Floridis und Velopoulos geraten im Parlament über Tempi-Knochen und Betrugsvorwürfe aneinander
Justizminister Giorgos Floridis und der Vorsitzende von Elliniki Lysi, Kyriakos Velopoulos, haben am 15. Oktober in der griechischen Volksvertretung während einer Plenardebatte über einen Gesetzentwurf des Justizministeriums gegenseitige Vorwürfe erhoben. Im Mittelpunkt des Schlagabtauschs stand die Eisenbahnkatastrophe von Tempi, während der Prozess zu dem Unglück läuft.
Ein Schlagabtausch über den Fall Tempi im Parlament
Justizminister Giorgos Floridis und Kyriakos Velopoulos, Vorsitzender von Elliniki Lysi, sind am 15. Oktober in der griechischen Volksvertretung während der Plenardebatte über einen Gesetzentwurf des Justizministeriums aneinandergeraten, der einen Kodex für alternative Streitbeilegung und weitere Bestimmungen schaffen soll. Im Mittelpunkt des Schlagabtauschs stand die Eisenbahnkatastrophe von Tempi, während der Prozess zu dem Unglück läuft. Velopoulos kritisierte den Umgang der Regierung mit dem Fall und griff Floridis persönlich an. Floridis entgegnete, die Verschwörungstheorien seien schon früher erhoben worden und in sich zusammengefallen, und bezeichnete Velopoulos als ihren Urheber.
Die Fotos der Knochen
Velopoulos sagte, etwa 200 Knochen, die in den Trümmern bei Koulouri und Pantremeno gefunden worden seien, würden in Kartons neben dem Büro des Ermittlungsrichters Sotiris Bakaimis aufbewahrt. Er trug Fotografien der sterblichen Überreste zu den Regierungsbänken und erklärte, er werde sie dem Minister übergeben. Einer der Funde sei nach seinen Angaben eine Hand gewesen, die ein verbranntes Mobiltelefon gehalten habe, und er verwies auf den Verlust eines Freundes bei der Katastrophe. Er präsentierte das Material als Beweis für das, was er eine Räumung der Trümmer an einem Tatort nannte. Laut To Vima rief er zudem außerhalb des Mikrofons dazwischen: „Sie sollten sich schämen.“
Floridis zu den Behauptungen über drei Waggons und Xylol
Floridis sagte, die Behauptungen über drei fehlende Waggons, 53 vermisste Fahrgäste und Xylol seien in sich zusammengefallen. Er verwies auf Gutachten griechischer und ausländischer polytechnischer Hochschulen, die nach seinen Worten zeigten, dass der Xylol-Betrug nie existiert habe. In seiner Zusammenfassung sagte er, es habe Betrug gegeben, aber überhaupt kein Xylol. Die ganze Kampagne bezeichnete er als Täuschung von Anfang bis Ende.
Es war ein Betrug von Anfang bis Ende.
Floridis behauptete zudem eine Verschwörung mit Unterstützung aus einem ausländischen Staat, an der 50.000 Fake-Accounts beteiligt gewesen seien. Er sagte, nachdem die Zentren, die diese Accounts produzierten, getroffen worden seien, habe die Unterstützung rechtsextremer Parteien in ganz Europa aufgehört. Er fügte hinzu, die Kampagne habe Millionen Menschen auf die Straße getrieben, die geglaubt hätten, die Regierung versuche etwas zu vertuschen.
Die Beweisfrage und das Gericht
Floridis sagte, da die Fotografien nach eigener Darstellung aus dem Büro des Ermittlungsrichters stammten, handele es sich um Material aus den Ermittlungen. Er fragte, wie der Prozess durch dieses Material behindert worden sei, und forderte Velopoulos auf, der Justiz alle Beweise vorzulegen, die er für wichtig halte. Er fragte auch, warum Velopoulos nicht vor Gericht erscheine, um sie zu präsentieren. Alexandros Kazamias, Abgeordneter von Plefsi Eleftherias, schaltete sich in die Debatte ein und sagte, es sei autoritär, die Tempi-Proteste der Bürger als angestiftet zu behandeln. Floridis erklärte, der Prozess habe begonnen und werde fortgesetzt, die Beweise würden ans Licht kommen und die Gerichte würden entscheiden.
Die Antwort von Velopoulos
Velopoulos antwortete mit der Frage, warum Russland ohne Grund hineingezogen werde. In seiner Schlussantwort sagte er, der Minister solle zurücktreten, und bezeichnete Floridis im selben Atemzug als politischen Betrüger. Er sagte außerdem, die Geschichte werde Floridis als einen Minister verzeichnen, der in Griechenland gedient habe.
Heute haben Sie sich wie ein gewöhnlicher politischer Betrüger verhalten. Wegen dem, was Sie jetzt sagen, hätten Sie zurücktreten müssen.
Der Schlagabtausch endete ohne Änderung des Gesetzentwurfs, und die Berichte nennen keine Abstimmung und keinen Beschluss, die aus der Auseinandersetzung hervorgegangen wären. Der Prozess zur Tempi-Katastrophe bleibt das Forum, in dem nach den Worten von Floridis die Beweise gewürdigt werden sollen.