
Spanien erteilt 609.000 Migranten vorläufige Genehmigungen, nachdem 1,17 Millionen einen legalen Status beantragt haben
Fast 1,2 Millionen undokumentierte Migranten haben in Spaniens dreimonatiger Amnestie einen legalen Status beantragt, über 600.000 haben bereits vorläufige Arbeitserlaubnisse erhalten, während die Regierung die endgültigen Antragszahlen veröffentlicht.
Antragsflut
Am Donnerstag gab die spanische Regierung die endgültigen Zahlen für ihr außerordentliches Regularisierungsprogramm bekannt, das von Mitte April bis zum 30. Juni lief. Insgesamt reichten 1.174.978 undokumentierte Migranten Anträge ein. Davon wurden 609.737 zur Bearbeitung zugelassen und erhielten vorläufige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse, während rund 11.000 bereits den vollen legalen Status erlangt haben. Das Programm verlangt von den Antragstellern den Nachweis, dass sie mindestens fünf Monate vor dem 1. Januar 2026 in Spanien gelebt haben und kein Vorstrafenregister aufweisen.
Diese Maßnahme ermöglicht es Hunderttausenden von Menschen, die bereits in unserem Land leben, aber mit Angst und ohne Rechte, der Zukunft mit Begeisterung und Hoffnung entgegenzusehen.
Demografisches Profil
Zwei Drittel der Antragsteller, 67 Prozent, stammen aus Lateinamerika, wobei Kolumbianer ein Viertel der Gesamtzahl ausmachen (25,9 Prozent). Marokko (13,3 Prozent), Venezuela (11,8 Prozent) und Peru (8,8 Prozent) sind die nächsthäufigsten Herkunftsländer. Afrikanische Nationalitäten machten 22,9 Prozent der Anträge aus. Die Antragsteller sind überwiegend jung: Acht von zehn sind unter 45 Jahre alt, und 57 Prozent sind männlich.
- Kolumbien
- 25.9 %
- Marokko
- 13.3 %
- Venezuela
- 11.8 %
- Peru
- 8.8 %
Eintritt in formelle Beschäftigung
Bis zum 30. Juni hatten sich 159.097 neu regularisierte Personen beim spanischen Sozialversicherungssystem angemeldet, wie aus den zusammen mit den Antragszahlen veröffentlichten Daten hervorgeht. Der Gastgewerbesektor verzeichnete mit 38.776 Anmeldungen den größten Anteil, gefolgt von Handel (20.195), Verwaltungsdienstleistungen (19.327), Baugewerbe (18.310) und Landwirtschaft (14.248). Insgesamt machten ausländische Arbeitskräfte im Juni zwei von drei neuen Sozialversicherungsanmeldungen aus, ein Anstieg von 244 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
- Gastgewerbe
- 38776 Arbeitskräfte
- Handel
- 20195 Arbeitskräfte
- Verwaltungsdienstleistungen
- 19327 Arbeitskräfte
- Baugewerbe
- 18310 Arbeitskräfte
- Landwirtschaft
- 14248 Arbeitskräfte
- Verkehr
- 11132 Arbeitskräfte
- Verarbeitendes Gewerbe
- 9620 Arbeitskräfte
- Sonstige Dienstleistungen
- 6608 Arbeitskräfte
- Gesundheitswesen
- 6404 Arbeitskräfte
- Hausarbeit
- 6393 Arbeitskräfte
Politischer Sturm
Das Programm hat heftigen politischen Widerstand entfacht. Alberto Núñez Feijóo, Vorsitzender der konservativen Volkspartei, beschuldigte Premierminister Pedro Sánchez zunächst der Wahlmanipulation, bevor er diese Behauptung am Donnerstag teilweise zurücknahm. Die rechtsextreme Partei Vox ging noch weiter, bezeichnete die Politik als stillen Wahlbetrug und forderte die Aussetzung der Briefwahl für im Ausland lebende Spanier.
stiller Wahlbetrug
Die Regierung wies die Anschuldigungen als zutiefst verantwortungslos zurück und wies darauf hin, dass die Genehmigungen kein Wahlrecht verleihen. Wirtschaftsvertreter begrüßten die Regularisierung weitgehend und verwiesen auf akute Arbeitskräfteknappheit in Branchen wie Bau und Gastgewerbe.
Galicien im Überblick
Regionale Daten geben einen genaueren Einblick. In Galicien wurden 38.747 Anträge eingereicht, wobei die Provinz A Coruña mit 17.219 an der Spitze liegt, gefolgt von Pontevedra (10.406), Lugo (5.947) und Ourense (5.175). Interessengruppen dort organisieren wöchentliche Proteste in Santiago de Compostela und fordern eine Verlängerung der Antragsfrist sowie mehr Ressourcen zur Bewältigung des Verwaltungsrückstaus, mit dem die örtlichen Polizeistationen zu kämpfen haben.


