
Ungarisches Parlament wählt Orbán-Kritiker András Baka zum Präsidenten
Das ungarische Parlament stimmt am Dienstag über die Wahl des 73-jährigen ehemaligen Präsidenten des Obersten Gerichtshofs András Baka zum Staatsoberhaupt ab – eine symbolische Wende nach seiner Absetzung durch die Regierung von Viktor Orbán vor über einem Jahrzehnt.
Ein von Orbán abgesetzter Richter kehrt zurück
András Baka, ein 73-jähriger Jurist, geboren 1952, wird am Dienstag um 14:00 Uhr Ortszeit (12:00 Uhr GMT) zum neuen ungarischen Staatsoberhaupt gewählt, wenn die Nationalversammlung über seine Nominierung abstimmt. Baka war Präsident des Obersten Gerichtshofs Ungarns, bis Orbáns Regierung ihn 2011 oder 2012 (je nach Quelle) absetzte, nachdem er eine Justizreform als getarnte Säuberung bezeichnet hatte. Die Reform senkte das Rentenalter für Richter und zwang damit viele aus dem Amt. Baka focht seine Entlassung vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) an, wo er selbst von 1991 bis 2008 als Richter tätig gewesen war. Vier Jahre nach seiner Absetzung entschied der EGMR, dass seine Entlassung politischer Natur war.
Die Abstimmung ist eine Formsache: Baka ist der einzige Kandidat, und die regierende Tisza-Partei verfügt über 141 der 199 Parlamentssitze, eine Zweidrittelmehrheit. Ministerpräsident Péter Magyars Partei nominierte Baka am Samstag, den 8. August, nach einer geheimen Abstimmung unter drei Finalisten. Die anderen beiden Kandidaten waren der Historiker Ignác Romsics und der unabhängige Anwalt Botond Fülöp.
- Präsidentin Katalin Novák tritt wegen einer Begnadigung eines Komplizen in einem Pädophiliefall zurück
- Péter Magyars Tisza-Partei gewinnt die Parlamentswahlen
- Das Mandat des ehemaligen Präsidenten Tamás Sulyok endet nach einer von der Tisza-Mehrheit verabschiedeten Verfassungsänderung
- Die Tisza-Fraktion nominiert András Baka per geheimer Abstimmung als Präsidentschaftskandidaten
- Die Nationalversammlung soll über Bakas Wahl zum Staatsoberhaupt abstimmen
Warum das Präsidentenamt vakant war
Die Wahl folgt auf die Absetzung des ehemaligen Präsidenten Tamás Sulyok, dessen Mandat am 19. Juli 2026 endete, nachdem die Tisza-Mehrheit eine Verfassungsänderung verabschiedet hatte, die seine Entlassung ermöglichte. Magyar hatte Sulyok als „Marionette Orbáns“ bezeichnet und seine Absetzung noch vor dem Gewinn der Wahlen im April 2026 zur Priorität gemacht. Das ungarische Recht verlangt, dass das Parlament innerhalb eines Monats nach der Vakanz einen neuen Präsidenten wählt. Die Verfassungsänderung sieht auch vor, dass der neue Präsident bis zum Inkrafttreten einer neuen Verfassung oder maximal fünf Jahre im Amt bleibt.
Fidesz, Orbáns Partei, hat angekündigt, die Abstimmung am Dienstag zu boykottieren und sie als „illegitim“ zu bezeichnen, nachdem Sulyoks Mandat verkürzt wurde. NGOs wie Human Rights Watch haben Sulyoks Absetzung kritisiert und argumentiert, dass dabei Methoden angewandt wurden, die an diejenigen erinnern, mit denen Orbán ungarische Institutionen umgestaltete.
Magyars Suche nach einer Konsensfigur
Magyar brachte zunächst Schachweltmeisterin Judit Polgár für das Präsidentenamt ins Spiel, doch sie lehnte ab. Die Tisza-Partei prüfte dann etwa zehn Kandidaten und führte eine Online-Umfrage in sozialen Netzwerken durch, bevor sie das Feld auf drei einengte. Baka, obwohl in den Medien weniger präsent als Fülöp, wurde schließlich ausgewählt. Fülöp hatte 2024 durch anonym verbreitete Recherchen eine Rolle beim Rücktritt der ehemaligen Präsidentin Katalin Novák gespielt. Diese Begnadigungsaffäre, bei der einem Komplizen in einem Pädophiliefall Gnade gewährt wurde, führte auch zu Magyars Bruch mit Fidesz und zur Gründung der Tisza-Partei.
Baka wurde 1990 auf der Liste der konservativen MDF-Partei ins Parlament gewählt. Der Analyst Bulcsú Zsiga vom Centre for Fair Political Analysis beschrieb Baka als jemanden, der bis zum Ende ging, um zu zeigen, dass das, was ihm widerfahren war, gegen europäisches Recht verstieß.
Er ging bis zum Ende, um zu zeigen, dass das, was ihm widerfahren war, gegen europäisches Recht verstieß.
Zsiga sagte, Bakas Rückkehr durch die Vordertür sende ein Signal an Ungarns europäische Partner und biete eine Garantie dafür, dass die Wiederherstellung der liberalen Demokratie einem klar definierten Weg folge.
Die Tisza-Partei erklärte in einer Stellungnahme, Baka habe stets für die Rechtsstaatlichkeit und die Unabhängigkeit der Justiz gestanden.
Er maß dem Prinzip der Gewaltenteilung stets größte Bedeutung bei und trat konsequent für die Rechtsstaatlichkeit und die Unabhängigkeit der Justiz ein.
Die Partei bezeichnete ihn als die stärkste Garantie dafür, dass das Präsidentenamt seine Würde und seine Fähigkeit, die Menschen zu einen, zurückgewinne, und sagte, er werde als Gegengewicht zur Regierungsmehrheit dienen.


