktober 2026, in Doha eine Absichtserklärung über die Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie unterzeichnet. Die Zeremonie fand während eines Besuchs der Verteidigungsvertreter der vier Länder in der katarischen Hauptstadt statt. Der Pakt stützt sich auf Rüstungsprojekte, die die vier Länder bereits verbinden, und soll die multilaterale Zusammenarbeit auf eine neue Stufe heben. Der türkische Verteidigungsminister Yaşar Güler nahm während seines Besuchs in Katar an der Zeremonie teil, auch der Präsident der türkischen Verteidigungsindustrie-Behörde, Haluk Görgün, war anwesend. Das türkische Verteidigungsministerium gab die Vereinbarung am selben Tag auf X bekannt. Katars stellvertretender Ministerpräsident und Staatsminister für Verteidigungsangelegenheiten, Saud bin Abdulrahman bin Hasan Al Sani, unterzeichnete für Katar, während Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammed Asif und Indonesiens stellvertretender Verteidigungsminister Yusuf Jauhari die Liste der Unterzeichner vervollständigten.
Was das Memorandum umfasst
Über die Lieferung von Waffensystemen zwischen den vier Ländern hinaus geht es letztlich um gemeinsame Produktion, Technologietransfer, Interoperabilität und die Integration von Lieferketten, so das türkische Verteidigungsindustriesekretariat. Der Pakt soll zudem die Rüstungsexporte zwischen den vier Ländern vervielfachen. Das katarische Verteidigungsministerium beschrieb die Badr-Absichtserklärung als Rahmen für die Zusammenarbeit in der Rüstungsfertigung, für erweiterte Fähigkeiten, technische Verteidigungsausbildung sowie Forschung und Entwicklung. Die Mitteilung des türkischen Ministeriums ergänzt, dass die Vereinbarung auch Militärübungen und Ausbildungsprogramme unterstützen soll. Der Analyst Arda Mevlutoglu von Mergen Analytical Strategies sagte, jedes Land bringe seine eigenen Stärken ein: Türkiye technologische Expertise und Systemintegration, Pakistan und Indonesien Fertigungskapazitäten, Fachkräfte und große Binnenmärkte sowie Katar Investitionspotenzial und Nachfrage.
Regionaler Hintergrund
Al Jazeera bringt das Abkommen mit einem breiteren regionalen Wandel in Verbindung. Die Vereinigten Staaten und der Iran haben kein konkretes Friedensabkommen erreicht, was Länder der Region dazu drängt, ihre Verteidigungspartnerschaften zu diversifizieren und sich für ihre Sicherheit weniger auf Washington zu verlassen. Analysten betonen, dass eine engere Zusammenarbeit nicht die Aufgabe langjähriger Bündnisse bedeutet. Ziel sei mehr Kontrolle über die eigene Sicherheit bei gleichzeitiger Stärkung bestehender Partnerschaften. Mevlutoglu sagte, die Folgen könnten weit über die vier Teilnehmer hinausreichen.
„Möglicherweise erleben wir die Entstehung eines vernetzten Geflechts von Verteidigungs- und Sicherheitsvereinbarungen, das sich vom Golf bis nach Süd- und Südostasien erstreckt – und nicht ein einzelnes formelles Bündnis.“
BBC Türkçe berichtet, die Türkei habe Golfstaaten – darunter Katar – dabei geholfen, ihre Verteidigungsfähigkeiten nach dem Iran-Krieg zu stärken, und die Türkei unterhalte bereits einen Militärstützpunkt in Katar.
Türkiyes Position bei Rüstungsexporten
Die türkischen Waffenexporte sind in den vergangenen fünf Jahren um 122 % gestiegen, womit Türkiye der elftgrößte Waffenverkäufer der Welt ist. Der Großteil dieser Verkäufe geht an NATO-Partner. Türkiye ist die größte Industriemacht unter den vier Unterzeichnern, was Ankara eine zentrale Rolle in dem Pakt verschafft. Türkiye hat zudem enge verteidigungsindustrielle Beziehungen zu Indonesien, das 2025 einen Vertrag über den Kauf von 48 Kampfflugzeugen des Typs KAAN unterzeichnete, dem nationalen Kampfflugzeug der Türkei. Das Doha-Memorandum baut auf diesen bestehenden Beziehungen auf, statt neue Verpflichtungen von Grund auf zu schaffen.