
Deutschland plant verpflichtende Sprachtests für alle Vierjährigen bei Kita-Reform mit 9,25 Milliarden Euro
Bundesbildungsministerin Karin Prien hat am 15. Juli 2026 einen Gesetzentwurf vorgelegt, der bundesweit einheitliche Sprachstandserhebungen für jedes vierjährige Kind einführen soll, unterstützt durch 9,25 Milliarden Euro Bundesmittel bis 2034.
Das Ausmaß des Problems
Kurz vor Schuleintritt verfügen bis zu einem Drittel der Kinder in Deutschland nicht über ausreichende Deutschkenntnisse, um dem Unterricht folgen zu können, wie Daten aus mehreren Bundesländern belegen. Das Problem betrifft nicht nur Kinder aus Zuwandererfamilien, sondern auch deutschsprachige Kinder, die Schwierigkeiten mit Ausdruck und Textverständnis haben. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) argumentiert, dass sich die Bildungsschere bereits lange vor dem ersten Schultag öffne.
Die Bildungsschere schließt sich mit der Geburt eines Kindes, und sie öffnet sich bis zur Einschulung, und danach schließt sie sich nur noch in unbedeutendem Maße.
Die gesetzliche Antwort
Priens Entwurf mit dem Titel Kita-Startchancen-und-Qualitäts-Entwicklungsgesetz wurde am Mittwoch, dem 15. Juli 2026, versandt. Er folgt auf das Gute-Kita-Gesetz von 2019 und das Kita-Qualitätsgesetz von 2023 und setzt Koalitionsvereinbarungen zwischen CDU und SPD um. Der Bund stellt 9,25 Milliarden Euro bis 2034 bereit, die vor allem für intensivere Betreuung und zusätzliche Fachkraftstunden für die Sprachstandserhebungen und Förderung vorgesehen sind.
Gute Bildung beginnt nicht in der Schule, sondern in der Kita.
Das Gesetz zielt auf drei Bereiche ab: mehr Kinder in die Kindertagesbetreuung zu bringen, Sprachdefizite so früh wie möglich zu erkennen und Probleme durch gezielte Hilfen auszugleichen. Erstmals würden die Erhebungen (die auch Motorik und allgemeine Entwicklung umfassen) nach bundesweit einheitlichen Standards erfolgen und auch für Vierjährige gelten, die keine Kita besuchen, ebenso wie für diejenigen, die eine besuchen.
Wie die Tests und die Finanzierung aussehen
Der Entwurf sieht vor, dass Kitas für die Durchführung der Sprachstandserhebung Personalressourcen im Umfang von zwei Stunden pro Kind sowie mindestens 30 Minuten pro Kind und Woche für die Planung und Begleitung der anschließenden Förderung erhalten. Kitas mit einem hohen Anteil an Kindern in schwierigen Lebenslagen (definiert durch finanzielle Bedürftigkeit, nichtdeutsche Familiensprache oder auffällige Sprachentwicklung) erhalten zusätzliches Personal: Einrichtungen mit 80 Kindern bekommen mindestens 20 zusätzliche Fachkraftstunden pro Woche, solche mit mehr als 80 Kindern mindestens 40 Stunden und solche mit mehr als 120 Kindern mindestens 60 Stunden. Diese verstärkte Unterstützung soll mindestens 10 Prozent der Kitas in jedem Bundesland erreichen.
Der Flickenteppich der derzeitigen Praxis
Der nationale Bildungsbericht stellt fest, dass nur die Hälfte der Bundesländer landesweit einheitliche standardisierte Beobachtungsverfahren einsetzt. Auch die Schuleingangsuntersuchungen variieren, sodass die Ergebnisse kaum vergleichbar sind. Mehrere Länder haben Programme mit Namen wie BaSiK, BeoKiz, HASE und BaSis eingeführt, und Hessen bietet sogenannte Vorkurse vor der Einschulung an, doch die Abstimmung bleibt uneinheitlich.
Die Zugangsbarriere
Waltraud Weegmann vom Deutschen Kitaverband weist auf einen anderen Engpass hin: Kinder, die den Sprachkontakt am dringendsten benötigen, kommen oft zu spät in die Kindertagesbetreuung. Obwohl seit 2013 ein gesetzlicher Anspruch auf einen Kitaplatz ab dem ersten Geburtstag besteht, stellt Weegmann fest, dass manche Familien keinen Platz bekommen, die Betreuung zu teuer finden oder dem Kita-System misstrauen. Wenn Schwierigkeiten erst im Alter von fünf Jahren erkannt werden, wird das Zeitfenster bis zur Einschulung zu eng.
Wenn alle Kinder mit hervorragenden Deutschkenntnissen in die Schule starten sollen, dann müssen wir sicherstellen, dass sie so früh wie möglich in die Kita kommen.
Weegmann fügt hinzu, dass der Spracherwerb bei den meisten Kindern auf natürliche Weise im Kita-Alltag stattfindet und keine speziellen Programme erfordert; nur eine kleine Zahl habe spezifische Probleme wie Sprachfehler. Der Entwurf ermöglicht es Kitas und Schulen auch, Daten aus den Sprach- und Entwicklungsstanderhebungen auszutauschen, um den Übergang in die Grundschule zu erleichtern.
- Bis zu 80 Kinder
- 20 Stunden/Woche
- Mehr als 80 Kinder
- 40 Stunden/Woche
- Mehr als 120 Kinder
- 60 Stunden/Woche


