
SVP legt in Glarus und Graubünden zu und kehrt nach 18 Jahren in die Bündner Regierung zurück
Die Schweizerische Volkspartei (SVP) hat am Sonntag in Glarus und Graubünden klare Erfolge erzielt. Sie gewann Sitze in beiden Kantonsparlamenten. In Graubünden sicherte sich Valérie Favre Accola erstmals seit 2008 wieder einen Exekutivsitz für die SVP.
Die Wähler in den Ostschweizer Kantonen Glarus und Graubünden bescherten der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) bei den Wahlen vom 14. Juni 2026 deutliche Zugewinne. Die Ergebnisse festigen die parlamentarische Vorherrschaft der SVP und markieren nach 18 Jahren ihre Rückkehr in eine Kantonsregierung.
Glarus: SVP baut Mehrheit im Landrat aus
Im 60-sitzigen Glarner Landrat legte die SVP sechs Sitze zu und erreicht nun 24, womit sie ihre Position als stärkste Kraft festigt. Die FDP verlor einen Sitz, bleibt aber mit 10 Sitzen die zweitstärkste Partei. Die Mitte erlitt die schwersten Verluste und büßte drei Sitze auf neun ein. Die SP und die Grünen halten nach Verlusten von je zwei Sitzen nun bei sechs, während die Grünliberalen (GLP) ihr Ergebnis von drei auf fünf Sitze steigerten.
Zwei prominente Politiker verpassten die Wiederwahl. Hans Jenny, Fraktionschef der FDP, und Hans Schubiger, Mitte-Präsident im Kanton, gehören dem Landrat nicht mehr an. Insgesamt bewarben sich 396 Kandidaten auf die 60 Sitze, ähnlich viele wie bei den Wahlen 2022.
Bündner Exekutive: Favre Accola beendet die Durststrecke der SVP
Die fünfköpfige Bündner Regierung hat mit Valérie Favre Accola (SVP) ein neues Mitglied, das mit der fünfthöchsten Stimmenzahl gewählt wurde. Die 53-jährige amtierende Kantonsratspräsidentin und Vizestadtpräsidentin von Davos erhielt 32'141 Stimmen und lag damit rund 7'200 Stimmen vor der sechstplatzierten Kandidatin Nora Saratz Cazin (GLP). Ihr Sieg bringt die SVP erstmals seit 2008 wieder in die Exekutive, als die Partei ihren Sitz im Zuge der Abspaltung der BDP verlor.
Alle vier amtierenden Regierungsräte wurden problemlos wiedergewählt. Finanzdirektor Martin Bühler (FDP) führte mit 42'299 Stimmen, gefolgt von Volkswirtschaftsdirektor Marcus Caduff (Mitte, 40'153), Baudirektorin Carmelia Maissen (Mitte, 34'519) und Justizdirektor Peter Peyer (SP, 32'856). Peyer hatte kurz vor der Wahl negative Schlagzeilen wegen der Misox-Mafia-Affäre verursacht. Die Mitte stellt nun nur noch zwei der fünf Sitze und verlor ihre absolute Mehrheit.
Das Ergebnis ist historisch: Erstmals amtieren zwei Frauen gemeinsam in der Bündner Regierung. Favre Accola ist erst die vierte Frau, die in die Kantonsexekutive einzieht, nach Maissen, Eveline Widmer-Schlumpf und Barbara Janom Steiner.
Bündner Parlament: SVP wird stärkste Kraft
Die eigentliche Überraschung brachten die Wahlen zum 120-sitzigen Grossen Rat. Die SVP gewann 10 Sitze hinzu, stieg auf 35 und überholte die Mitte als stärkste Fraktion. Die Mitte verlor sechs Sitze und fiel auf 28 zurück. Die FDP gab vier Sitze ab (nun 23), die SP verlor fünf und kommt noch auf 20 Mandate. Die Grünen, die erstmals eigenständig antraten, gewannen fünf Sitze und erreichten sieben, womit sie eine eigene Fraktion bilden können. Die GLP hielt ihre sieben Sitze. Insgesamt behielt die Linke gleich viele Sitze wie vor vier Jahren – die Verluste der SP wurden durch die Gewinne der Grünen ausgeglichen.
- SVP
- 35 Sitze
- Mitte
- 28 Sitze
- FDP
- 23 Sitze
- SP
- 20 Sitze
- Grüne
- 7 Sitze
- GLP
- 7 Sitze
Rekordverdächtige 522 Kandidaten bewarben sich auf die 120 Sitze, gegenüber 491 im Jahr 2022. Es war die zweite Wahl nach dem damals eingeführten Doppelproporz, der die politischen Kräfteverhältnisse weiterhin neu ordnet.
Breiterer Kontext
Der Erfolg der SVP in Graubünden wurde durch ihre starke Stammwählerschaft (rund 31 Prozent des Elektorats), die Skepsis der Bevölkerung gegenüber der Einwanderung und Favre Accolas Kampagne gegen neue EU-Abkommen befeuert. Ihr Ehemann ist der ehemalige Skirennfahrer Paul Accola. In Glarus bleibt der Landrat bürgerlich dominiert, die SVP musste keine Amtsverluste hinnehmen und erreichte ihr Ziel, den Vorsprung auszubauen, mühelos.
Der Glarner Landrat unterscheidet sich von den meisten Kantonsparlamenten: Er besitzt keine eigenständige Gesetzgebungskompetenz, die bei der Landsgemeinde liegt. Seine Aufgabe ist die Aufsicht über Regierung, Verwaltung und Gerichte sowie die Vorbereitung von verfassungs- und gesetzesändernden Vorlagen für die Landsgemeinde.


