
Schwere Unwetter treffen Norditalien: Hochwasser-Sirenen heulen in Chiavari, 150 Menschen aus Val Badia evakuiert
Heftige Regenfälle, intensive Blitze und Erdrutsche haben am 20. August den Verkehr in ganz Norditalien beeinträchtigt und Evakuierungen ausgelöst. Entlang der ligurischen Küste heulten die Hochwassersirenen, und in Südtirol wurden 150 Menschen zur Evakuierung gezwungen.
Sturzfluten und Sirenenalarm in Ligurien
Schwere Gewitter haben am 20. August Norditalien getroffen und in den Küstengebieten Liguriens zu Überschwemmungen geführt, die kommunale Notfallalarme auslösten. In Chiavari in der Provinz Genua fielen innerhalb einer Stunde 103 Millimeter Regen, der die Straßen der Stadt überflutete und Fahrbahnen in reißende Bäche verwandelte. Die örtliche Gemeinde aktivierte Notfallsirenen, um die Bewohner vor der unmittelbaren Überschwemmungsgefahr durch den Torrente Rupinaro zu warnen. Die Behörden forderten die Bürger auf, sofort Erdgeschosse und Kellerräume zu räumen, sich in höhere Stockwerke zu begeben und Brücken, Gehwege und Ufer zu meiden.
Die Gemeinde Chiavari gab eine Warnung heraus, die auf die hohe Gefahr in gefährdeten Tieflagen hinwies:
Die Ankündigung der Alarmphase weist auf eine unmittelbare Situation mit hohem Risiko hin.
Im nahegelegenen Lavagna überschwemmten die Fluten mehrere Straßenunterführungen, darunter die Via Colombo, Via Previati, Via Eraldo Fico und Via Nino Bixio. Die Feuerwehr griff in der Unterführung Nino Bixio ein, um eine Person zu retten, die in einem überfluteten Lieferwagen eingeschlossen war. Geringfügige Überschwemmungen wurden auch im Viertel Ri Basso in Chiavari und im Stadtteil Certosa von Genua gemeldet, während der Fluss Entella einen niedrigen Wasserstand hielt und das abfließende Wasser aufnahm, ohne überzulaufen.
Verkehrsinfarkt auf den Küstenstrecken
Das Unwettersystem hat die Straßen- und Schieneninfrastruktur in ganz Ligurien schwer beeinträchtigt. Überschwemmungen entlang der Autobahn A12 Genua-Rom führten zu Verkehrsstaus zwischen Chiavari und Recco sowie zwischen Chiavari und Lavagna. Starke Winde deckten Dächer ab und rissen Bäume in mehreren Küstengemeinden um, was die Reisebehinderungen verstärkte.
Ein Blitzsturm verzeichnete zwischen 37.000 und 40.000 elektrische Entladungen in ganz Ligurien, wobei mehr als 20.000 Einschläge allein auf Genua konzentriert waren. Blitzeinschläge legten die elektrischen Systeme am Bahnhof Ventimiglia lahm und brachten den Zugverkehr in der Nähe der französischen Grenze zum Erliegen. Der Zugverkehr im gesamten Knotenpunkt Genua verlangsamte sich erheblich, was zu Verspätungen auf den Strecken in Richtung Ventimiglia und La Spezia führte.
- Starke Niederschläge beginnen entlang der ligurischen Küste vor dem offiziellen Warnplan.
- Vor der Küste bilden sich Gewitterzellen, die sichtbare Regensäulen erzeugen, bevor sie landeinwärts über Tigullio ziehen.
- Die gelbe Wetterwarnung des regionalen Amtes Arpal tritt offiziell in Kraft.
- Ein Schlamm- und Felsrutsch im Val Badia blockiert den Zugang zur Capanna Alpina und zwingt 150 Bewohner zur Evakuierung.
- Die Wasserstände am Torrente Rupinaro fallen unter die kritischen Warnschwellen.
Erdrutsche und Evakuierungen im alpinen Norden
Abseits der Küstengebiete zogen konvektive Wettersysteme über Trentino-Südtirol, die Lombardei und Venetien hinweg und brachten Hagel und starke Regenfälle in die Alpentäler. In der Region Val Badia in Südtirol führte am Nachmittag ein Erdrutsch zur Evakuierung von rund 150 Menschen. In der Nähe der Ortschaft San Cassiano löste sich eine große Masse aus Schlamm, Felsgeröll und Sediment und blockierte die Straße zur Capanna Alpina vollständig.
Einsatzkräfte im Trentino reagierten auf zahlreiche umgestürzte Bäume, die nach plötzlichen Nachmittagsböen die Straßen blockierten. Weiter östlich und südlich beschädigten Sturmböen und Hagelstürme in Teilen der Lombardei und Venetiens Dächer und stürzten Vegetation um, was Eingriffe der regionalen Zivilschutzkräfte erforderte.
Notfallmaßnahmen und Stabilisierung der Flusspegel
Der regionale Wetterdienst Arpal hatte eine gelbe Wetterwarnung herausgegeben, die am 20. August um 10:00 Uhr in Kraft treten sollte, obwohl bereits in der Morgendämmerung heftige Niederschläge einsetzten. Gegen 08:00 Uhr bildeten sich über dem Meer Gewitterzellen, die Regensäulen erzeugten, die von der Küste aus sichtbar waren, bevor sie landeinwärts über Tigullio, Portofino, Rapallo, Lavagna und Sestri Levante zogen.
Am späten Nachmittag fielen die Wasserstände am Torrente Rupinaro von den höchsten Warnstufen wieder auf sicherere Schwellenwerte zurück. Die operative Zentrale des regionalen Zivilschutzes überwachte weiterhin aktiv Genua und das östliche Tigullio-Becken. Die Gemeindebehörden stellten fest, dass die örtlichen Abflusskapazitäten während des Wolkenbruchs gesättigt waren, das Wasser in den kritischen Unterführungen jedoch allmählich ablief.


