
Spanische Onkologie-Studie findet Übergewicht bei 57,8 % der Krebspatienten
Erste Ergebnisse des in Madrid vorgestellten Registers FOBEyCAN zeigen, dass 23,6 % der Krebspatienten adipös sind; SEOM-Onkologen fordern, die Erfassung der Körperzusammensetzung in die klinische Versorgung zu integrieren.
Ergebnisse der FOBEyCAN-Studie
Die Spanische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (SEOM) stellte am 30. September 2026 im Rahmen ihres Jahreskongresses in Madrid die ersten Ergebnisse der FOBEyCAN-Studie vor. Das Projekt mit dem Titel „Fotografía de Obesidad y Cáncer en España: análisis de la situación del exceso de peso en pacientes diagnosticados de cáncer“ wurde von der Arbeitsgruppe für Adipositas, Stoffwechsel und Krebs der SEOM entwickelt. Die Initiative soll die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Krebspatienten in ganz Spanien ermitteln. Dieser erste Auswertungsstand umfasst Patientendaten, die bis September 2026 erhoben wurden, und bezieht 1.333 Personen aus 29 medizinischen Zentren ein. Das Durchschnittsalter der eingeschlossenen Patienten beträgt 65 Jahre. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass 57,8 % der Patienten mit einer Krebsdiagnose Übergewicht haben und 23,6 % die klinischen Kriterien für Adipositas erfüllen.
- Alle Patienten
- 23.6 %
- Alter 60–69
- 30 %
- Frauen
- 24 %
- Männer
- 21 %
Demografische und tumorbezogene Unterschiede
Die Gewichtsverteilung im Register variiert je nach Patientengruppe und Tumorart. Adipositas war bei Frauen mit 24 % etwas häufiger als bei Männern mit 21 %. Umgekehrt betraf das gesamte Übergewicht, also Übergewicht und Adipositas zusammen, 61 % der männlichen und 55 % der weiblichen Patienten. Patienten im Alter von 60 bis 69 Jahren wiesen die höchsten Raten auf, mit 30 % Adipositas und 61 % Übergewicht. Nach Tumorlokalisation aufgeschlüsselt lagen die Adipositasanteile bei Brust-, Darm-, Gebärmutter-, Eierstock- und Nierenkrebs über 20 %. Die Koordinatorin der Arbeitsgruppe, Laura García Estévez, beschrieb die weit verbreitete Verteilung von Gewichtsproblemen über verschiedene onkologische Fachbereiche.
Unsere Krebspatienten weisen eine hohe Rate an Übergewicht auf, und das wiederholt sich unabhängig von der Tumorart: Brust, Magen-Darm, Lunge, Urogenital, gynäkologisch... kein Krebs bleibt von diesem Übergewicht verschont.
Klinische Implikationen und Patientenversorgung
García Estévez wies darauf hin, dass Übergewicht bei Lungen-, Brust- und Magen-Darm-Krebs fast 60 % erreicht. Bei urologischen Krebserkrankungen lag der Übergewichtsanteil bei 72 %, wobei sie betonte, dass die urologische Stichprobe sehr klein bleibt und keine abschließenden Schlussfolgerungen zulässt. Elena Brozos, ein weiteres Mitglied der Arbeitsgruppe, erklärte, die aktuelle Veröffentlichung liefere eine breite deskriptive Basis, während detaillierte Analysen nach Tumorkategorie weiterliefen. Vorliegende Metaanalysen deuten auf Zusammenhänge zwischen Adipositas, Rückfallraten und Krebsterblichkeit hin. García Estévez merkte zudem an, dass 80 % der weiblichen Krebspatientinnen nach der Diagnose an Gewicht zunehmen. Biologisch erhöht Adipositas die Insulin- und Leptinspiegel, Faktoren, die Entzündungen und Krankheitsprogression fördern. Daher plädiert die SEOM dafür, die Gewichtsbewertung und die Beurteilung der Körperzusammensetzung direkt in die umfassende Patientenversorgung zu integrieren.
- Männer
- 61 %
- Alter 60–69
- 61 %
- Alle Patienten
- 57.8 %
- Frauen
- 55 %
Der Kongress SEOM2026
Die Ergebnisse wurden im Rahmen des Kongresses SEOM2026 vorgestellt, der bis zum 2. Oktober 2026 in Madrid läuft. Die Veranstaltung markiert das 50-jährige Bestehen der Spanischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie und versammelt mehr als 1.800 medizinische Onkologen. Auf dem Programm stehen 237 Referenten, 33 wissenschaftliche Sitzungen und 583 wissenschaftliche Beiträge. Zu den geplanten Themen gehören personalisierte Präzisionsmedizin, klinische und translationale Forschung, neue Therapien, künstliche Intelligenz, Krebsprävention, erbliche Krebserkrankungen, Nachhaltigkeit, Humanisierung der Versorgung, geriatrische Onkologie, kontinuierliche Versorgung und medizinische Ausbildung.

