
Valencianischer Regierungschef offen für Finanzierungsgespräche mit spanischer Regierung, beharrt aber auf multilateralem Forum
Nach einem herzlichen, aber ergebnislosen Treffen mit Finanzminister Arcadi España erklärte der valencianische Präsident Juanfran Pérez Llorca, er werde ein neues Modell zur Finanzierung der Autonomen Gemeinschaften nur akzeptieren, wenn es gemeinsam von allen Regionen debattiert werde; gleichzeitig werde seine Regierung einen möglichen Schuldenerlass durch das Parlament respektieren.
Ein lang erwartetes Treffen
Das Treffen zwischen dem spanischen Finanzminister, dem Sozialisten Arcadi España, und dem valencianischen Präsidenten, dem Konservativen Juanfran Pérez Llorca, fand an diesem Montag im Palau de la Generalitat in Valencia statt. Llorca hatte das Gespräch nach der Ernennung Españas beantragt; es dauerte etwa eine Stunde. Beide beschrieben den Ton als herzlich, was im derzeit polarisierten politischen Klima eine Seltenheit darstellt, doch die Sitzung endete ohne substanzielle Vereinbarungen.
Der Streit um das Finanzierungsmodell
Llorca erklärte, die Valencianische Gemeinschaft sei offen für die Aushandlung eines neuen Finanzierungssystems für die autonomen Regionen, jedoch nur im multilateralen Rahmen des Rates für Fiskal- und Finanzpolitik (CPFF) und nicht in bilateralen Treffen mit der Zentralregierung. Er lehnte den Vorschlag der Regierung in seiner jetzigen Form ab, da er nach seiner Analyse die Region unter den nationalen Durchschnitt fallen ließe. Der Präsident betonte, dass jedes Angebot durch einen Entwurf für ein Organgesetz und eine entsprechende Zuweisung im Staatshaushalt untermauert werden müsse.
Ich bin offen für die Aushandlung eines neuen Finanzierungsmodells. Meine Position ist klar: Diese Verhandlung muss im Rat für Fiskal- und Finanzpolitik stattfinden. Ja zur Verhandlung, wenn sie den Rat jetzt einberufen.
Liquiditätsspritze und fiskalische Forderungen
Arcadi España informierte Llorca darüber, dass die Regierungsdelegiertenkommission für Wirtschaftsangelegenheiten (CDGAE) noch am selben Nachmittag 4,033 Mrd. Euro an Liquidität für die Valencianische Gemeinschaft genehmigen werde. Das Paket besteht aus 1,904 Mrd. Euro aus dem außerordentlichen FLA (ExtraFLA) und 2,126 Mrd. Euro aus dem ordentlichen FLA für das dritte Quartal. Die Botschaft des Ministers lautete, dass die Region keine finanziellen Engpässe befürchten müsse, im Gegensatz zu den Zuständen unter seinem Vorgänger. Llorca präsentierte zudem eine Liste mit Forderungen in Höhe von etwa fünf Milliarden Euro, die Infrastruktur, ausstehende Investitionen und Gesetzesänderungen zur Beschleunigung des Wiederaufbaus nach der Dana-Katastrophe umfassen.
- ExtraFLA (genehmigt)
- 1904 Mio. Euro
- FLA ordentlich 3. Quartal (genehmigt)
- 2126 Mio. Euro
- Neues Modell zusätzlich (vorgeschlagen)
- 3669 Mio. Euro
- Schuldenerlass (geschätzt)
- 11000 Mio. Euro
Schuldenerlass widerwillig akzeptiert
Zur Frage der Streichung eines Teils der historischen regionalen Schulden, die für die Valencianische Gemeinschaft auf etwa 11,000 Mrd. Euro geschätzt werden, erklärte Llorca, dass seine Regierung sich an ein entsprechendes Gesetz halten werde, sollte das spanische Parlament ein solches verabschieden, auch wenn sie die Maßnahme nicht befürworte. Diese Haltung steht im Kontrast zur strikten Ablehnung eines Schuldenerlasses durch andere Regionalführer der PP.
Ich habe Respekt vor den Institutionen, und wenn in den Cortes ein Gesetz verabschiedet wird, werden wir uns daran halten. Selbstverständlich, auch wenn wir es nicht teilen.
Politische Reaktionen
Nach dem Treffen kritisierte der Sprecher von Compromís, Joan Baldoví, den Präsidenten scharf. Er warf Llorca vor, nicht auf der Höhe der Zeit zu sein, das Schuldenproblem beim Minister nicht angesprochen zu haben und als Bote für den nationalen PP-Chef Alberto Núñez Feijóo sowie die Madrider Präsidentin Isabel Díaz Ayuso zu agieren. Baldoví bezeichnete den Auftritt des Präsidenten nach dem Treffen als äußerst schwach und drängte ihn dazu, bilaterale Verhandlungen mit der Zentralregierung zu akzeptieren.
Wen hat Pérez Llorca vertreten, fünf Millionen Valencianer oder Feijóo?
Der Minister seinerseits bedauerte, dass die Regionalführer der PP „sich nicht an den Verhandlungstisch setzen, weil sie es nicht dürfen“, und tat Llorcas Forderung nach dem CPFF als Ausrede ab.


