KI-generiert·Mehr erfahren
© Stirile ProTV
Konflikte·vor 1 Std.

Ukrainische Drohnenoffensive unterbricht Treibstoffversorgung der Krim – Rationierung und 10-Stunden-Schlangen

Eine anhaltende ukrainische Drohnenkampagne gegen Logistikrouten hat die Treibstoffversorgung der besetzten Krim abgewürgt. Die von Moskau eingesetzten Behörden haben Benzin und Diesel rationiert, während Anwohner bis zu zehn Stunden Schlange stehen.

Das logistische Rückgrat unter Beschuss

Ukrainische Streitkräfte haben eine anhaltende Serie von Drohnenangriffen auf die wichtigste Straßen- und Schienenverbindung zwischen Rostow am Don und der Krim über das besetzte Mariupol durchgeführt. Clément Molin, Analyst bei der französischen Denkfabrik Atum Mundi, beschrieb die Route als „so etwas wie das Rückgrat der russischen Besatzung im Süden“. Er sagte der BBC, dass die Ukraine seit Anfang Mai 300 Drohnenangriffe auf Lastwagen, darunter 30 Tanklastzüge, durchgeführt habe, wobei die Taktzahl Anfang Juni zugenommen habe.

Die Straße ist so etwas wie das Rückgrat der russischen Besatzung im Süden.

Der Seeweg zur Krim ist zu gefährlich geworden, nachdem ukrainische Angriffe mehrere Fähren, die die Halbinsel bedienen, außer Gefecht gesetzt haben. Die Brücke von Kertsch, die andere wichtige Verbindung zum russischen Festland, gilt für Tanklastzüge als zu riskant. Craig Kennedy, Associate am Davis Center der Harvard-Universität und Russland-Experte für die Ölindustrie, sagte der BBC, dass es geradezu „Ärger heraufbeschwören“ hieße, einen mit Diesel beladenen Lastwagen auf die Brücke von Kertsch zu schicken.

Treibstoffrationierung und 10-Stunden-Schlangen

In den allermeisten Tankstellen auf der Krim können Einheimische jetzt nur noch bis zu 20 Liter Treibstoff pro Person mit vorausbezahlten Gutscheinen kaufen – sofern überhaupt Treibstoff verfügbar ist. In sozialen Medien kursieren Videos, die lange Autoschlangen an Tankstellen in der gesamten Region zeigen; Anwohner berichten, dass sie regelmäßig bis zu zehn Stunden warten. Ein Anwohner aus Simferopol sagte der unabhängigen Website Bereg, dass er jetzt zu Fuß zur Arbeit gehe und scherzte, er müsse sich jetzt nur noch ein Pferd kaufen.

Ich gehe jetzt zu Fuß zur Arbeit. Das ist natürlich weniger bequem als Auto zu fahren, aber kein großes Problem. Jetzt muss ich mir nur noch ein Pferd kaufen!

Bewohner aus Simferopol

Russische Touristen, die vor Ausbruch der Krise auf die Krim gereist waren, haben nun Schwierigkeiten, Treibstoff für die Abreise zu finden. Die Lage ist so prekär, dass die örtlichen, von Moskau eingesetzten Behörden eine spezielle Hotline eingerichtet haben, um gestrandeten Besuchern zu helfen. Berichten zufolge sind die Benzin- und Dieselpreise aufgrund der Knappheit in die Höhe geschossen.

Kreml räumt das Problem ein

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gab am Montag zu, dass es „gewisse Probleme“ mit der Treibstoffversorgung gebe, versuchte dies aber mit unbegründeten Hamsterkäufen zu erklären. Der von Kreml eingesetzte Chef der Krim, Sergei Aksjonow, ging am 5. Juni noch weiter und räumte ein, dass es nicht möglich erscheine, die Treibstoffnachfrage vollständig zu befriedigen. Er fügte hinzu, dass Hunderte von Bussen aufgrund der Engpässe nicht aus den Depots ausrücken würden.

Leider erscheint es im Moment nicht möglich, die Nachfrage nach Treibstoff vollständig zu befriedigen.

Sergei Aksjonow

Das russische Energieministerium, zitiert von der staatlichen Nachrichtenagentur TASS, führte die Störungen auf „eine wachsende Zahl feindlicher Luftangriffe“ auf Treibstoff- und Energieunternehmen zurück. Vize-Premierminister Alexander Nowak räumte auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg ein, dass Russland derzeit weniger Öl produziere als ursprünglich geplant, und verwies auf außerplanmäßige Reparaturen, ohne die Ursachen zu nennen.

Krise breitet sich über die Krim hinaus aus

Was als Problem der Krim begann, hat sich auf andere Regionen ausgeweitet. Tschechische Medien berichten, dass an einigen Tankstellen in Moskau, St. Petersburg sowie in den Gebieten Moskau, Twer und Jaroslawl und sogar in Karelien nahe der finnischen Grenze Treibstoff-Kaufbeschränkungen eingeführt wurden. Die russische Regierung hat zudem ein Verbot von Kerosin-Exporten verhängt, das zunächst bis Ende November in Kraft ist.

Eskalation der Treibstoffkrise auf der Krim
  1. Ukraine beginnt anhaltende Drohnenkampagne gegen Logistik-Lkw auf dem Korridor Rostow–Mariupol–Krim
  2. Krim verhängt Kaufbeschränkung von 20 Litern Treibstoff pro Fahrzeug; Barzahlungen verboten
  3. Von Kreml eingesetzter Chef Sergei Aksjonow gibt zu, dass Treibstoffnachfrage nicht vollständig gedeckt werden kann; Hunderte Busse stehen still
  4. Ukrainischer Angriff beschädigt wichtige Brücke in Tschonhar
  5. Ukraine greift Ölwerk Semykolodezkaja auf der Krim und Ölbasis Gruschowaja bei Noworossijsk an; Treibstoffbeschränkungen treten in Moskau und St. Petersburg auf
  6. Kreml-Sprecher Peskow räumt „gewisse Probleme“ ein; Energieministerium bildet Krisenstab

Militärische Konsequenzen

Der prorussische Militäranalyse-Kanal Rybar postete auf Telegram, dass die Angriffe, die die Tankstellen für Zivilisten leeren, auch die Versorgung der Truppen im Süden beeinträchtigen. Die Logistikkrise, so Rybar, mache keinen Unterschied zwischen militärischen und zivilen Bedürfnissen. Am 7. Juni beschädigte ein ukrainischer Angriff eine wichtige Brücke in Tschonhar, was die Versorgungslage weiter verkomplizierte. In der Nacht zum Sonntag traf die Ukraine zudem das Ölwerk Semykolodezkaja auf der Krim und legte einen Brand an einer Basis, die Treibstoffreserven für das russische Militär lagert, und traf die Ölumschlagsbasis Gruschowaja bei Noworossijsk, einem der größten derartigen Knotenpunkte in Südrussland.

Simferopol · Mariupol · Rostow am Don · Noworossijsk

8 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft
Straße von Hormus