Kurz gefasst
Das Koordinationstreffen vom 21. Oktober brachte keine neuen Initiativen und keine Beschlüsse; Armee und RSF blieben fern. Die Angaben zur Teilnahme reichten von 26 Ländern oder Delegationen bis zu rund 80 Vertretern.
Am Montag, 19. Oktober, traf eine Drohne einen Markt in Abyei. Die lokalen Behörden nennen mindestens 153 Tote; die Armee, der die Tat angelastet wird, hat sich nicht geäußert.
Das UN-Menschenrechtsbüro erklärt, in den ersten sechs Monaten des Jahres seien mehr als 1.100 Menschen getötet worden, weil der Einsatz von Drohnen den Krieg verändert habe.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk gibt an, seit Beginn der Kämpfe im April 2023 seien rund 14 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen worden; die Vereinigten Arabischen Emirate gelten als Waffenlieferant der RSF.
- April 2023Kämpfe zwischen Armee und RSF beginnen
- 19.10.Drohnenangriff auf einen Markt in Abyei, nach Angaben lokaler Behörden mindestens 153 Tote
- 21.10.Genfer Koordinationstreffen endet ohne neue Initiativen
Genfer Treffen endet ohne neue Initiativen
Die Vereinten Nationen und die Schweiz richteten am Mittwoch, 21. Oktober, in Genf ein Koordinationstreffen aus, um den Friedensprozess im Sudan wiederzubeleben. Es war bereits das sechste Treffen dieser Art. Die Angaben zur Teilnahme gehen auseinander: 26 Länder oder Delegationen, 27 Delegationen oder rund 80 Vertreter von Regierungen und Organisationen. Unter den Anwesenden waren die Vereinigten Staaten, China, Deutschland, Ägypten, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie die Afrikanische Union, die Europäische Union und die Arabische Liga. Das Treffen brachte weder eine gemeinsame Erklärung noch neue Initiativen hervor. Erhoffte Ergebnisse – etwa eine gemeinsame Erklärung zu abgestimmtem Vorgehen oder Druck auf die Kriegsparteien, humanitäre Hilfe zuzulassen – blieben aus. Der Schweizer Diplomat Tim Enderlin schloss die Sitzung mit einem Appell zur Zusammenarbeit:
„Wir müssen zusammenarbeiten, zum Wohl des sudanesischen Volkes.“
Kriegsparteien bleiben fern
Weder die sudanesische Armee noch die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) nahmen teil, auch die Zivilgesellschaft fehlte – eine Entscheidung, die die Organisatoren akzeptierten. Erklärtes Ziel war es, bestehende Vermittlungskanäle zu koordinieren, eine Aufgabe, die die Kriegsparteien selbst nicht leisten können. Beide Seiten setzen weiterhin auf einen Sieg auf dem Schlachtfeld oder darauf, ihre Position vor etwaigen Gesprächen mit Gewalt zu verbessern. Pekka Haavisto, der persönliche Gesandte des UN-Generalsekretärs für den Sudan, sagte zu Beginn des Treffens:
„Der Krieg muss enden.“
Haavisto bezeichnete das Ergebnis angesichts der katastrophalen Lage im Land als kleine Schritte. Er sagte zudem, die durch den Konflikt verursachte Zerstörung der Umwelt sei bei dem Treffen erstmals zur Sprache gekommen.
Drohnenangriff auf Markt in Abyei
Am Montag, 19. Oktober, traf eine Drohne einen Markt in Abyei, einer Grenzregion, die Sudan und Südsudan seit der Unabhängigkeit des Südsudan 2011 beide beanspruchen und die eine UN-Interimsmission überwacht. Die lokalen Behörden nennen mindestens 153 Tote, ein anderer Bericht mindestens 150. Ein nahe gelegenes Treibstoffdepot wurde ebenfalls getroffen und geriet in Brand, viele Einwohner wurden aus der Stadt vertrieben. Frühere Medienberichte hatten von Dutzenden Toten gesprochen. Einem Bericht zufolge nutzt die RSF die ölreiche Region als rückwärtige Basis. Die lokalen Behörden machen die sudanesische Armee für den Angriff verantwortlich; die Armee hat sich nicht geäußert. Beide Kriegsparteien beschuldigen sich gegenseitig von Angriffen, und in derselben Woche wurden Angriffe nahe dem Flughafen von Khartum gemeldet.
Dreieinhalb Jahre Krieg
Die Kämpfe zwischen Armee und RSF dauern seit April 2023 an, es geht um Macht und wirtschaftliche Interessen. Die Angaben zu den Toten gehen auseinander: Medienberichte sprechen von Zehntausenden Getöteten, ein Bericht nennt mehr als 200.000. Das UN-Flüchtlingshilfswerk gibt an, dass rund 14 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen wurden, ein Bericht zählt mehr als 12 Millionen Menschen auf der Flucht. Das UN-Menschenrechtsbüro erklärt, der Einsatz von Drohnen, der die Kämpfe in diesem Jahr verändert habe, habe in den ersten sechs Monaten des Jahres mehr als 1.100 Menschen getötet. Helfer haben zunehmend Schwierigkeiten, Menschen in Not zu erreichen; Berichte beschreiben sexuelle Gewalt, Massaker und Entführungen. Hunger und fehlende medizinische Versorgung halten an, während große Summen in Waffen fließen; die Vereinigten Arabischen Emirate gelten als Waffenlieferant der RSF.