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Regierung·vor 3 Std.

Spahn drängt SPD zur Umsetzung der Arbeitszeitreform: Von 8-Stunden-Tag zu wöchentlicher Höchstarbeitszeit

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn hat die SPD aufgefordert, die im Koalitionsvertrag vereinbarte flexible Arbeitszeit umzusetzen, und warnte, dass die Wirtschaft mehr Spielraum brauche. Die Sozialdemokraten sträuben sich, die Gewerkschaften bezeichnen die Reform als Angriff auf die Gesundheit.

Koalitionsvertrag unter Druck

Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, statt der derzeitigen täglichen Höchstarbeitszeit von acht Stunden eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zuzulassen, alles im Einklang mit der Europäischen Arbeitszeitrichtlinie. Die Vereinbarung betont eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Umsetzung stockt jedoch, und Spahn setzt die SPD nun öffentlich unter Druck, diesen Deal einzuhalten.

Die wöchentliche Arbeitszeit zu nehmen, das ist etwas ganz Praktisches: Wenn man um 23 Uhr eine Arbeits-E-Mail schreibt, darf man am nächsten Morgen nicht so früh wieder anfangen, die nächste zu schreiben.

Er argumentierte, dass das derzeitige Arbeitsschutzgesetz oft eine solche Flexibilität verhindere, aber jede Reform den Schutz dennoch aufrechterhalten könne, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer flexible Regeln vereinbarten. Der CDU-Politiker fügte hinzu, dass seine Partei auch zu Teilen des Koalitionsvertrags stehe, die für sie schwierig seien, und nannte das Rentenpaket.

SPD und Gewerkschaften wehren sich

Arbeitsministerin Bärbel Bas sagte dem DGB-Bundeskongress im Mai, dass ihre Partei und sie persönlich das Thema Arbeitszeit lieber gar nicht anfassen würden. Der DGB selbst bezeichnete die Abschaffung des 8-Stunden-Tages als „ungeheuerlichen Angriff auf unsere Zeit und Gesundheit“.

Der SPD-Arbeitspolitiker Dieren merkte an, dass die Reform mit der EU-Richtlinie vereinbar sein müsse, die eine tägliche Ruhezeit von 11 Stunden vorschreibt. Er sagte, wer die Abschaffung der Ruhezeiten für alle Arbeitnehmer fordere, möge das zwar wünschen, bleibe aber nicht im Rahmen des Koalitionsvertrags.

Die 11-stündigen Ruhezeiten sind in der EU-Arbeitszeitrichtlinie sehr klar geregelt. Wer die Abschaffung der Ruhezeiten für alle Arbeitnehmer fordert, mag das zwar wünschen, bleibt aber nicht im Koalitionsvertrag.

Der Streit folgt auf einen Reformgipfel im Kanzleramt in der Vorwoche, bei dem Bundeskanzler Friedrich Merz und Koalitionsführer mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften zusammentrafen. Ein Durchbruch wurde nicht gemeldet.

Grüne offen für Flexibilität, aber mit Grenzen

Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Andreas Audretsch sagte, seine Partei wolle mehr Flexibilität bei Arbeitszeitregelungen ermöglichen, bestand aber darauf, dass der 8-Stunden-Tag zum Schutz von Menschen in körperlich anstrengenden Branchen wie Bau und Logistik erhalten bleiben müsse. Er schloss jede Aufweichung auf Kosten der Gesundheit der Arbeitnehmer aus. Diese Position lässt die SPD unter den potenziellen Reformern isoliert.

Wir wollen mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeiten. Gleichzeitig ist klar: Der Acht-Stunden-Tag muss bleiben, um die Menschen zu schützen, ob auf dem Bau oder in der Logistik.

Was das Gesetz derzeit sagt

Nach geltendem deutschen Recht darf die tägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten, unter bestimmten Bedingungen auf zehn Stunden verlängert werden. Nach der Arbeit müssen Arbeitnehmer eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben, die in Bereichen wie Krankenhäusern, Verkehr oder Gastgewerbe auf zehn Stunden verkürzt werden kann. Der Plan der Koalition ist es, anstelle der täglichen Grenze eine wöchentliche Obergrenze ins Gesetz zu schreiben, unter Beibehaltung der Schutzmaßnahmen der EU-Richtlinie. Spahn besteht darauf, dass die Flexibilität vereinbart wurde und nun umgesetzt werden muss.

Berlin

4 Quellen

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