Kurz gefasst
Die Präfektur Somme erklärte am Dienstag, 20. Oktober, sie habe am Samstag, 17. Oktober, eine CRS-Kompanie nach Amiens geschickt, um die Innenstadt zu sichern – nicht den Laden Trogneux.
Die Polizeigewerkschaft Alliance forderte Präsident Emmanuel Macron in einem Facebook-Beitrag vom Dienstag, 20. Oktober, auf, den Einsatz zu erklären.
Le Canard enchaîné berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, landesweit seien 42 Bereitschaftspolizeikompanien eingesetzt worden, 14 weitere hätten mobilisiert werden können.
NewsIT meldete mindestens 3.000 am Wochenende beschädigte oder geplünderte Geschäfte, 7sur7 nannte für den 17. Oktober mehr als 2.000 Festnahmen.
- Mai 2023Laden Trogneux von Rentenprotestlern ins Visier genommen; Großneffe Jean-Baptiste Trogneux angegriffen, als er sie wegdrängte
- 17. Oktober 2026, nachmittagsMehrere hundert Menschen versuchen fast drei Stunden lang, Absperrungen in der Innenstadt von Amiens zu durchbrechen; eine CRS-Kompanie wird entsandt
- 20. Oktober 2026Alliance fordert in einem Facebook-Beitrag Erklärungen; die Präfektur Somme bestreitet, CRS zum Schutz des Ladens geschickt zu haben
Der Vorwurf
In sozialen Netzwerken kursieren Bilder, die drei Polizeifahrzeuge vor der Schokoladenboutique Trogneux in Amiens zeigen – ein Geschäft der Familie von Brigitte Macron, der Ehefrau von Präsident Emmanuel Macron. Die Fahrzeuge sollen zu CRS-Bereitschaftspolizeieinheiten gehört haben, die vor den Demonstrationen am Samstag, 17. Oktober, positioniert waren. Die Bilder lösten einen Streit aus, weil Händler in ganz Frankreich berichteten, ihre Geschäfte seien am selben Tag schwer beschädigt worden, ohne dass Polizei zu ihrem Schutz vor Ort gewesen sei.
Die Gewerkschaft hakt nach
Die Polizeigewerkschaft Alliance verlangte am Dienstag, 20. Oktober, in einem Facebook-Beitrag vom Präsidenten eine Erklärung für den Einsatz. In dem Beitrag heißt es unter anderem:
„Herr Macron, die Republik ist nicht Ihr Privateigentum“
Derselbe Beitrag stellte eine direkte Frage nach der Gleichbehandlung.
„Erinnern Sie uns, Herr Präsident: Haben alle französischen Bürger das gleiche Recht auf Schutz?“
Johan Cavallero, ein Funktionär von Alliance, wies die Erklärung der Präfektur zurück. Das Zentrum von Amiens sei groß genug, dass die Fahrzeuge auch vor der Kathedrale oder einem anderen Gebäude hätten stehen können, argumentierte er. Die Gewerkschaft erinnerte zudem daran, dass Kollegen 2023 schwer verletzt worden seien, und erklärte, Beamte sollten alle Händler schützen und nicht einen einzigen Laden, weil er der Familie des Präsidenten gehöre.
Die Antwort der Präfektur
Die Präfektur Somme bestritt am Dienstag, eine CRS-Kompanie zum Schutz des Ladens Trogneux entsandt zu haben. Sie erklärte, mehrere hundert Menschen hätten am Samstagnachmittag fast drei Stunden lang versucht, die Absperrungen zum Schutz der Fußgängerzonen in der Innenstadt zu durchbrechen. In ihrer Erklärung heißt es weiter:
„eine CRS-Kompanie stieß am Abend dringend zu den Kräften in Amiens hinzu, um die lokalen Einheiten zu verstärken und alle Geschäfte in der Innenstadt zu sichern“
Laut der Präfektur standen die Fahrzeuge mitten in der Fußgängerzone an der Place Gambetta und nahe dem Bahnhof.
Was Le Canard enchaîné berichtet
Die Satirezeitung Le Canard enchaîné schrieb auf X, eine Kompanie sei eigens zum Schutz der Läden von Brigitte Macrons Bruder abgestellt worden, in Amiens und in Le Touquet im Département Pas-de-Calais. Unter Berufung auf Polizeikreise hieß es, das Innenministerium habe landesweit 42 Bereitschaftspolizeikompanien eingesetzt, obwohl 14 weitere hätten mobilisiert werden können. Zudem behauptete das Blatt, 17 CRS-Kompanien seien am 17. Oktober in Bereitschaft geblieben, und das Ministerium habe die Zahl der Demonstranten stark unterschätzt. Weiter berichtete die Zeitung, der Pariser Polizeipräfekt habe nicht alle angeforderten Verstärkungen erhalten, obwohl die Nachrichtendienste vor weitverbreiteten Plünderungen gewarnt hätten.
- Landesweit eingesetzt
- 42 Kompanien
- Weitere Kompanien, die hätten mobilisiert werden können
- 14 Kompanien
Daten aus dem Artikeltext
Die größeren Unruhen am 17. Oktober
Das Gesamtbild jenes Tages ist gravierend. 7sur7 berichtete von drei Todesfällen unter unklaren Umständen, mehr als 2.000 Festnahmen, geplünderten Geschäften in mehreren Städten und einer Gruppe von Randalierern, die 300 Meter vor dem Élysée gestoppt wurde. NewsIT bezifferte die Zahl der am Wochenende beschädigten oder geplünderten Geschäfte auf mindestens 3.000, der Schaden belaufe sich auf mehrere hundert Millionen Euro. Emmanuel Macron sagte, die Regierung werde den betroffenen Unternehmern die nötige Unterstützung zukommen lassen.
Der Hintergrund von 2023
Laut 20minutes hatten Gegner der Rentenreform den Laden in Amiens bereits 2023 ins Visier genommen und Müllcontainer davor abgestellt. NewsIT berichtete unter Berufung auf einen Bericht der Daily Mail, im Mai 2023 sei Jean-Baptiste Trogneux, der Großneffe von Brigitte Macron und Betreiber des Geschäfts, schwer angegriffen worden, als er versuchte, Demonstranten wegzudrängen.