
Benzinpreise in Deutschland steigen stark an, während Steuersenkung ausläuft – Kartellamt warnt
Diesel- und Benzinpreise in Deutschland sind am Dienstagmittag sprunghaft gestiegen, nur wenige Stunden bevor eine befristete Tankrabatt ausläuft. Der ADAC kritisierte die Entwicklung, das Kartellamt warnte vor unberechtigten Preiserhöhungen.
Sprunghafter Anstieg am Mittag vor dem Ende des Rabatts
Am Dienstag verzeichneten die deutschen Kraftstoffpreise einen der größten Tagesanstiege überhaupt. Laut ADAC-Angaben stiegen die Preise um die Mittagszeit um 24 Cent pro Liter für Diesel und 20,3 Cent für Super E10. Die Erhöhungen, die nach der deutschen Preisregulierung nur mittags erlaubt sind, erfolgten am letzten Tag einer befristeten Steuersenkung, die seit Anfang Mai die Abgaben um 16,7 Cent pro Liter gesenkt hatte. Um 12:15 Uhr war E10 3,3 Cent pro Liter teurer als zur gleichen Zeit am Montag, Diesel lag 3,5 Cent höher.
Sechs Preiserhöhungen in Folge trotz fallendem Rohöl
Der deutliche Anstieg am Mittag setzt einen Trend steigender Preise fort, der in der vergangenen Woche zu beobachten war. Der bundesweite Tagesdurchschnitt für E10 erreichte am Montag 1,861 Euro pro Liter, ein Plus von 1,6 Cent gegenüber Sonntag. Diesel stieg um 1,9 Cent auf 1,784 Euro – der sechste Anstieg in Folge. Seit letztem Dienstag sind die Preise für E10 um 4,4 Cent und für Diesel um 5,3 Cent pro Liter gestiegen, obwohl die Rohölpreise im gleichen Zeitraum gefallen sind.
- Die befristete Tankrabatt von 16,7 Cent pro Liter tritt in Kraft
- Eine sechstägige Serie täglicher Kraftstoffpreiserhöhungen beginnt, trotz fallender Rohölpreise
- Mittäglicher Preissprung: Diesel +24 Cent, E10 +20,3 Cent pro Liter; Schlangen an Tankstellen
- Die Steuersenkung läuft aus; ein weiterer starker Preisanstieg wird am Mittwochmittag erwartet
ADAC hält Anstieg für ungerechtfertigt
Der ADAC kritisierte die jüngsten Preisbewegungen und brachte sie mit der bevorstehenden Rückkehr der vollen Besteuerung in Verbindung.
Aus Sicht des ADAC ist die derzeitige Erhöhung der Kraftstoffpreise nicht gerechtfertigt. Der Rohölpreis steigt derzeit nicht. Daher bestätigt sich der Verdacht des ADAC, dass die Mineralölkonzerne die anstehende Steuererhöhung noch vor dem Ende des Tankrabatts einpreisen.
Kartellamt warnt vor überhöhten Preisanstiegen
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, warnte die Mineralölkonzerne davor, die Situation auszunutzen.
Er fügte hinzu, dass die Steuersenkung nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben worden sei, wollte jedoch das Ausmaß der nicht weitergegebenen Entlastung nicht beziffern. Auch die Monopolkommission und das Ifo-Institut sind zu dem Schluss gekommen, dass die Weitergabe unvollständig war, insbesondere bei Diesel. Die Branchenverbände bft und en2x haben diese Feststellungen als Populismus zurückgewiesen oder eine überhöhte Preisbildung bestritten.Die Unternehmen dürfen die Situation nicht dazu nutzen, Preiserhöhungen vorzunehmen, die sachlich nicht gerechtfertigt sind. Wir werden jedem Hinweis auf ein solches Verhalten konsequent nachgehen.
Schlangen an Tankstellen und ungewöhnliche Preisspreizung
Autofahrer beeilten sich, ihre Tanks vor dem Mittagsanstieg zu füllen, was gegen Vormittag an einigen Tankstellen zu Schlangen führte. Die Höhe des Mittagssprungs variierte deutschlandweit ungewöhnlich stark: Während einige Tankstellen nur moderate Erhöhungen verzeichneten, zeigten andere weitaus höhere Anstiege. Nach der Mittagsregel fallen die Preise am Morgen in der Regel auf ihr tägliches Tief, was preisbewusste Autofahrer anlockt.
Mittwoch wird ein weiterer Rekordsprung erwartet
Da die Steuersenkung um Mitternacht ausläuft, wird für das Mittagsfenster am Mittwoch ein noch größerer Preissprung erwartet – eine Kombination aus der üblichen Mittagsanpassung und der Wiederherstellung des vollen Steuersatzes. Ob die Preise dem jüngsten Muster folgen und vor dem Sprung am Morgen fallen, ist ungewiss, da der Rückgang am Dienstagnachmittag langsamer war als in den Vorwochen.


