
Rekord: 900.000 Anträge auf Legalisierung von Migranten in Spanien eingereicht – doppelt so hoch wie prognostiziert
Zwei Wochen vor Ablauf der Frist am 30. Juni ist die Zahl der Anträge für Spaniens außerordentliches Legalisierungsverfahren für Migranten auf 900.000 gestiegen und hat damit die ursprüngliche Schätzung der Regierung von rund 500.000 fast verdoppelt.
Ein Rekordanstieg
Die spanische Regierung hat 900.000 Anträge von Migranten erhalten, die ihren Status legalisieren möchten – eine Zahl, die jedes bisherige Legalisierungsverfahren im Land übertrifft. Zum Vergleich: Die letzte Massenlegalisierung im Jahr 2005 verzeichnete 691.655 Anträge, von denen letztlich 576.506 Genehmigungen erteilt wurden. Das aktuelle, im April 2026 gestartete Verfahren zielt darauf ab, irregulär beschäftigte Arbeitskräfte in die formelle Wirtschaft zu integrieren und ihnen Aufenthalts- und Arbeitsrechte zu gewähren. Bislang wurden 360.000 Anträge formell zur Bearbeitung zugelassen, wobei der vollständige Genehmigungsprozess bis zu drei Monate in Anspruch nehmen kann.
- Anfängliche Prognose
- 500000 Anträge
- Aktuelle Anträge
- 900000 Anträge
Regierung wurde kalt erwischt
Als die Ministerin für Inklusion, soziale Sicherheit und Migration, Elma Saiz, den Plan erstmals vorstellte, schätzte sie, dass rund 500.000 irreguläre Migranten anspruchsberechtigt sein könnten. Die tatsächliche Zahl liegt fast doppelt so hoch, was die Kritik von Polizeigewerkschaften befeuert, die behaupten, ihre internen Prognosen seien weitaus präziser gewesen. Das Sindicato Unificado de Policía (SUP) merkte an, dass technische Berichte des Generalkommissariats für Einwanderung und Grenzen ähnliche Zahlen vorhergesagt hatten.
Die nun bekannten Daten zeigen, dass die Prognosen der Polizei der Realität viel näher kamen als die offiziellen Schätzungen, die zur Rechtfertigung der anfänglichen Planung des Prozesses herangezogen wurden.
Ein umstrittener politischer Hintergrund
Ministerpräsident Pedro Sánchez hat die Legalisierung zu einem zentralen Bestandteil des letzten legislativen Vorstoßes seiner Regierung gemacht und nutzt sie, um ein fortschrittliches Image zu projizieren. Die Politik folgte einer umfangreichen Kampagne von Einwanderer-Interessengruppen, die 700.000 Unterschriften für eine Bürgerinitiative sammelten. Während Wirtschaftsführer, Gewerkschaften und die katholische Kirche den Schritt unterstützten, befürwortete die konservative Volkspartei (PP) den Gesetzentwurf zunächst, bevor sie sich später der rechtsextremen Vox-Partei anschloss, die eine „nationale Priorität“ für Spanier bei öffentlichen Dienstleistungen gefordert hat.
Last-Minute-Ansturm
Da die Frist am 30. Juni näher rückt, drängt die Regierung alle Anspruchsberechtigten dazu, Anträge zu stellen, auch wenn ihre Unterlagen unvollständig sind, und verspricht spätere Möglichkeiten zur Fehlerkorrektur. Migranten aus Ländern wie Algerien, Kuba, Guinea-Conakry und Gambia stehen vor besonderen Hürden bei der Beschaffung von Führungszeugnissen, einer wichtigen Voraussetzung. Die Botschaft des Ministeriums, die von NGOs und Rechtsgruppen aufgegriffen wird, ist einfach: „Que nadie se quede fuera“ (Niemand soll zurückgelassen werden).
- Regierung kündigt Legalisierungsplan an
- Prozess gestartet
- 549.596 Anträge eingegangen, 91.505 zugelassen
- 900.000 Anträge eingegangen, 360.000 zugelassen
- Antragsfrist
Wie es weitergeht
Sobald das Zeitfenster Ende Juni schließt, haben die Beamten drei Monate Zeit, jeden Antrag zu bearbeiten. Während bereits einige vorläufige Arbeits- und Aufenthaltserlaubnisse ausgestellt wurden, steht der gesamte Verwaltungsapparat nun vor der Herausforderung, 900.000 Dossiers zu prüfen. Die Regierung räumt das Risiko von Duplikaten und unvollständigen Akten in der Rohzählung ein, besteht jedoch darauf, dass der Prozess reibungslos verläuft.


