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Migration·vor 3 Std.

Weltweit erstmals seit einem Jahrzehnt weniger Vertriebene – UNHCR warnt vor unsicheren Rückkehren

Die Zahl der weltweit gewaltsam vertriebenen Menschen fiel 2025 auf 117,8 Millionen – ein Rückgang um vier Prozent, der vor allem auf Massenrückkehren nach Afghanistan, Syrien und in den Sudan zurückgeht. Das UN-Flüchtlingshilfswerk warnt jedoch davor, dass viele dieser Rückkehren unter Zwang stattfanden.

Ein Jahrzehnt des Anstiegs endet

Erstmals seit mehr als zehn Jahren ist die Zahl der Menschen, die durch Krieg, Gewalt und Verfolgung gewaltsam vertrieben wurden, gesunken. Der jährliche Global-Trends-Report des UNHCR, der am Donnerstag in Genf veröffentlicht wurde, beziffert die Zahl Ende 2025 auf 117,8 Millionen – das ist etwa jeder 70. Mensch weltweit. Dies entspricht einem Rückgang von rund vier Prozent gegenüber dem Vorjahr, also 5,4 Millionen weniger Vertriebene als Ende 2024.

Der Rückgang ist nicht auf eine Verlangsamung der Neuflucht zurückzuführen. Stattdessen spiegelt er einen sprunghaften Anstieg der Rückkehren wider: 14,7 Millionen Menschen kehrten 2025 in ihre Heimatregionen zurück, darunter 10,3 Millionen Binnenvertriebene. Das sind 50 Prozent mehr Rückkehrer als 2024 und der zweithöchste jährliche Wert seit Beginn der UNHCR-Erfassung von Rückkehren vor 60 Jahren.

Woher die Rückkehrer kamen

Mehr als 90 Prozent der Rückkehrer stammten aus nur drei Ländern. Auf Afghanistan entfielen 1,9 Millionen, auf Syrien 1,3 Millionen und auf den Sudan 651.500 Rückkehrer. Die syrischen Zahlen hängen mit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 zusammen, der viele Syrer zur Rückkehr ermutigte. Die afghanischen Rückkehren waren vor allem auf den schwindenden Schutz in den Nachbarstaaten zurückzuführen – Pakistan und Iran zwangen 2025 Hunderttausende Afghanen, die zum Teil seit Jahren im Ausland gelebt hatten, zur Ausreise. Sudanesische Rückkehrer zogen in Gebiete, in denen die Kämpfe des Bürgerkriegs nachgelassen hatten.

Viele dieser Rückkehrbewegungen fanden nicht unter sicheren und stabilen Bedingungen statt, sondern unter verschiedenerlei Druck, in Länder, in denen die Unsicherheit anhält, die Infrastruktur beschädigt ist und der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und wirtschaftlichen Möglichkeiten weiterhin stark eingeschränkt ist.

Die Zusammensetzung der Vertreibung

Von den 117,8 Millionen Vertriebenen sind 68,6 Millionen innerhalb ihrer eigenen Länder vertrieben. Weitere 28,5 Millionen sind Flüchtlinge nach dem UNHCR-Mandat. Rund neun Millionen sind Asylsuchende, deren Antrag noch nicht entschieden ist, 7,2 Millionen Menschen benötigen internationalen Schutz und sechs Millionen sind palästinensische Flüchtlinge nach dem Mandat des UNRWA. Die Zahl der anhängigen Asylanträge stieg um 645.300 auf knapp neun Millionen, während die geschätzte Zahl der Staatenlosen um drei Prozent auf 4,5 Millionen wuchs.

Fast drei Viertel aller Flüchtlinge stammen aus sieben Ländern: Venezuela (6,4 Millionen), Palästina (sechs Millionen), Ukraine (5,2 Millionen), Syrien (4,9 Millionen), Afghanistan (3,7 Millionen), Sudan (2,8 Millionen) und Südsudan (2,4 Millionen).

Wichtige Meilensteine des Vertreibungszyklus 2025
  1. Sturz des Assad-Regimes in Syrien fördert großangelegte Rückkehr von Flüchtlingen
  2. Pakistan und Iran zwingen afghanische Flüchtlinge in ihre Heimat zurückzukehren
  3. Sudanesische Rückkehrer ziehen in Gebiete, in denen Bürgerkriegskämpfe nachgelassen haben
  4. UNHCR verzeichnet 117,8 Millionen gewaltsam Vertriebene, ein Rückgang um 4 % gegenüber 2024
  5. US-israelischer Krieg gegen den Iran beginnt ; löst Massenvertreibung im Libanon und Iran aus

Aufnahmeländer und die Libanon-Krise

Mehr als ein Drittel aller Flüchtlinge weltweit lebt in nur sieben Aufnahmeländern. Kolumbien steht mit 2,8 Millionen an der Spitze, gefolgt von Deutschland (2,7 Millionen), der Türkei (2,4 Millionen), Uganda (1,9 Millionen), Iran (1,7 Millionen), Tschad (1,5 Millionen) und Pakistan (1,3 Millionen). Etwa 65 Prozent der Flüchtlinge und anderer Menschen, die internationalen Schutz benötigen, leben in Ländern, die an ihr Herkunftsland angrenzen.

Die vorsichtig positive Schlagzeile des Berichts wird von einer rasch wachsenden Krise im Libanon überschattet. Seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran Ende März 2026 haben israelische Angriffe mehr als eine Million Menschen im Libanon vertrieben, weitere 3,2 Millionen sind im Iran selbst binnenvertrieben.

Die größten Flüchtlingsaufnahmeländer, Ende 2025 · Millionen
Kolumbien
2.8 Millionen
Deutschland
2.7 Millionen
Türkei
2.4 Millionen
Uganda
1.9 Millionen
Iran
1.7 Millionen
Tschad
1.5 Millionen
Pakistan
1.3 Millionen

Integration als Alternative

Barham Salih, der neue UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, bezeichnete den kleinen Rückgang zwar als gute Nachricht, schränkte dies jedoch sogleich ein. Er merkte an, dass nur einmal in den vergangenen 60 Jahren mehr Menschen nach Hause zurückgekehrt seien als 2025 – dennoch sei ein Großteil dieser Bewegung nicht freiwillig gewesen. Zwangsrückführungen in unsichere Länder, warnte er, könnten schnell die nächste Fluchtwelle auslösen.

Inklusion ist keine Last, sondern ein Gewinn.

Salih argumentierte, dass Flüchtlinge mehr Bildungs- und Integrationsmöglichkeiten benötigten, damit sie ein neues Leben aufbauen und zur Wirtschaft und den sozialen Systemen der Aufnahmeländer beitragen könnten. Die oberste Priorität des UNHCR bleibe, so sagte er, der Frieden in den Heimatländern der Flüchtlinge – aber wenn dies nicht erreichbar sei, sei Integration die notwendige Alternative.

Neue Fluchtbewegungen gehen weiter

Trotz des Anstiegs der Rückkehren flohen 2025 5,4 Millionen Menschen aus ihren Heimatländern in andere Länder. Die größten Auswanderungsströme kamen aus dem Sudan (952.700), der Ukraine (788.100) und Venezuela (455.300). Der Bericht macht deutlich, dass das globale Vertreibungsbild weiterhin von Fluktuation geprägt ist: Millionen kehren unter Druck zurück, während Millionen weiterhin vor aktiven Konflikten fliehen.

Genf · Kabul · Damaskus · Khartum · Beirut · Teheran · Berlin · Bogotá

5 Quellen

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