
Varta-Gläubiger drängen auf Zerschlagung, Haushaltsbatterien-Sparte soll ausgegliedert werden
Eine Gruppe wichtiger Gläubiger, darunter die Deutsche Bank, plant, das Haushaltsbatteriengeschäft von Varta auszugliedern – mit Verweis auf eine Liquiditätslücke im mittleren zweistelligen Millionenbereich und fehlende frische Investitionen.
## Zerschlagungsplan Eine Gruppe wichtiger Gläubiger, darunter die Deutsche Bank und die Investmentfirmen RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox, kündigte Pläne an, das Haushaltsbatteriengeschäft von Varta in eine neue Eigentümerstruktur auszugliedern. Die sogenannte Ad-hoc-Gläubigergruppe erklärte, dies sei der vielversprechendste Weg, um zumindest Teile des Unternehmens zu erhalten. Die verbleibenden Geschäftsbereiche würden voraussichtlich eine weitere Restrukturierung benötigen. Der Plan unterliegt behördlichen und anderen Genehmigungen.
Finanzielle Notlage
Die Gläubiger beriefen sich auf eine unabhängige Analyse der Beratungsfirma FTI, die einen operativen Liquiditätsbedarf im mittleren zweistelligen Millionenbereich sowie erhebliches zusätzliches Kapital zur langfristigen Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs aufzeigte. Trotz intensiver Gespräche habe sich kein Investor oder Stakeholder zur Bereitstellung der erforderlichen Mittel verpflichtet, so ein Sprecher der Gruppe. Varta selbst hat sich zu der Ankündigung nicht geäußert.
Trotz intensiver Gespräche mit allen Beteiligten ist von keiner Seite eine Zusage zur Bereitstellung der notwendigen zusätzlichen finanziellen Mittel eingegangen.
Politische und gewerkschaftliche Reaktionen
Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sagte, sie habe intensive Gespräche mit allen Parteien geführt und werde dies fortsetzen, mit dem Ziel, möglichst viel Industriewert, technologisches Know-how und möglichst viele Arbeitsplätze im Land zu erhalten. Sie bezeichnete die drohende Zerschlagung als schlechte Nachricht für die Beschäftigten und den Industriestandort.
Ich habe in den vergangenen Tagen und Wochen intensive Gespräche mit allen Parteien geführt und werde dies fortsetzen.
IG-Metall-Funktionär Fabian Fink bezeichnete die Situation als „Riesenkatastrophe“ und sagte, Arbeitsplätze und Existenzen vieler Familien stünden auf dem Spiel. Er forderte sofortige Transparenz und Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern.
Das ist eine Riesenkatastrophe. Arbeitsplätze und Existenzen stehen auf dem Spiel – auch die vieler Familien.
Eigentümerstruktur und potenzielle Bieter
Varta befindet sich zu 50 % im Besitz des österreichischen Unternehmers Michael Tojner und zu 50 % im Besitz der Porsche AG. Tojner sagte der Augsburger Allgemeinen, er wolle Teile des Unternehmens fortsetzen, fügte jedoch hinzu, dass dies einen weiteren Restrukturierungsprozess und „harte Einschnitte“ erfordern würde. Der Schweizer Investor Allswiss reichte einen Vorschlag ein, den die Gläubigergruppe jedoch lediglich als Absichtserklärung ohne wesentliche Informationen beschrieb. Allswiss-Gründer Pino Sergio warf den Gläubigern vor, liquidieren statt verkaufen zu wollen.
Wer eine vollständige Rückzahlung in eigenen Worten begrüßen würde und gleichzeitig jegliche Diskussion darüber verweigert, will nicht verkaufen, sondern liquidieren – auf Kosten des Unternehmens, seiner Mitarbeiter und der anderen Gläubiger.
Hintergrund und vorherige Restrukturierung
Varta mit Sitz in Ellwangen (Baden-Württemberg) beschäftigt rund 3.260 Menschen und produziert Haushaltsbatterien, Mikrobatterien für Hörgeräte sowie Energiespeichersysteme. Das Unternehmen verlor seinen Schlüsselkunden Apple, der für AirPods-Knopfzellen zu einem chinesischen Lieferanten wechselte, was zu 350 Stellenstreichungen in Nördlingen und Ellwangen führte. Ein schwächerer Dollar Ende 2025 schmälerte zudem die Erlöse. Varta hatte bereits eine Restrukturierung nach dem deutschen StaRUG-Gesetz durchlaufen, die im Juli 2024 eingeleitet und im April 2025 für abgeschlossen erklärt wurde. Die jüngsten Entwicklungen deuten jedoch darauf hin, dass diese Bemühungen nicht ausreichten.
- Varta beantragt Restrukturierung nach dem deutschen StaRUG-Gesetz.
- Varta erklärt Restrukturierung für abgeschlossen; alte Aktionäre scheiden aus.
- Wichtige Gläubiger kündigen Plan zur Ausgliederung der Haushaltsbatterien-Sparte an.
- Der Zerschlagungsplan bedarf noch der Zustimmung der Aufsichtsbehörden und weiterer Genehmigungen.

