
Benzinpreise in Deutschland steigen über 2 Euro – ADAC und Monopolkommission werfen Ölkonzernen vorauseilende Preiserhöhungen vor
Der zweimonatige Tankrabatt der Bundesregierung ist um Mitternacht ausgelaufen, und die Zapfsäulenpreise stiegen sofort. Kritik an den Ölkonzernen wird laut, weil sie die Preiserhöhungen vorgezogen und ihre Margen ausgeweitet haben.
Ende der Subvention
Am 1. Juli um Mitternacht lief die staatliche Steuersenkung von 16,7 Cent pro Liter aus, die seit Mai galt. Die Abschaffung sollte durch die sogenannte 12-Uhr-Regel abgefedert werden, doch die Preise stiegen sowohl vor als auch nach dem Stichtag stark an.
Wie die 12-Uhr-Regel genutzt wurde
Nach deutschem Recht dürfen Tankstellen die Preise nur einmal täglich um 12:00 Uhr erhöhen, sie können sie jedoch jederzeit senken. Am Dienstag, dem 30. Juni, dem letzten Tag des Rabatts, verzeichneten die Tankstellen einen rekordhohen Mittagssprung von 20,3 Cent für E10 und 24,0 Cent für Diesel. Anstatt des üblichen starken Rückgangs am Abend ließen sie die Preise nur um 6,5 bzw. 8,4 Cent fallen und hielten sie künstlich hoch über Nacht. Am Mittwochmorgen lag E10 bei 1,971 € und Diesel bei 1,913 €. Am Mittwochmittag trieb ein weiterer Anstieg von 18,2 Cent für Benzin und 20,4 Cent für Diesel die bundesweiten Durchschnittspreise auf 2,15 € und 2,11 €.
- Rekord-Mittagsspitze: E10 +20,3 Cent, Diesel +24,0 Cent auf Durchschnitte von 2,033 € und 1,990 €.
- Abendlicher Rückgang weit geringer als üblich (E10 -6,5 Cent, Diesel -8,4 Cent); Preise bleiben erhöht.
- Steuerrabatt von 16,7 Cent pro Liter läuft um Mitternacht aus.
- Morgenpreise bereits 13,4 Cent (E10) und 15,6 Cent (Diesel) höher als am Dienstagmorgen.
- Mittagssprung treibt E10 auf 2,15 €/Liter, Diesel auf 2,11 €/Liter; beide klar über 2 €.
Kritiker werfen Ölkonzernen Versagen vor
Der ADAC bezeichnete die vorzeitigen Erhöhungen als ungerechtfertigt.
Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission, sagte, dass in den letzten Tagen nur 7 bis 11 Cent des 16,7-Cent-Rabatts bei den Verbrauchern angekommen seien, und nannte die Margenausweitung „aus wettbewerblicher Sicht alarmierend“. Der IW-Ökonom Thomas Puls schätzte, dass die Dieselpreise rund 6 Cent und die Benzinpreise 9 Cent über dem lägen, was sich durch das Weltmarktniveau erklären ließe. Auch der Tankstellenpächterverband TVI griff die Ölkonzerne an; ein Sprecher bezeichnete ihr Verhalten als „ein Paradebeispiel für Dreistigkeit“.In den Tanks vieler Tankstellen befindet sich noch steuerbegünstigter Kraftstoff, daher hätten die Preise am letzten Junitag nicht so stark steigen dürfen.
Pächter fürchten Kundenwut
Tankstellenpächter, die nur 0,8 bis 1,2 Cent pro verkauftem Liter verdienen, fürchten eine Rückkehr der Aggressionen, die während des früheren Preisschocks ausgebrochen waren. Der Berliner Pächter Steven Gröbler sagte, er habe seine Mitarbeiter angewiesen, Hausverbote zu erteilen, nachdem es täglich zu Beleidigungen und Drohungen gekommen sei. Andere Pächter berichteten von ähnlichen Auseinandersetzungen, bei denen viele Kunden die Zapfsäulenbediensteten zu Unrecht für die Erhöhungen verantwortlich machten.
Regierung verschärft Kontrolle
Das Bundeskartellamt hat zugesagt, die Preisgestaltung der Ölkonzerne nach dem Ende der Subvention genau zu überwachen.

