
Merz baut Kabinett um: Warken wird erste Kanzleramtschefin, Linnemann übernimmt Gesundheit
Bundeskanzler Friedrich Merz wird Gesundheitsministerin Nina Warken zu seiner Kanzleramtschefin ernennen – die erste Frau in diesem Amt in der Nachkriegszeit –, während CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann das Gesundheitsministerium übernimmt.
Der Umbau
Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach dem Rücktritt des Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn am Samstag ein umfassendes Personalpaket geschnürt. Wie am Donnerstagabend aus mehreren Medienberichten hervorging, wechselt Gesundheitsministerin Nina Warken als Kanzleramtschefin ins Kanzleramt und löst damit Thorsten Frei ab, der am kommenden Mittwoch zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt werden soll. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann übernimmt das Gesundheitsministerium, während Schatzmeisterin Franziska Hoppermann neue Parteimanagerin werden soll. Digital-Staatssekretär Philipp Amthor wechselt als Bund-Länder-Koordinator ins Kanzleramt und folgt auf Michael Meister.
Regierungssprecher Stefan Kornelius wollte die Wechsel nicht bestätigen und sagte gegenüber der AFP:
Der Kanzler wird die Personalentscheidungen bekannt geben, sobald alle offenen Punkte geklärt sind.
Merz will das Paket voraussichtlich am Freitagmorgen in Berlin vorstellen, obwohl Eingeweihte der Nachrichtenagentur Reuters sagten, er plane für Donnerstagabend noch mehrere Gespräche.
- Jens Spahn tritt als Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU zurück.
- Merz stellt Umbau-Paket fertig; Wechsel von Warken, Linnemann, Hoppermann und Amthor gemeldet.
- Merz soll Umbau öffentlich bekannt geben.
- Thorsten Frei soll zum neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt werden.
Warkens Aufstieg
Nina Warken, 47, eine Juristin aus Baden-Württemberg, ist seit 2013 Bundestagsabgeordnete und war in der vergangenen Legislaturperiode Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Fraktion. Im Mai 2025 übernahm sie als Quereinsteigerin das Gesundheitsministerium und legte schnell ein umstrittenes Spargesetz für die gesetzliche Krankenversicherung vor, das die Ausgaben im kommenden Jahr um knapp 20 Milliarden Euro senkt, um die Beitragssätze zu stabilisieren. Sie startete zudem eine Strukturreform des Gesundheitswesens und eine Pflegereform, die nach der Sommerpause ins Kabinett kommen soll.
Ihre Ernennung macht sie zur ersten Frau an der Spitze des Kanzleramts im Nachkriegsdeutschland. Merz lobte sie im April für „Mut, Urteilskraft, Ehrlichkeit und Einfühlungsvermögen“, als sie die Gesundheitsreform vorstellte. Als Vorsitzende der Frauen-Union der CDU, die 155.000 weibliche Parteimitglieder vertritt, begegnet Warken auch der Kritik, dass der engste Kreis des Kanzlers ein reiner Männerclub sei. Alle engsten Berater von Merz sind derzeit Männer: die beiden wichtigen Abteilungsleiter für Außen- und Wirtschaftspolitik, der Regierungssprecher, der scheidende Kanzleramtschef und sein Büroleiter.
Linnemanns zweite Chance
Carsten Linnemann hatte nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr ein Kabinettsamt abgelehnt und erklärt, er wolle die Partei weiter aufbauen.
Wir haben in den letzten drei Jahren hart daran gearbeitet, unsere CDU wieder aufzubauen. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Ich möchte ihn fortsetzen.
Er war als möglicher Superminister für Wirtschaft, Arbeit und Soziales im Gespräch gewesen, aber diese Fusion kam nie zustande. Nun nimmt er das Gesundheitsressort an – ein Schritt, der einen wichtigen Vertrauten von Merz nach 15 Monaten, in denen er im Schatten des Kanzlers in der Parteizentrale kaum Akzente setzen konnte, ins Kabinett bringt.
Weitere Wechsel
Franziska Hoppermann, die 44-jährige CDU-Schatzmeisterin und Bundestagsabgeordnete, soll Linnemann als Parteimanagerin nachfolgen. Philipp Amthor, derzeit Parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium, wird neuer Bund-Länder-Koordinator im Kanzleramt und löst Michael Meister ab.
Wie es weitergeht
Der Umbau wurde durch den Rücktritt von Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender am Samstag ausgelöst. Thorsten Frei, der das Kanzleramt verlässt, soll am Mittwoch von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in dieses Amt gewählt werden. Merz hatte zunächst am Mittwoch nur den neuen Fraktionsvorsitzenden vorgestellt und dies mit dem Respekt vor der Fraktion begründet. Das vollständige Paket soll nun am Freitag nach abschließenden Gesprächen vorgestellt werden.


