Tempelhofer Feld in Berlin wird zum Brennpunkt der Wohnungskrise – vor der Septemberwahl
Ein Referendum von 2014, das das Tempelhofer Feld in Berlin als Freifläche erhalten hat, gerät nun in Konflikt mit der akuten Wohnungsnot der Stadt – und zwingt die Parteien, vor der Landtagswahl am 20. September Position zu beziehen.
Ein Feld mit Geschichte
Das Tempelhofer Feld ist eine 300 Hektar große Fläche im Herzen Berlins, eine der größten innerstädtischen Freiflächen Europas. Es erstreckt sich über die Bezirke Neukölln, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg, mit rund 230 Hektar Grasland, das noch von den alten Startbahnen geprägt ist. Ursprünglich ein preußischer Exerzierplatz, wurde das Gelände Anfang des 20. Jahrhunderts zum Flughafen. Während der Berliner Luftbrücke 1948/49 diente es als lebenswichtiges Versorgungsdrehkreuz für das blockierte West-Berlin und verankerte sich so im kollektiven Gedächtnis der Stadt. Der Flughafen wurde 2008 geschlossen, das Gelände zwei Jahre später für die Öffentlichkeit geöffnet. Seither strömen Berliner bei schönem Wetter zum Grillen, Joggen, Skaten, Urban Gardening und Open-Air-Konzerte auf das Feld, auch wenn die weite Fläche im Winter oft fast leer steht. Das denkmalgeschützte Flughafengebäude bleibt eines der größten Gebäude Europas.
- Umwandlung von einem preußischen Exerzierplatz in einen Flughafen
- Drehkreuz der Berliner Luftbrücke während der sowjetischen Blockade
- Flughafen geschlossen
- Als Erholungsgebiet für die Öffentlichkeit geöffnet
- Referendum verbietet jede Bebauung
- Debatte um Randbebauung dominiert den Landtagswahlkampf
Das Referendum von 2014 und steigender Wohnungsdruck
2014 führte ein landesweites Referendum zu einem Gesetz, das jede Bebauung des Feldes verbietet und seine Erhaltung als Freifläche vorschreibt. Dieses Gesetz gilt weiterhin. Doch die Berliner Wohnungskrise hat sich seither verschärft und setzt das Gesetz unter Druck. Jüngste Umfragen deuten darauf hin, dass eine Mehrheit der Berliner inzwischen zumindest eine teilweise Bebauung der Ränder befürwortet. Jede Änderung würde erfordern, dass das Berliner Abgeordnetenhaus das Gesetz von 2014 formell ändert.
Der Senatsplan zur Randbebauung
Die derzeitige Berliner Regierung, eine Koalition aus CDU und SPD, verfolgt ein Konzept, das sie „moderate Randbebauung“ nennt. Der Plan zielt auf schmale Streifen entlang der Außengrenzen des Feldes, insbesondere entlang des Tempelhofer Damms und der Oderstraße, für dichten Wohnungsbau. Architekten haben fünf- bis siebengeschossige Gebäude entworfen, die nur die Ränder bebauen, während die zentralen Wiesen unberührt bleiben. Der Vorschlag besteht auf einem hohen Anteil geförderter Wohnungen, klimaneutralen Baustandards und platzsparendem Design. Ein Ideenwettbewerb skizzierte eine Vision von bis zu 20.000 Wohnungen.
Die unnachgiebige Haltung der 100%-Initiative
Die Gruppe „100 % Tempelhofer Feld“, die das Referendum von 2014 konzipiert und vorangetrieben hat, lehnt jede Form der Bebauung kategorisch ab. Sie warnt davor, dass selbst eine moderate Randbebauung einen Präzedenzfall schaffen würde, der die Freifläche mit der Zeit schrumpfen ließe. Die Initiative propagiert eine alternative Vision: den Ausbau von Gemeinschaftsgärten, Sportanlagen und kulturellen Angeboten ohne dauerhafte Bauten, um das Feld vollständig unbebaut zu erhalten.
Die Septemberwahl als Entscheidungspunkt
Die Landtagswahl am 20. September 2026 hat die Tempelhof-Frage in den Mittelpunkt des Wahlkampfs gerückt. Die Parteien stehen nun vor der klaren Wahl, das Gesetz zu ändern, um eine teilweise Bebauung zu ermöglichen, oder die Entscheidung von 2014 zu verteidigen. Wie Berlin wählt, wird wahrscheinlich darüber entscheiden, ob das Feld unberührt bleibt oder Tausende neuer Wohnungen beherbergt.

