Überreste zweier seit 1992 vermisster belgischer Bergsteiger auf Schweizer Gletscher gefunden
DNA-Tests haben die Identität zweier belgischer Bergsteiger bestätigt, deren Überreste auf dem Triftgletscher in Saas-Grund entdeckt wurden, nachdem sie 1992 bei einer Besteigung des 4017 Meter hohen Weissmies verschwunden waren.
Entdeckung auf dem Triftgletscher
Ein Wanderer, der am 26. Juli 2026 den Triftgletscher in der Schweizer Gemeinde Saas-Grund überquerte, entdeckte freiliegende menschliche Überreste. Der Wanderer alarmierte umgehend die regionale Notrufzentrale, woraufhin die Kantonspolizei Wallis und die Bergrettung eine sofortige Bergungsaktion auf dem Gletscher einleiteten. Rettungsspezialisten sicherten die hochgelegene Fundstelle und bargen beide Leichen von der schmelzenden Eisoberfläche. Das Personal transportierte die Überreste anschließend direkt an das Institut für Rechtsmedizin des Spitals Wallis in Sitten zur umfassenden gerichtsmedizinischen Untersuchung. Die Bergungsaktion leitete formelle administrative und forensische Verfahren ein, um einen mehr als drei Jahrzehnte alten Cold Case zu klären.
- Zwei belgische Bergsteiger verlassen die Weissmieshütte in Richtung des 4017 Meter hohen Gipfels und verschwinden bei schwerem Wetter
- Suchaktionen finden in den Monaten nach dem Verschwinden einen zurückgelassenen Rucksack
- Ein Wanderer entdeckt menschliche Überreste, die durch schmelzendes Eis auf dem Triftgletscher in Saas-Grund freigelegt wurden
- Kantonspolizei Wallis gibt formelle DNA-Identifizierung der beiden vermissten Bergsteiger bekannt
Verschwinden auf dem Weissmies-Gipfel
Bei den beiden Bergsteigern handelte es sich um belgische Staatsangehörige, die zum Zeitpunkt ihres Verschwindens im Herbst 1992 39 und 41 Jahre alt waren. Am 4. September 1992 checkten die beiden aus der Weissmieshütte aus mit dem Ziel, den 4017 Meter hohen Gipfel des Weissmies zu besteigen. Ihre Bergtour erforderte die Überquerung des Gipfels, bevor sie den Abstieg zur Almagellhütte auf der gegenüberliegenden Seite des Massivs begannen. Sich verschlechterndes Wetter und schwere Bedingungen zogen während ihres Aufstiegs über den Berg hinweg und hinderten die Männer daran, ihr Ziel zu erreichen. In den folgenden Herbst- und Wintermonaten führten alpine Suchmannschaften mehrere Suchaktionen über die Hänge und Grate durch. Diese ersten Suchaktionen erbrachten nur einen einzigen im Schnee zurückgelassenen Rucksack, ohne dass bis Juli 2026 weitere Spuren der Bergsteiger gefunden wurden.
Forensische Identifizierung in Sitten
Nach der Überführung der Leichen in die Kantonshauptstadt Sitten führten forensische Mediziner vergleichende genetische Analysen anhand von Proben der geborgenen Überreste durch. Die Ermittler gleichten die neu erstellten DNA-Profile mit Referenzdaten ab, die mit dem ungeklärten Verschwinden von 1992 in Verbindung standen. Die Kantonspolizei Wallis gab die abschließende Identifizierung in einer Pressemitteilung vom Mittwoch, 19. August 2026, offiziell bekannt.
Ein direkter Vergleich der DNA-Profile ermöglichte es, formal festzustellen, dass es sich um zwei Bergsteiger handelt, die seit 1992 in der Region Weissmies als vermisst gemeldet waren.
Die endgültigen Laborergebnisse bestätigten, dass die Überreste die der beiden belgischen Bergsteiger waren, die vor 34 Jahren während ihres Aufstiegs verschwunden waren. Die formelle Identifizierung ermöglichte es den Kantonsbehörden, den forensischen Fall abzuschließen und die zuständigen konsularischen Behörden zu benachrichtigen.
Gletscherschwund und Vermisstenregister
Die Entdeckung auf dem Triftgletscher spiegelt ein wiederkehrendes Muster in den gesamten Schweizer Alpen wider, wo schmelzendes Eis weiterhin längst verlorene Bergsteigerausrüstung und Opfer vergangener Expeditionen freigibt. Warme Sommerbedingungen haben den Rückzug des Gletschereises beschleunigt und Gelände freigelegt, das jahrzehntelang kontinuierlich gefroren war.
Mit dem Rückzug der Gletscher werden manchmal Überreste von Menschen ans Licht gebracht, die vor mehreren Jahrzehnten in den Bergen verschwunden sind.
Um diese wiederkehrenden Funde zu bewältigen, führt die Kantonspolizei Wallis ein spezialisiertes Vermisstenregister mit aktiven Einträgen, die bis ins Jahr 1925 zurückreichen. Das Archiv konzentriert sich hauptsächlich auf ungeklärte Verschwindensfälle in hochalpinen Umgebungen, Flusssystemen und Berggewässern. Forensische Teams und regionale Ermittler verlassen sich auf dieses jahrhundertealte Verzeichnis, um neu freigelegte persönliche Gegenstände und menschliche Überreste abzugleichen, wann immer der Gletscherrückgang jahrzehntealte Unfallstellen freigibt.


