
EU-Kommission stellt vorläufig fest: TikTok hat gegen DSA verstoßen – Minderjährigensicherheit, Plattform droht Geldstrafe von bis zu 6 % des weltweiten Umsatzes
Die Europäische Kommission erklärt, dass TikToks Standardeinstellungen und die Möglichkeit öffentlicher Konten Nutzer im Alter von 13 bis 17 Jahren Cybermobbing und Kontaktaufnahmen durch Raubtiere aussetzen, was gegen die Kinderschutzregeln des Gesetzes über digitale Dienste verstößt.
Vorläufige Feststellungen der EU-Kommission
Am 24. Juli 2026 hat die Europäische Kommission TikTok offiziell mitgeteilt, dass die Behandlung von Minderjährigenkonten wahrscheinlich gegen Artikel 28 des Gesetzes über digitale Dienste (DSA) verstößt. Die am 19. Februar 2024 eingeleitete Untersuchung der Kommission befasste sich damit, wie die Plattform von ByteDance die Standardeinstellungen für die Privatsphäre gestaltet. Nutzer im Alter von 13 bis 15 Jahren erhalten standardmäßig private Konten, während 16- und 17-Jährige auf öffentliche Konten umschalten können. Selbst bei privaten Profilen bleibt das Profilbild für jedermann sichtbar und ermöglicht eine Identifizierung über Follower- und Abonnement-Listen. Wenn ein Konto öffentlich ist, wird der Inhalt für Personen ohne TikTok-Konto zugänglich und kann über den „Für dich“-Feed empfohlen werden.
Minderjährige verdienen ab dem Moment, in dem sie online gehen, ein sicheres Erlebnis. Aus diesem Grund sollte ein hohes Schutzniveau kein optionales Extra, sondern die Norm sein.
Die Kommission warnt davor, dass diese Gestaltungsentscheidungen Fremden ein Fenster in das Leben eines Kindes öffnen, mit möglicherweise dauerhaften Folgen. Der Sprecher Thomas Regnier erläuterte, dass die öffentliche Voreinstellung für ältere Teenager und die leichte Auffindbarkeit von Minderjährigen über Kontenlisten die Risiken unerwünschter Kontakte, von Cybermobbing und räuberischem Verhalten verstärken.
TikToks Reaktion
TikTok antwortete, dass bereits über fünfzig voreingestellte Privatsphäre- und Sicherheitsfunktionen, die mit Branchenexperten entwickelt wurden, auf Minderjährigenkonten aktiv seien. Das Unternehmen betonte, dass die jüngsten Nutzer keine Direktnachrichten versenden könnten und ihre Inhalte nicht auf der „Für dich“-Seite platziert würden. Es beabsichtige, die vorläufigen Schlussfolgerungen zu prüfen und die konstruktive Zusammenarbeit mit Brüssel aufrechtzuerhalten.
Der Schutz Minderjähriger im Internet ist ein Ziel, das wir teilen.
Sollte der vorläufige Verstoß bestätigt werden, erlaubt das DSA der Kommission, eine Geldbuße von bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes von TikTok zu verhängen.
Hintergrund und regulatorischer Kontext
Die beanstandete Praxis ist Teil einer breiteren EU-Strategie, die Last des Kinderschutzes von Familien auf Plattformen zu verlagern. Das seit Anfang 2024 in Kraft befindliche DSA stellt sehr große Online-Plattformen unter strenge Auflagen. Im Jahr 2025 führte ein ähnlicher Fall zu einer Geldstrafe von 120 Millionen Euro für Elon Musks X. Die derzeitige Maßnahme richtet sich speziell gegen TikTok gemäß Artikel 28, der einen hohen Standard an Privatsphäre, Sicherheit und Schutz für minderjährige Nutzer fordert.
Nächste Schritte
TikTok kann nun die Verfahrensakte einsehen und Stellungnahmen abgeben, bevor die Kommission eine endgültige Entscheidung trifft. Es wurde keine Frist bekannt gegeben, aber die Brüsseler Exekutive betonte, dass die vorläufigen Feststellungen bereits auf eine ernsthafte Kluft zwischen dem Design der Plattform und den gesetzlichen Anforderungen hindeuten.
- Die Europäische Kommission leitet ein formelles Verfahren gegen TikTok wegen der Gestaltung und Handhabung von Minderjährigenkonten im Rahmen des Gesetzes über digitale Dienste ein.
- Die Kommission gibt vorläufige Feststellungen bekannt, stellt TikToks Einhaltung von Artikel 28 infrage und warnt, dass die Einstellungen Kinder Risiken aussetzen.

