
Spanische Staatsanwaltschaft fordert Transparenz über geheime Treffen zwischen dem ehemaligen Vize-Generalstaatsanwalt und PSOE-nahen Personen
Zwei große spanische Staatsanwaltsverbände haben eine interne Untersuchung gefordert und der amtierenden Generalstaatsanwältin gedroht, sie müsse zurücktreten, falls die Institution über zwei nicht offengelegte Treffen zwischen dem ehemaligen Vize-Generalstaatsanwalt und Personen aus dem Umfeld der regierenden PSOE intransparent bleibe.
Die geheimen Treffen
Die Fiscalía General del Estado (FGE) hat bestätigt, dass Diego Villafañe, der ehemalige Vize-Generalstaatsanwalt und rechte Hand des früheren Generalstaatsanwalts Álvaro García Ortiz, im März und April 2025 zwei Treffen mit Leire Díez und Jacobo Teijelo abhielt. Díez ist eine ehemalige PSOE-Aktivistin, die in mehreren Berichten als die „Klempnerin“ der Partei für heikle Operationen beschrieben wird, während Teijelo der Anwalt des früheren PSOE-Funktionärs Santos Cerdán ist. Die Treffen fanden in der FGE-Zentrale in der Calle Fortuny in Madrid statt.
Laut dem Bericht der FGE an Richter Santiago Pedraz vom Audiencia Nacional legte Teijelo Informationen über „hechos presuntamente cometidos por terceras personas que podrían tener relevancia penal“ (angeblich von Dritten begangene Handlungen, die strafrechtlich relevant sein könnten) vor und äußerte die Absicht, mehrere Anzeigen zu erstatten. Die FGE erklärte, García Ortiz sei „a posteriori“ über diese Treffen informiert worden, deren Inhalt später in einer Pressemitteilung zusammengefasst wurde.
Staatsanwälte reagieren mit Empörung
Zwei große Staatsanwaltsverbände gaben am Donnerstag scharf formulierte Erklärungen ab. Die Asociación de Fiscales (AF) äußerte „profunda indignación“ (tiefe Empörung) über das, was sie als „insuficiente respuesta“ (unzureichende Antwort) der FGE bezeichnete. Die Asociación Profesional Independiente de Fiscales (APIF) beschrieb die Treffen als von „máxima gravedad“ (höchster Schwere) und sagte, die veröffentlichten Informationen „apuntan indiciariamente a una posible cooperación de la Fiscalía General del Estado para apoyar las estrategias de influencias, corrupción y falsedad de los citados investigados“ (deuten indizienhaft auf eine mögliche Zusammenarbeit der FGE zur Unterstützung von Einfluss-, Korruptions- und Fälschungsstrategien der genannten Beschuldigten hin).
Si la FGE persiste en su opacidad, debe dimitir, ya que el Ministerio Público exige una transparencia total como garantía ciudadana.
Die Verbände stellten drei zentrale unbeantwortete Fragen: warum Villafañe die beiden Treffen annahm, was ihr wirkliches Ziel war und warum die Anti-Korruptions-Staatsanwaltschaft nicht informiert wurde. Die APIF wies darauf hin, dass das Technische Sekretariat, in dem Villafañe tätig war, keine Zuständigkeit für konkrete Strafsachen habe; seine Rolle beschränke sich auf die Beratung des Generalstaatsanwalts und die Ausarbeitung verbindlicher Grundsatzdokumente.
## Verfahrensanomalien
Quellen aus der Staatsanwaltschaft, die von La Razón konsultiert wurden, beschrieben die Treffen als mit zu vielen Anomalien behaftet, um als Routine betrachtet zu werden. Sie stellten fest, dass es nicht normal sei, dass Privatpersonen direkt zur FGE gehen, um Anzeigen zu erstatten, wenn es Standardwege wie die Provinzstaatsanwaltschaft gebe. „Es anómalo“ (Es ist anomal), sagten die Quellen.
Weitere Bedenken betreffen das Fehlen formeller Dokumentation. Es wurde keine Verwaltungsakte angelegt, noch gab es ein formelles Zugangsprotokoll für Díez und Teijelo in der FGE-Zentrale. Dies widerspricht einem internen Rundschreiben der FGE von vor zwei Jahren, das die Eröffnung einer Verwaltungsakte für jede Angelegenheit vorschreibt. Quellen stellten die offizielle Darstellung in Frage, dass die Anzeigen „carecían de sustento suficiente para impulsar actuación alguna“ (keine ausreichende Grundlage für Maßnahmen hatten), und fragten, warum die Informationen dem Generalstaatsanwalt vorgelegt wurden, wenn sie keine Relevanz hatten.
Die breitere Untersuchung
Die Treffen kamen durch die Ermittlungen der Unidad Central Operativa (UCO) der Guardia Civil im sogenannten „cloacas“-Fall (Abwasser-Fall) ans Licht. Die UCO fing Telefonnachrichten und handschriftliche Notizen von Leire Díez ab, die darauf hindeuteten, dass sie während der Amtszeit von García Ortiz eine vertrauensvolle Beziehung zur FGE hatte. Die UCO ortete die Personen auch in der Calle Fortuny und vermutet, dass bis zu vier solcher Treffen stattgefunden haben könnten.
El Confidencial berichtete, dass die Treffen kurz nach einem Treffen im Februar 2025 stattfanden, bei dem Díez, Teijelo und der Geschäftsmann Javier Pérez Dolset angeblich den Industriellen Alejandro Hamlyn baten, Informationen zu liefern, um Oberstleutnant Antonio Balas von der UCO und mehrere Staatsanwälte „matar“ (im übertragenen Sinne „zu töten“) zu können. Die UCO-Berichte deuten darauf hin, dass das Netzwerk darauf abzielte, mit der Staatsanwaltschaft zu koordinieren, um eine Offensive gegen Staatsanwälte und Agenten zu starten, die an Korruptionsfällen arbeiteten, die die PSOE betreffen.
Politische Dimension
ERC-Sprecher Gabriel Rufián erklärte am Donnerstag im Kongress, dass Leire Díez, wenn sie zweimal mit der FGE zusammentreffen konnte, dies mit dem „mandato de la dirección del PSOE“ (Mandat der PSOE-Führung) getan habe. Er charakterisierte die Operation als einen Versuch, die Methoden des ehemaligen Kommissars Villarejo nachzuahmen, beschrieb die Version der PSOE jedoch als „más cutre“ (schäbiger).
Der Journalist Antonio García Ferreras kritisierte die anfänglichen Dementis der PSOE bezüglich jeglicher Kontakte und stellte fest, dass die Partei zuerst mit „rotundamente no“ (absolut nicht) reagierte, bevor die Treffen schließlich eingeräumt wurden. „Nos intentan hacer una especie de cortina de humo“ (Sie versuchen, eine Art Nebelkerze zu werfen), sagte Ferreras.
- Leire Díez, Jacobo Teijelo und Javier Pérez Dolset bitten angeblich Alejandro Hamlyn um Informationen, um UCO-Beamte und Staatsanwälte ins Visier zu nehmen.
- Erstes Treffen zwischen Diego Villafañe, Leire Díez und Jacobo Teijelo in der FGE-Zentrale.
- Zweites Treffen findet zwischen Ende März und Anfang April 2025 statt.
- FGE bestätigt die beiden Treffen gegenüber Richter Santiago Pedraz, nachdem UCO-Ermittlungen Nachrichten und Geodaten offengelegt haben.
- Die Staatsanwaltsverbände AF und APIF geben Erklärungen ab, in denen sie Transparenz fordern und mit Rücktritt drohen, falls die Intransparenz anhält.


