Oberster Gerichtshof der USA hebt Aussetzung auf und ebnet Tennessee den Weg zur Hinrichtung von Christa Pike
Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Mittwoch eine Aussetzung einer unteren Instanz aufgehoben und damit dem Bundesstaat Tennessee den Weg für die Hinrichtung der zum Tode verurteilten Christa Pike durch die Giftspritze freigemacht.
Entscheidung des Supreme Court
Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Mittwoch dem Bundesstaat Tennessee den Weg für die Hinrichtung von Christa Pike durch die Giftspritze freigemacht und damit eine Eilaussetzung aufgehoben, die ein Bundesberufungsgericht am selben Tag zuvor erlassen hatte. In einer von Richter Brett Kavanaugh unterzeichneten Anordnung gab das höchste Gericht einem Eilantrag der Behörden von Tennessee statt. Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates hatte den Supreme Court unmittelbar angerufen, nachdem ein dreiköpfiges Gremium des 6. US-Berufungsgerichts die Hinrichtung nur eine Stunde vor dem für Pike angesetzten Vollstreckungstermin gestoppt hatte. Die Vertreter des Bundesstaates argumentierten in ihrem Eilantrag, die Verteidigung nutze bewusste Verzögerungstaktiken in letzter Minute, um der Strafe zu entgehen. Wird die Giftspritze verabreicht, wäre Pike die erste Frau, die in Tennessee seit mehr als 200 Jahren hingerichtet wird.
Rechtsmittel und Ablehnung des Gnadengesuchs
Die vom 6. Bundesberufungsgericht gewährte vorläufige Aussetzung hatte eine inhaltliche Prüfung von Pikes rechtlichen Einwänden zur Fairness früherer Gerichtsverfahren verlangt. Ihre Verteidiger argumentierten, frühere Gerichtsentscheidungen hätten das schwere Kindheitstrauma und den sexuellen Missbrauch, die Pike in ihrer Kindheit erlitten habe, nicht angemessen gewürdigt. Diese Einwände bildeten auch die Grundlage eines förmlichen Gnadengesuchs, das bei den Behörden des Bundesstaates eingereicht wurde. Tennessees Gouverneur Bill Lee lehnte Pikes Gnadengesuch am Montag ab, sodass ein Eingreifen der Bundesgerichte ihre verbleibende rechtliche Option war. Obwohl die Anordnung des Supreme Court die Aussetzung aufhob, nannten die Strafvollzugsbehörden des Bundesstaates zunächst keinen neuen Termin für die Vollstreckung.
- Colleen Slemmer wird in einem Waldstück nahe dem Job-Corps-Zentrum von Knoxville getötet
- Christa Pike wird wegen Mordes ersten Grades verurteilt und zum Tode verurteilt
- Pike wird nach einem Angriff auf eine Mitgefangene wegen versuchten Mordes ersten Grades verurteilt
- Gouverneur Bill Lee lehnt Pikes Gnadengesuch ab
- Ein Bundesberufungsgericht erlässt eine Aussetzung, die der Oberste Gerichtshof der USA anschließend aufhebt
Der Mord von 1995 im Job Corps in Knoxville
Pike, heute 50 Jahre alt, sitzt seit 1996 in der Todeszelle, nachdem sie wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer verurteilt worden war. Die Tat ereignete sich im Januar 1995, als Pike 18 Jahre alt war und gemeinsam mit Slemmer das Berufsbildungszentrum Job Corps in Knoxville besuchte. Nach den in der Hauptverhandlung vorgelegten Beweisen und Aussagen glaubte Pike, Slemmer sei eine Rivalin, die um die Zuneigung ihres 17-jährigen Freundes Tadaryl Shipp warb. Pike, Shipp und eine 18-jährige Begleiterin namens Shadolla Peterson lockten Slemmer in ein Waldstück nahe der Einrichtung. Dort folterten und töteten Pike und Shipp Slemmer. Die grausamen Einzelheiten der Tat wurden damals intensiv von den Medien aufgegriffen.
Urteile und spätere Verurteilung im Gefängnis
Nach ihrer Festnahme gestanden sowohl Pike als auch Shipp die Tat und wurden 1996 wegen Mordes ersten Grades verurteilt. Das Gericht verhängte gegen Pike die Todesstrafe, Shipp erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe mit Aussicht auf Bewährung. Peterson, die während der Tat Schmiere stand, erklärte sich bereit, als Zeugin der Anklage auszusagen, und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Pike ist derzeit die einzige Frau in der Todeszelle in Tennessee und zugleich die einzige Insassin des Bundesstaates in der modernen Ära der Todesstrafe, die für eine als Jugendliche begangene Tat hingerichtet werden soll. Nach Angaben des Tennessee Department of Correction wurde Pike zudem im August 2001 wegen versuchten Mordes ersten Grades verurteilt, nachdem sie eine Mitgefangene angegriffen hatte.

