
Spanien und Marokko verstärken Grenze von Ceuta nach Aufrufen zu neuem Massenansturm am Samstag
Spanische und marokkanische Sicherheitskräfte haben sich an der Grenze von Ceuta zusammengezogen, nachdem in sozialen Medien zu einem erneuten Massenansturm am Samstag, dem 15. August, aufgerufen wurde – zwei Wochen nachdem Zehntausende in die nordafrikanische Exklave geströmt waren.
Aufrufe in sozialen Medien lösen Mobilisierung aus
In sozialen Medien und auf WhatsApp-Gruppen kursierende Nachrichten fordern Migranten in Marokko auf, am Samstag, dem 15. August, einem spanischen Feiertag, einen erneuten Massenansturm auf die Grenze zu versuchen. Die Beiträge behaupten, die Grenze von Ceuta werde an diesem Tag „geöffnet“. Der spanische Geheimdienst CNI und die Regierung in Madrid nehmen die Aufrufe ernst. Die marokkanischen Behörden haben mehrere Personen festgenommen, die im Verdacht stehen, Falschinformationen verbreitet und zu neuen Versuchen angestiftet zu haben, nach Ceuta und Melilla zu gelangen. In einigen Online-Diskussionen wurde der geplante Termin bereits auf den 18. oder 23. August verschoben, teilweise als Reaktion auf die marokkanische Sicherheitsaufstockung.
Sicherheitskräfte auf beiden Seiten stationiert
Spanien hat sein Nationalpolizei-Kontingent in Ceuta auf fast 900 erhöht, etwa 300 mehr als am 30. Juli, und über 700 Guardia-Civil-Beamte entsandt. Laut El País wurde die lokale Polizei von 1.100 auf 1.600 Kräfte aufgestockt, ein Anstieg von 42 Prozent; 2.000 Soldaten wurden zur Verstärkung geschickt. Soldaten in Kampfuniformen bezogen am Freitagabend vor Supermärkten und offiziellen Gebäuden Stellung. Die Sondereinheit UPR, Taucher des Unterwasserteams GEAS und eine Fregatte der Marine entlang der Küste positioniert. Marokko hat die Grenze mit Hunderten Sicherheitskräften, neuem Stacheldraht an den Zäunen, Wasserwerferfahrzeugen und Patrouillenbooten verstärkt. Die Grenzstadt Fnideq wurde in eine Sicherheitszone verwandelt; auf den Zufahrtsstraßen werden Identitätskontrollen durchgeführt.
Früherer Ansturm und seine Folgen
Am 30. Juli drangen Zehntausende Migranten, hauptsächlich junge Marokkaner, nach Ceuta ein, indem sie von Fnideq aus um die Tarajal-Mole herumschwammen. Die Zahl der Todesopfer variiert je nach Quelle: Reuters berichtet von mindestens 96 Toten, tagesschau von mehr als 80 und Die Welt von fast 100. Auch die Zahl der Eingedrungenen variiert: über 72.000 nach Schätzungen der spanischen Regierung (Reuters), mehr als 70.000 (tagesschau, Die Welt) und bis zu 80.000 (watson, FAZ). Die überwiegende Mehrheit kehrte kurz darauf freiwillig nach Marokko zurück.
- Massenansturm auf die Grenze: Zehntausende dringen in Ceuta ein, Dutzende sterben beim Versuch, die Grenze zu überqueren
- Sprecher des marokkanischen Innenministeriums warnt vor Aufrufen in sozialen Medien; Festnahmen mutmaßlicher Anstifter gemeldet
- Innenminister Grande-Marlaska hält Pressekonferenz in Ceuta
- Spanien und Marokko verstärken Sicherheitskräfte an der Grenze; Soldaten in Kampfuniformen bewachen die Straßen
- In sozialen Medien genannter Termin für einen erneuten Massenversuch an der Grenze
Migranten verbleiben in Ceuta
Zwei Wochen nach dem Ansturm halten sich noch Tausende in Ceuta auf. Innenminister Fernando Grande-Marlaska beziffert die Zahl auf etwa 5.000, während Regionalpräsident Juan Jesús Vivas von mindestens 9.000 spricht und dies einen Bevölkerungszuwachs von 12 Prozent für die Exklave mit knapp 84.000 Einwohnern nennt. Die tagesschau berichtet, Vivas nenne bis zu 12.000.
Ceuta kann nicht länger warten. Ceuta kann diese Belastung nicht länger ertragen.
- Regierung (Grande-Marlaska)
- 5000
- Vivas, 'mindestens' (FAZ)
- 9000
- Vivas, 'bis zu' (tagesschau)
- 12000
Fast 1.900 unbegleitete Minderjährige wurden registriert. Save the Children warnte vor einer humanitären Krise und verwies auf Kinder ab sieben Jahren auf der Straße, zusammen mit schätzungsweise 2.000 weiteren Kindern ohne Schutz. Nachbarschaftsverbände schätzen die Zahl der Minderjährigen sogar auf 4.000. Die Behörden haben mehr als 500 Asylanträge bearbeitet, von denen die meisten abgelehnt wurden. Seit Ende Juli wurden neun Migranten in Ceuta festgenommen, zwei abgeschoben und drei wegen Vergewaltigung angeklagt.
Beamte warnen vor neuem Versuch
Grande-Marlaska sagte am Donnerstag gegenüber Reportern in Ceuta, dass Personen, die illegal eingereist seien, nicht bleiben, nicht auf das spanische Festland reisen oder einen legalen Status erlangen könnten, außer in seltenen Fällen extremer Schutzbedürftigkeit.
Ich sage Ihnen das, damit Sie nicht auf die Mafiagruppen hören, die mit Ihrem Leben spielen. Keiner von Ihnen wird bleiben, keiner von Ihnen wird das Festland erreichen, keiner von Ihnen wird einen legalen Aufenthaltsstatus erhalten.
Der Sprecher des marokkanischen Innenministeriums, Rachid el Jalfi, sagte, die Aufrufe in den sozialen Medien stellten ein ernstes Risiko für die Sicherheit der Menschen dar und warnte, dass Teilnehmer und Organisatoren nach marokkanischem Recht strafrechtlich verfolgt würden.
Alle notwendigen Maßnahmen wurden ergriffen, um jeden Versuch eines illegalen Grenzübertritts zu verhindern und jede Person abzufangen, die versucht, daran teilzunehmen.


