
Greta Thunberg schließt sich Protesten französischer Gymnasialschüler gegen marode Schulen in Saint-Denis an
Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg hat sich am Dienstag, dem 13. Oktober, Hunderten Schülern angeschlossen, die vor einem Gymnasium in Saint-Denis protestierten, während die Blockaden in ihre vierte Woche gingen. Die Proteste fordern mehr Mittel für marode Schulen.
Thunberg schließt sich dem Protest an
Greta Thunberg hat sich am Dienstag, dem 13. Oktober, Hunderten Jugendlichen angeschlossen, die vor dem Gymnasium Paul Éluard in Saint-Denis nördlich von Paris demonstrierten. Die 23-jährige schwedische Klimaaktivistin applaudierte den Schülern, während die Polizei den Protest überwachte. AP berichtet, dass Lehrkräfte und Schüler der Schule seit Langem über heruntergekommene Einrichtungen und sogar Rattenbefall klagen.
Thunberg sagte, die französischen Schüler wehrten sich und holten sich ihre Zukunft zurück, die ihnen genommen worden sei, und sie seien ein Vorbild für junge Menschen in anderen Ländern. Ihr Auftritt erfolgte nach mehr als drei Wochen Blockaden und Demonstrationen vor Schulen, und AP berichtet, dass die Bewegung trotz Massenverhaftungen und zunehmender Verletzungen nicht an Schwung verloren hat.
Die internationale Gemeinschaft sieht diese Schüler, und sie gehen mit gutem Beispiel voran.
Thunberg sagte außerdem, junge Menschen sollten die Dinge selbst in die Hand nehmen, wenn Erwachsene sie nicht schützten.
Natürlich werden sich die Menschen wehren.
Deutschsprachigen Berichten zufolge warf Thunberg der französischen Polizei zudem extrem gewaltsames Vorgehen gegen die jungen Demonstranten vor.
Was an diesem Tag geschah
Die Schüler blockierten am Dienstag landesweit Gymnasien, und für den Nachmittag waren Demonstrationen in Paris und anderen großen Städten geplant, an denen sich auch Bildungsgewerkschaften beteiligten. Ein Online-Aufruf zu einer nicht genehmigten Demonstration vor dem Büro von Premierminister Sébastien Lecornu in Paris verbreitete sich in den sozialen Netzwerken.
- Macron äußert sich am Rande der Automobilmesse zu den Protesten und ruft zu einer friedlichen und geordneten Mobilisierung auf
- Innenministerium meldet 30.000 Menschen bei Schulprotesten und 21.000 bei Märschen
- Demonstrationen in Paris und anderen großen Städten geplant, Bildungsgewerkschaften beteiligen sich
In Nantes setzte die Polizei am Ende einer Kundgebung Tränengas ein. In Lyon ging die Polizei gegen eine Gruppe schwarz gekleideter Randalierer am Rand eines Marsches vor, an dem sich laut newsORF etwa 11.000 Menschen beteiligten. In Paris applaudierten Passanten den Schülern, und Busse hupten zur Unterstützung.
Ausmaß und Beeinträchtigungen
Die Zahlen zu den blockierten Schulen variieren je nach Quelle. NewsORF berief sich am 13. Oktober auf das Bildungsministerium mit 214 landesweit blockierten Gymnasien, während Der Standard nach Regierungsangaben von etwa 200 berichtete und Focus nach vorläufigen Mittagszahlen des Ministeriums von mehr als 200. Das Ministerium erklärte, die Unterstützung schwinde und nur wenige Beschäftigte im Bildungsbereich seien dem Streikaufruf gefolgt. Laut Handelsblatt traten am Dienstag fast 5 Prozent der Lehrkräfte in den Streik.
Das Innenministerium meldete am Mittag, 30.000 Menschen beteiligten sich an Protestaktionen an Schulen und 21.000 an den bereits gestarteten Märschen.
- Schulproteste
- 30000 Personen
- Märsche
- 21000 Personen
Forderungen und Missstände
Die Schüler fordern eine bessere Ausstattung der Schulen, mehr Lehrkräfte, Vertretungslehrkräfte für den Ausfallunterricht, Reparaturen an Gebäuden mit zerbrochenen Fenstern und herabstürzenden Decken sowie weniger überfüllte Stundenpläne. Handelsblatt berichtet unter Berufung auf eine Analyse von Le Monde, dass Oberstufenschüler in Frankreich mehr als 1.220 geplante Unterrichtsstunden haben, mehr als in anderen europäischen Ländern. Das Bildungsministerium gibt an, dass 10 Prozent des Unterrichts ausfallen.
Vom Handelsblatt zitierte OECD-Zahlen beziffern das durchschnittliche Lehrergehalt in Frankreich auf knapp 42.000 Euro, verglichen mit knapp 70.000 Euro in Deutschland. Ein vom Handelsblatt zitierter 15-jähriger Schüler sagte, Verteidigung und andere Haushaltsposten erhielten so viel Geld, dass die Schüler zurückblieben. Die Nationalversammlung debattiert seit Dienstag über den Haushalt des kommenden Jahres mit geplanten Einsparungen von mehr als 50 Milliarden Euro, von denen der Verteidigungshaushalt ausgenommen ist.
Der Soziologe Vincent Tiberj von Sciences Po sagte dem Point, junge Menschen würden von einer tieferen Unruhe getrieben, die mit ihrer Zukunft zusammenhänge, weil in Frankreich fast ihr gesamtes Schicksal zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr durch ein Auswahlverfahren entschieden werde, in dem jeder mit jedem konkurriere.
Regierung und Politik
Präsident Emmanuel Macron äußerte sich am Montag, dem 12. Oktober, am Rande der Automobilmesse zu den Protesten und sagte, sie müssten friedlich und geordnet bleiben und sowohl Menschen als auch Eigentum respektieren. Der Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon nahm am Dienstag an den Demonstrationen in Paris teil. Seine Partei La France Insoumise wird beschuldigt, die Proteste der Schüler politisch auszunutzen und die Konfrontationen mit der Polizei zu verschärfen.
Berichten zufolge hofft die Regierung, dass die Bewegung mit dem Näherrücken der Schulferien nachlässt.


