
Guterres warnt vor COP17: Welt verfehlt Biodiversitätsziele
Nur 26 Prozent der Landfläche und 12 Prozent der Meere wären geschützt, wenn die derzeitigen Zusagen eingehalten würden, sagte UN-Generalsekretär António Guterres auf einer Pressekonferenz in Armenien, vier Tage bevor die COP17 in Jerewan beginnt.
Ziele für 2030 verfehlt
UN-Generalsekretär António Guterres stellte am Donnerstag, dem 15. Oktober, auf einer Pressekonferenz in Armenien die erste globale Überprüfung der Umsetzung des Kunming-Montreal-Rahmens für die biologische Vielfalt vor – vier Tage bevor der Biodiversitätsgipfel COP17 am 19. Oktober in Jerewan beginnt. Die Überprüfung kommt zu dem Ergebnis, dass keines der 23 globalen Ziele ein durchweg positives Bild zeigt und dass erhebliche Lücken bei der Umsetzung der zugesagten Maßnahmen bestehen. Guterres begann mit guten Nachrichten: 90 Prozent der Vertragsparteien haben Ziele festgelegt, und die Hälfte von ihnen verfügt über konkrete Aktionspläne. Dann kam er auf die schlechten Nachrichten zu sprechen und beschrieb eine deutliche Kluft zwischen Anspruch und Umsetzung. Würden die derzeit zugesagten Ziele erreicht, wären nur 26 Prozent der Landfläche und 12 Prozent der Meere geschützt, sagte er.
- Land
- 26 %
- Meer
- 12 %
Geld fließt in die falsche Richtung
Inger Andersen, Exekutivdirektorin des UN-Umweltprogramms, brachte das Missverhältnis in Zahlen: Auf jeden Dollar, der für den Schutz der Natur ausgegeben wird, kommen 30 Dollar für Aktivitäten, die sie zerstören. Guterres argumentierte in Jerewan ähnlich: Subventionen für fossile Brennstoffe seien Subventionen für den Suizid, und Kohlenwasserstoffe heizten den Planeten auf und seien ein Fluch für die biologische Vielfalt. Es fällt Regierungen schwer, naturzerstörende Subventionen abzubauen – eine Verpflichtung, die sie 2022 eingegangen sind und deren Fortschritt auf der COP17 überprüft werden soll. Guterres sagte, die Länder würden die Ziele für 2030 voraussichtlich erreichen, doch wie bei den schädlichen Subventionen lägen sie bei fast jedem Meilenstein zurück. Bloomberg beziffert den jährlich benötigten Betrag zur Erreichung der Ziele auf schätzungsweise 700 Milliarden Dollar, und die Regierungen streiten darüber, wie dieser aufgebracht werden soll. Unabhängig davon wandten sich Anfang Oktober 130 Unternehmen, darunter BNP Paribas, Danone und Hermès, in einem Brief an die Regierungen und forderten sie auf, finanzielle Anreize in Höhe von schätzungsweise 2,6 Milliarden Dollar jährlich zu reformieren, die nach wie vor übermäßige öffentliche Mittel in Aktivitäten lenken, die natürliche Ressourcen erschöpfen.
Versprechen von Cop15 bröckeln
Das 2022 in Montreal auf der Cop15 erzielte Abkommen umfasste 23 Ziele, darunter den Schutz von 30 Prozent des Planeten für die Natur, die Wiederherstellung von 30 Prozent der geschädigten Ökosysteme und den Abbau umweltschädlicher Subventionen in Höhe von 500 Milliarden Dollar. Nahezu jedes Land unterstützte es, Ausnahmen waren die Vereinigten Staaten und der Vatikanstaat. Seitdem blieb die Umsetzung hinter den Erwartungen zurück, und die Regierungen haben in Vorbereitungstreffen eingeräumt, dass sie bei jedem einzelnen Ziel vom Kurs abgekommen sind. Das Ampelsystem zur Bewertung der nationalen Maßnahmen ist voller Gelb, Orange und Rot. Die jüngsten Schritte bis zum Gipfel sind unten aufgeführt.
- Cop15 in Montreal verabschiedet das Biodiversitätsabkommen mit 23 Zielen
- 130 Unternehmen fordern in einem Brief an die Regierungen die Reform schädlicher Anreize
- Guterres stellt in Armenien die erste globale Überprüfung des Rahmenabkommens vor
- Biodiversitätsgipfel COP17 beginnt in Jerewan
Wie es auf der COP17 weitergeht
Die COP17 beginnt am Montag, dem 19. Oktober, in Jerewan, wo die Delegierten den Fortschritt bei der Zielerreichung bewerten und Wege zur Beschleunigung der Maßnahmen erörtern werden. Guterres sagte vor der Presse, Finanzierung, Kapazitäten, Zusammenarbeit und Daten fehlten nach wie vor in dem im Bericht beschriebenen Fortschritt. Er rief die Regierungen auf, die richtigen Anreize zu schaffen, schädliche Subventionen abzubauen und soziale Schutzmaßnahmen zu stärken. Zudem warnte er, dass die Natur nicht allein durch gute Absichten gerettet werde, und beschrieb drei miteinander verflochtene globale Krisen, deren erste die Klimakrise sei. Die vorbereitende Bilanz sieht nicht gut aus, und der Gipfel soll messen, wie weit die Ziele für 2030 ins Hintertreffen geraten sind.


