Theater der Welt 2026: Chemnitz gastiert internationales Theaterfestival mit über 30 Produktionen und Fokus auf indigene Stimmen
Vom 18. Juni bis 5. Juli 2026 wird Chemnitz zur Bühne für Theater der Welt, eines der bedeutendsten internationalen Theaterfestivals Deutschlands, mit über 30 Produktionen, einem Fokus auf indigene Stimmen und kostenlosen Familienveranstaltungen.
Eine Welt des Theaters in Chemnitz
Das alle drei Jahre stattfindende Festival Theater der Welt eröffnet seine Ausgabe 2026 in Chemnitz und läuft vom 18. Juni bis 5. Juli. Mehr als 30 Produktionen aus aller Welt werden an Spielstätten wie der Oper Chemnitz, der Hartmannfabrik (einem Erbe der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025), dem Spinnbau und dem Theaterplatz aufgeführt. Das Festival wird vom deutschen Zentrum des Internationalen Theaterinstituts organisiert und von neun internationalen Kuratoren kuratiert.
Split Tooth: Saputjiji erzählt von einer Heranwachsenden, die geprägt wird von der übermächtigen Natur und der sich auflösenden indigenen Gemeinschaft.
Die Eröffnung in der Oper präsentiert die deutsche Erstaufführung von Tanya Tagags Musiktheaterstück „Split Tooth: Saputjiji“, das Inuit-Kehlkopfgesang einbezieht und eine Coming-of-Age-Geschichte in der Arktis erzählt. Weitere Höhepunkte sind die Pop-Oper „Nkoli: A Fierce & Fabulous Life“ über den südafrikanischen Anti-Apartheid- und Schwulenrechtsaktivisten Simon Nkoli sowie „Blur“, eine immersive Produktion, die Besucher durch künstliche Welten bewegen lässt.
Indigene Perspektiven im Mittelpunkt
Ein erklärter Schwerpunkt des diesjährigen Festivals liegt auf indigenen Stimmen. Neben Tagags Werk werden Mitglieder des Nukak-Volkes aus dem Amazonasgebiet an der immersiven Theaterproduktion „Vortex Nukak“ teilnehmen. Das Stück „Kuste“ untersucht, wie moderne Infrastrukturprojekte die Ainu-Gemeinschaft im Norden Japans beeinflussen. Das indonesische Figurentheater „Stream of Memory“, das den Riesen Kali als Hüter der Erinnerung präsentiert, ist für Familien konzipiert und kommt ganz ohne gesprochene Worte aus.
Literarische Adaptionen und transkulturelle Koproduktionen
Das Programm greift stark auf Weltliteratur zurück. Der südafrikanische Regisseur Phala Ookeditse Phala und der Schauspieler Tony Bonani Miyambo nehmen sich Kafkas „Ein Bericht für eine Akademie“ in „Kafka's Ape“ an. Eine deutsch-chinesische Koproduktion mit dem Titel „Luftmasse“ adaptiert Alfred Döblins Roman „Berge, Meere und Giganten“ mit einem visuellen Konzept von Ai Weiwei. Aus Tschechien kommt „Amadoka“, basierend auf Sofia Andruchowytschs Trilogie, die ein Jahrhundert ukrainischer Geschichte durch drei Frauen verfolgt.
Kostenloser Eintritt und Familienprogramme
Mehrere Veranstaltungen sind eintrittsfrei, darunter das französische Figurentheaterstück „La Boule Bleue“ mit einem riesigen blauen Ball auf dem Theaterplatz und die Tanzperformance „Shintai to Shintai“ der japanischen Choreografin Yoko Ando in der Hartmannfabrik. Eine Videoinstallation, „In a Strange Place“, zeigt auf neun kreisförmig angeordneten Bildschirmen im Spinnbau Menschen, die im Wald wiederholte Aufgaben verrichten. Für Familien lädt das australische Polyglot Theatre in der partizipativen Performance „Paper Planet“ dazu ein, aus Pappe eine Fantasiewelt zu bauen.
Schauspielhaus wird zur temporären Kunstgalerie
Parallel zum Theater der Welt bespielt das Kunstfestival „Begehungen“ das leerstehende Schauspielhaus der Stadt. Das Gebäude von 1980 steht seit Jahren leer, die Sanierungskosten sind explodiert, seine Zukunft ist ungewiss. Unter dem Titel „In der Vorstellung“ wird der Ort in eine Galerie für zeitgenössische Kunst verwandelt, die Werke von Künstlern wie Hito Steyerl, Jana Gunstheimer, Cindy Sherman, Danica Dakić und Martina Pinosa zeigt.


