Russland nennt den Erreger hinter dem Tod einer jungen Laborangestellten in Irkutsk weiterhin nicht
Die russischen Behörden haben bei einer 28-jährigen Laborangestellten in Irkutsk eine Lungenpest ausgeschlossen, den Erreger aber nicht benannt. Der Fall hat zu Verurteilungen durch die Vereinigten Staaten und zu neuen Fragen über die russische biomedizinische Forschung geführt.
Was über den Tod bekannt ist
Eine 28-jährige Frau, die als Laborangestellte am Irkutsker Anti-Pest-Forschungsinstitut arbeitete, starb Anfang Oktober nach einer Lungenentzündung. Ihr Arbeitgeber, den Axios als Anti-Pest-Forschungsinstitut für Sibirien und den Fernen Osten bezeichnet, meldete zunächst, sie habe sich nach einem Laborunfall mit Lungenpest angesteckt. Die russischen Behörden haben eine Lungenpest inzwischen ausgeschlossen, aber nicht bestätigt, welcher Erreger ihre Lungenentzündung verursacht hat. Bis zum 15. Oktober, fast zwei Wochen nach ihrem Tod, blieb die Ursache für den Rest der Welt weiterhin unbekannt.
Unbestätigte Behauptungen, die in polnischsprachigen Berichten kursieren, besagen, sie habe am 25. September während einer Schicht ein Reagenzglas mit Pestbakterien zerbrochen und dies ihren Vorgesetzten nicht mitgeteilt. Diese Berichte nennen keine Quelle für die Darstellung, und keine der in der Berichterstattung zitierten offiziellen Erklärungen bestätigt sie.
- Die 28-jährige Laborangestellte stirbt nach einer Lungenentzündung, die Ursache ist noch nicht bestätigt
- WHO-Bericht: Russische Behörden fanden keine Anzeichen für Pest oder eine andere Infektionskrankheit
- Todesursache fast zwei Wochen nach ihrem Tod weiterhin unbestätigt
Abschottung und Russlands Darstellung
Russland stellte mehrere medizinische Einrichtungen unter Quarantäne und überwachte rund 200 Kontaktpersonen der Forscherin. Die Behörden teilten der Weltgesundheitsorganisation mit, die Tests dieser Kontakte hätten "keine hochgefährlichen Erreger" ergeben und das Labor habe keine Vorfälle bei der Biosicherheit verzeichnet. Russland informierte die WHO zudem, dass in der Region in jüngster Zeit kein Pestfall registriert worden sei. Ein am 10. Oktober veröffentlichter WHO-Bericht erklärte, die russischen Behörden hätten keine Anzeichen für einen Ausbruch der Pest oder einer anderen Infektionskrankheit gefunden, lieferte aber nicht genügend Details, um den Ursprung der Erkrankung der Frau zu bestimmen oder zu sagen, ob eine Exposition am Arbeitsplatz eine Rolle spielte. Die Vereinigten Staaten baten um weitere Informationen, und der Vorfall führte zu Verurteilungen durch Washington und andere Regierungen.
Das Forschungsnetz hinter dem Labor
Das Irkutsker Institut wurde in den 1930er Jahren als Pestbekämpfungsstation gegründet, um Ausbrüche einzudämmen, die die lokale Bevölkerung regelmäßig trafen. Es gehört zum sogenannten Anti-Pest-System, einem weitverzweigten und geheimen Netz, das einst Hunderte Außenstellen und Labore in der gesamten Sowjetunion betrieb. Tausende Forscher verfolgten in diesem Netz neue Peststämme und andere endemische Krankheiten, rotteten krankheitsübertragende Nagetiere aus und entwickelten Impfstoffe. Experten zufolge lieferten diese Einrichtungen auch Erregerproben an Militärlabore, die in der Sowjetära Biowaffen herstellten, obwohl das Irkutsker Institut selbst nie als militärische Einrichtung fungierte. Die meisten dieser Standorte sind noch in Betrieb, die russischen werden weiterhin streng bewacht, und einige in ehemaligen Sowjetstaaten haben ihre Türen für internationale Forscher geöffnet. Nur wenige Ausländer haben diese Labore besucht, und die sibirische Wildnis birgt zudem natürliche Erregerreservoire, darunter Flöhe, die die Pest unter Murmeltieren und Eichhörnchen verbreiten.
Offene Fragen und Lehren für die Seuchenbekämpfung
Reaktionspläne funktionieren am besten, wenn sie auf einen bestimmten Erreger ausgerichtet sind, doch dessen Identität ist zu Beginn eines Ausbruchs oft unbekannt. Ein Erreger mit Pandemiepotenzial kann natürlichen Ursprungs sein oder aus einem Labor stammen, ob durch einen Unfall oder absichtlich, und jeder Ursprung birgt das Risiko, dass das betroffene Land nicht zugibt, was geschehen ist. Gerry Parker, der im Weißen Haus das Amt des Senior Director for Biosecurity and Pandemic Response innehatte und heute als Associate Dean for Global One Health an der Texas A&M University tätig ist, zieht daraus eine klare Lehre.
Wir müssen einfach bereit sein, mit dieser Art von Unbekanntem umzugehen.
Die Quellen sagen nicht, wann Russland den Erreger hinter der Lungenentzündung der 28-jährigen Frau identifizieren wird.