
Bundespräsident Steinmeier besucht Gamescom – Branche schließt AfD-Politiker aus
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete die Gamescom in Köln, während der Branchenverband Game AfD-Vertreter ausschloss und über Spiele-Regulierung debattierte.
Präsidentenbesuch und Branchenhaltung zur Demokratie
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte am Donnerstag die Gamescom in Köln – erstmals nahm ein deutsches Staatsoberhaupt an der Veranstaltung teil. Bei der Eröffnung des Kongresses rückten Branchenvertreter und Spitzenpolitiker den Zusammenhang zwischen Videospielen und demokratischer Gesellschaft in den Fokus. Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbands Game, bestätigte ausdrücklich, dass Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) von der Messe ausgeschlossen sind. Falk erklärte, der Verband stehe für Verfassungstreue, Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit.
Wer demokratische Prinzipien und eine offene Gesellschaft bekämpft, wie es die AfD tut, ist nicht unser Partner und auf der Gamescom nicht willkommen.
Falk betonte, dass Videospiele aktive Entscheidungen der Spieler erforderten und zog einen direkten Vergleich zum bürgerschaftlichen Engagement in einer Verfassungsdemokratie.
Kulturelle Bedeutung und regulatorische Warnungen
Bei seinem Rundgang durch die Messehallen besuchte Steinmeier den Nintendo-Stand, spielte Wii Sports und traf Cosplayer. Der 70-jährige Präsident stellte fest, dass in Deutschland über 40 Millionen Menschen aller Altersgruppen digitale Spiele nutzen. Steinmeier wies überholte Klischees von isolierten Spielern zurück und bezeichnete Videospiele als Kulturgüter mit unmittelbarer gesellschaftlicher Relevanz. Zugleich sprach er die Risiken des Mediums an, darunter die von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte Spielsucht. Steinmeier forderte klare Regeln, um die Verherrlichung von Gewalt, Hassrede und extremistische Propaganda zu verhindern.
Gerade weil Computer- und Videospiele so allgegenwärtig geworden sind, müssen wir auch über die Schattenseiten dieser Entwicklung sprechen – sachlich, ehrlich und differenziert.
- Angela Merkel besucht die Gamescom, was zu einem bundesweiten Spieleförderprogramm führt
- Der Koalitionsvertrag sieht geplante Steueranreize für Spieleentwickler vor
- Die Gamescom 2026 beginnt offiziell in Köln
- Frank-Walter Steinmeier eröffnet den Kongress, Felix Falk schließt AfD-Vertreter aus
- Geplanter Abschluss der Messe 2026
Wirtschaftliche Dimension und Steuerstreit
Die Branchendiskussionen auf der Veranstaltung befassten sich auch mit der finanziellen Lage deutscher Spieleentwickler auf dem Weltmarkt. Die weltweiten Umsätze mit Videospielen und -diensten erreichten 2025 rund 160 Milliarden Euro, während der deutsche Binnenmarkt inklusive Hardware bei etwa 9,34 Milliarden Euro stabil blieb. Obwohl Deutschland zu den größten Spielemärkten der Welt zählt, bleibt der Wertschöpfungsanteil heimischer Entwickler gering. Verbandsvertreter wiederholten Forderungen nach Steuererleichterungen, um große Produktionsstudios anzuziehen und die Integration Künstlicher Intelligenz zu fördern. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil teilte den Anwesenden mit, dass gesetzliche Steueranreize vorerst nicht eingeführt würden, obwohl der Koalitionsvertrag von 2025 dies vorsieht.
- Weltmarkt
- 160 Mrd. €
- Deutschland
- 9.34 Mrd. €
Hochrangige politische Präsenz in Köln
Die Messe begann am Mittwoch und läuft bis Sonntag; die Veranstalter rechnen mit über 350.000 Besuchern. Neben Steinmeier und Klingbeil nahmen mehrere hochrangige Amtsträger teil, darunter Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Henna Virkkunen. Deutsche Studios präsentierten auf der Messe Eigenproduktionen und Software, die Künstliche Intelligenz nutzt, um Marktanteile auszubauen. Steinmeier betonte, dass Spieltechnologien wertvolle technische Infrastruktur für andere Wirtschaftsbereiche böten, darunter Medizin, Architektur und Fahrzeugtechnik. Die Veranstaltung dauert bis zum Wochenende mit öffentlichen Messehallen und professionellen Netzwerktreffen auf dem Kölner Messegelände.

