Thüringen verzeichnet 47 Waldbrände bis August, Fichtenanteil sinkt auf 31%
Die Landesforstanstalt Thüringenforst verzeichnete zwischen März und August 2026 47 Waldbrände auf 11,4 Hektar, was den jährlichen Durchschnitt von 28 Bränden übersteigt, da wiederkehrende Trockenperioden die einheimischen Baumarten belasten.
Überdurchschnittliche Waldbrandzahlen
Das offizielle Waldbrandüberwachungsfenster im deutschen Bundesland Thüringen öffnet am 1. März und endet am 31. Oktober. Zwischen März und August 2026 registrierte die Landesforstverwaltung 47 Waldbrände in der Region, die eine Gesamtfläche von 11,4 Hektar verbrannten. Historische Aufzeichnungen seit Beginn der systematischen Datenerhebung im Jahr 1993 beziffern den langjährigen Jahresdurchschnitt auf 28 Brände und 10 verbrannte Hektar pro Jahr. Im entsprechenden Sechsmonatszeitraum des Jahres 2025 verzeichneten die Behörden ebenfalls 47 einzelne Brände, diese Feuer verzehrten jedoch insgesamt 85,6 Hektar. Mehr als 80 Hektar dieser Brandfläche von 2025 gingen auf einen einzigen Großbrand zurück, der sich über die Saalfelder Höhe ausbreitete.
Horst Sproßmann, der Sprecher des Landesforstbetriebs Thüringenforst, bewertete das Brandaufkommen des Jahres 2026 im Vergleich zu den historischen Basisdaten.
Das Jahr 2026 kann bereits als überdurchschnittlich bezeichnet werden, was die Anzahl der Waldbrände von März bis August betrifft.
- Jahresdurchschnitt (seit 1993)
- 28
- März–August 2025
- 47
- März–August 2026
- 47
Rückgang der Fichtenbestände
Die letzten Monate in Thüringen waren von längeren Trockenphasen und intensiven Hitzewellen geprägt, was die kumulierten Umweltbelastungen mehrerer trockener Jahre noch verstärkte. Die Gemeine Fichte hat sich unter diesen veränderten klimatischen Bedingungen als die anfälligste Baumart erwiesen. Im Zehn-Jahres-Inventarzeitraum von 2012 bis 2022 sank der Fichtenanteil in den Thüringer Wäldern von 38% auf 31% des gesamten Waldbestands. Die Landesforstbehörde identifizierte die Fichte formell als die führende Baumart, die im Bundesland unter dem Klimawandel an Boden verliert. Im Gegensatz dazu haben sich alternative einheimische Laubbaumarten besser an erhöhte Temperaturen und Feuchtigkeitsdefizite angepasst, darunter verschiedene Eichenarten, Winterlinde und Feldahorn.
- 2012
- 38 %
- 2022
- 31 %
Kumulativer Stress für einheimische Baumarten
Wiederholte Dürreperioden haben die Vitalität fast aller in Thüringer Wäldern vorkommenden einheimischen Baumarten verringert. Während Fichte und Rotbuche in Thüringen und den Nachbarbundesländern die stärkste physiologische Degradation erfahren, hat auch die Gemeine Kiefer in einigen Gebieten spürbare Gesundheitsprobleme entwickelt. Thüringenforst erklärte, dass mehrjährige aufeinanderfolgende Feuchtigkeitsdefizite die Baumphysiologie so stark schwächen, dass ein darauffolgendes Jahr mit vergleichsweise hohen Niederschlägen die Grundgesundheit nicht abrupt wiederherstellen kann. Waldbestände benötigen längere Erholungsphasen, um nach mehreren Jahren anhaltender Dürre ihre Widerstandsfähigkeit wiederzuerlangen.
Borkenkäferdynamik und Schädlingsdruck
Anhaltend hohe Sommertemperaturen verändern direkt die Fortpflanzungszyklen und die Verbreitung von Waldschädlingen, insbesondere des Fichtenborkenkäfers. Warmes Wetter ermöglicht dem Käfer eine schnellere Vermehrung, was zu einem rascheren Populationswachstum in den wärmsten Monaten des Jahres führt. Gleichzeitig können durch anhaltende Hitze und Wassermangel geschwächte Fichten keine wirksamen natürlichen Abwehrkräfte gegen Käferbefall aufbauen. Trotz dieser erhöhten Risikofaktoren meldete die Landesforstanstalt, dass sich die lokale Borkenkäfersituation in den Thüringer Wäldern entspannt hat. Gleichzeitig deuten forstliche Überwachungsdaten darauf hin, dass die Lage in Bezug auf einen anderen Waldschädling weiterhin vergleichsweise angespannt ist.


